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Krülls geerbte Schätze mit Denkmal-Wert

Analyse: Krülls geerbte Schätze mit Denkmal-Wert
Schon seit über 30 Jahren arbeitet Simon Krüll selbst nebenher als Bildhauer und erstellt Skulpturen. FOTO: Lammertz Thomas
Krefeld. Reihe Denkmalschutz Simon Krüll erbte von seinem Vater hunderte Figuren von Heiligen. Eigentlich hat er dafür keine Verwendung. Derzeit stauben sie vor allem langsam ein. Von Sven Schalljo

Auf dem Tisch der kleinen Küche in Simon Krülls Wohnung stehen sie: mehrere Figuren, Rosenkränze, ein großes Bild und zwei Holzschnitte. Sie sind ein Überbleibsel der Sammlung des früheren Rosenkranzmuseums. Rolf-Dieter Krüll, sein Vater, hatte dieses einst auf der Alten Linner Straße in Krefeld betrieben und zu diesem Zweck hunderte Devotionalien zusammengetragen.

Als der Vater dann starb, übernahm Sohn Simon die gesamte Sammlung und wusste zunächst nicht, wohin damit. "Etwa ein Drittel musste ich damals wegwerfen, ein weiteres Drittel habe ich verschenkt und den Rest eingelagert. Von diesem Rest sind das hier vielleicht fünf Prozent", sagt Krüll.

Warum sein Vater seinerzeit die Sammlung angelegt hatte, weiß er eigentlich nicht. Wirklich religiös sei er nicht gewesen. "Früher vielleicht etwas. Nach einigen Schicksalsschlägen hatte er sich aber weit davon entfernt, auch wenn er als Bassbariton mit dem Kölner Sinfonieorchester oft auch in Kirchen aufgetreten ist", sinniert der gelernte Drucker und Industriemeister noch heute, wie es eigentlich zu der Sammlung kam.

Vor fünf Jahren hatte er viele Anzeigen im Internet geschaltet, um Stücke an den Mann zu bringen. Plötzlich rief der WDR an und wollte ihn für die Sendung "Bares für Rares" bekommen, die damals startete. Simon Krüll sagte zu und fand sich unversehens im Fernsehen wieder. Noch heute wird die Sendung oft wiederholt, und immer wieder kommen Menschen deshalb auf ihn zu. "Das ist dann jedes Mal wie ein Gruß aus dem Jenseits. Mein Vater war ein sehr öffentlicher Mensch, und das wirkt bis heute nach. Auch die Sendung geht ja letztlich auf ihn zurück. Und immer wieder komme ich so wieder mit ihm in Kontakt. Das ist schon manchmal merkwürdig", berichtet der Sohn.

Gern würde er nun auch die Stücke weitergeben, die er noch hat. Nur wohin? Geld ist nicht seine Motivation, auch wenn er das als Frührentner nach schwerer Krankheit gut brauchen könnte. "Sicher, für einige wertvollere Stücke hätte ich gern ein paar Euro, aber vor allem geht es mir darum, Menschen etwas Gutes zu tun. Ich denke, für gläubige Menschen sind solche Figuren hier und da eine Hilfe", sagt er. Wegwerfen jedenfalls wäre viel zu schade. Aber die Aufbewahrung ist angesichts der schieren Menge auch nicht einfach.

Für ihn wäre es ein schöner Gedanke, wenn die Gegenstände, ob Bilder, Figuren oder Rosenkränze, anderen Menschen Trost spenden. Menschen, die darin vor allem einen ideellen Wert sehen, nicht so sehr einen materiellen. Denn für ihn sind sie nicht zuletzt das Vermächtnis seines Vaters, der auf diese Art noch heute auf die Welt einzuwirken scheint. Auch einige Bistümer hatte er deshalb kontaktiert, traf aber auf wenig Interesse.

Figuren prägen aber auch sonst sein Leben. Denn schon seit über 30 Jahren arbeitet Simon Krüll selbst nebenher als Bildhauer und erstellt Skulpturen. Seine Eltern hatten eine Galerie, und über Vernissagen kam er mit zahlreichen Künstlern in Kontakt, die ihn inspirierten, auch selbst aktiv zu werden. Die Arbeit gebe ihm Kraft, sagt er. Und er sieht auch eine Art spirituelles Erlebnis darin. "Der Stein sagt mir, was in ihm steckt. Das lässt sich schwer beschreiben. Ich weiß einfach, welcher Stein welche Figur wird", erzählt Krüll.

Früher war er auch durchaus aktiv in der Kunstszene und lernte dort viele Künstler kennen. Er selbst arbeitet unter dem Namen Sebastiani in diesem Bereich. Es ist eine Abwandlung seines Zweitnamens Sebastian. Die Arbeit mit der Kunst, die Einflüsse des Vaters und nicht zuletzt seine Krankheit haben ihn nachdenklich gemacht. Gläubig ist er nicht, betrachtet die Welt aber mit wachen Augen. Den Augen eines Künstlers eben. Und die erblicken auch immer wieder den Gruß des Vaters, den Gruß aus dem Jenseits.

Quelle: RP
 
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