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Krefeld
Künstler laden in Dujardin-Ateliers ein

Krefeld: Künstler laden in Dujardin-Ateliers ein
Die nach dem Brand sanierten, noch nicht renovierten Räume im Dujardin-Atelierhaus sind jetzt Ort der Ausstellung. Werke der neun hier arbeitenden Künstler und des verstorbenen Günther Dohr sind am Wochenende zu sehen. FOTO: T. Lammertz
Krefeld. Erstmals nach dem Brand sind am Wochenende Arbeiten von zehn Künstlern aus dem Atelierhaus zu sehen. Von Christine van Delden

Am Wochenende öffnen sich die Türen zur Ausstellung im Atelierhaus Dujardin in Uerdingen. Durch den Brand im vergangenen Jahr musste der Raum in der ersten Etage entkernt werden, wodurch neue Freiflächen entstanden sind; die Fenster sind erst gerade wieder einsetzt worden. Hausherr Mathias Melcher sagt: "Der Raum wird wieder genutzt werden, aber ob als Atelier, ist fraglich." Dies sei eine einmalige Situation, und die Künstler sehen in den Räumen mit den nackten Wänden "eine neue Dimension, die vorher gar nicht so sichtbar war". Jan Kalff spricht für alle anwesenden Künstler: "Wir wollten die Ausstellung machen, denn es war uns ein Bedürfnis, nach dem Brand wieder zusammenzurücken."

Ein weiterer Schatten legt sich über diese Ausstellung: Der Todestag des Künstlers Günter Dohr jährt sich in dieser Woche zum ersten Mal. Seine Witwe, die Künstlerin Martina Urmersbach, erklärt: "Wir haben seine Lichtinstallation "Statisches Objekt 5" und einige Gemälde mit in die Ausstellung aufgenommen. Günter Dohr war quasi unser 'Gründervater' und wir wollten ihn mit dieser Ausstellung noch einmal in unsere Mitte holen."

Martina Urmersbach hat sich aus ihrem Fundus bedient und "überlegt, wie ich auf diesen Raum reagieren kann". So hängt sie strahlenförmige Kreisobjekte neben runde Bohrlöcher, was einen ungewöhnlichen Effekt ergibt: "Mich interessiert das Spiel mit Farben und Formen und alle 'unedlen' Materialien, wie Fundstücke vom Rheinufer oder auch aus dem Müll".

Heinz Ladage zeigt Holzschnitte, die er nach der Technik der "verlorenen Platte" erstellt hat. Das heißt, dass er nicht für jede Farbschicht eine neue Druckplatte verwendet, sondern nach jedem Druckvorgang die Teile seines Druckstocks wegschneidet, die für weitere Farben nicht mehr gebraucht werden. Alle Arbeiten werden aufwendig im Handdruck gefertigt: "Das ist richtige Knochenarbeit." Jan Kalff stellt großformatige Bleistiftzeichnungen zweier Kühe aus: "Gisela" und "Erika". Er erzählt: "In den Niederlanden habe ich zwei Fotografien von zwei wohl preisgekrönten Kühe entdeckt, die mich angesprochen haben. Ich habe mir gedacht: da musst du was draus machen." In erster Linie malt Kalff, aber "im Moment interessiert mich mehr das Grafische". In seinem Atelier finden sich etliche Gemälde des "bekennenden Niederrheiners", wie Kalff sich selber nennt. Auch hier trifft der Betrachter auf die Abbildung einer Kuh, die Kalff als "Nebelkuh" bezeichnet. Sie erinnert an Arbeiten von Gerhard Richter, das sei aber ausdrücklich nicht seine Absicht, vielmehr verdanke sich das Bild einer defekten Kamera.

Sibylle Gröne hat sich "die Natur ins Team geholt, quasi wie eine geteilte Autorenschaft". Ihre großformatigen Bilder entpuppen sich beim näheren Hinschauen als eine dünne Gaze, die über eine Leinwand gespannt ist. Diese Gaze hat zuvor für sechs Wochen ausgebreitet in einer großen Eisenschale gelegen, der Witterung ausgesetzt. Dadurch kam ein Korrosionsprozess in Gang: Das entstehende Eisenoxid färbte die Gaze, das (Regen-)Wasser zog Kränze. "Es war fast wie eine Forschungsarbeit für mich," sagt Gröne. Die Bilder erinnern an große Blüten und haben eine ganz eigene Anmutung. In der zweiten Etage präsentiert die Künstlerin gespiegelte Ansichten vom Golf von Tigullio an der ligurischen Küste in Panoramaformat. "Durch die Spiegelung entsteht eine völlig neue Welt und rutscht in eine Surrealität."

Johannes Trittien zeigt Objekte, die über Prozesse gestaltet wurden, über Deformation, Fraktur oder Schnitte. Ein Block aus 20.000 Blatt DIN A4-Papier, das mit einem dünnen Leimfilm zusammen gehalten ist, wartet noch auf die weitere Bearbeitung. Lydia Mammes bemalte für ihr Werk "Mapping the difference" vier mal 17 Folien und hat diese in nassem Zustand in gleicher Art zusammengefaltet, wodurch die Farben verlaufen sind. "Das Erstaunliche ist, dass völlig verschiedene Bilder entstanden sind, obwohl die gleichen Farben verwendet wurden. Der Prozess war das Ausschlaggebende." Außerdem zeigt sie scheinbar monochrome Tafeln, die bei näherem Hinsehen offenbaren, dass viele Farbschichten übereinanderliegen, sich zu neuen Farbräumen zusammenfinden.

Bart Koning ist mit dem großformatigen Bild einer Möwe vertreten. Er zeigt aber auch auf den ersten Blick ungewöhnliche neue Arbeiten, die sich als Porträts von Spielzeugfiguren entpuppen, die er "auf Heldenmaß gebracht" hat, wie Koning es beschreibt. Man sieht den Figuren an, dass sie ehemals unter der großen Spielfreude gelitten haben. Koning will sie nicht nostalgisch verstanden wissen, sondern auf eine andere Wahrnehmungsebene heben. "Auf diese Weise verfremdet öffnen sich Gedankenräume. Meine detaillierte Maltechnik ist für mich nur ein Mittel, nicht das Ziel; sie trägt vielmehr dazu bei, dass ich das Ziel erreiche."

Weitere ausstellende Künstler sind Frank Joerges (Malerei), Sabine Brüning (Malerei) und Ralf Jonowski (Fotografie und Holzwerkstatt).

Quelle: RP
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