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Serie Kwm - Die Erste Woche
Künstlerbesuch aus New York: Marcaccio

Serie Kwm - Die Erste Woche: Künstlerbesuch aus New York: Marcaccio
FOTO: Lammertz Thomas
Krefeld. Fabian Marcaccio gehört zu den wichtigen aufstrebenden Künstlern der Gegenwart. Der in New York lebende Argentinier hat 2011 bei der "documenta" ausgestellt und hatte eine Doppelschau in Haus Esters und dem Lehmbruckmuseum. Jetzt besuchte er das KWM. Von Mojo Mendiola

Ein weiteres Highlight der KWM-Festwoche präsentierten Museumsdirektor Martin Hentschel und sein Gast Fabian Marcaccio am Mittwochabend dem Publikum. "Gespräch im Gehen" hieß die Erkundungsreise durch die zweite Etage, zu denen auch Marcaccios Werke "The Lynching Of Mary Turner" (2013) und "Eric & Dylan" (2011) zählten.

Fabian Marcaccio wurde 1963 im argentinischen Rosario als Sohn einer argentinischen Mutter und eines italienischen Vaters geboren. An der dortigen Universität studierte er Philosophie und ließ sich 1985 in New York nieder, wo er seitdem lebt. Dort entwickelte er seine genre-übergreifenden Arbeitstechniken und die Begriffe "Paintants" und "Draftants" für die in diesen Techniken geschaffenen Arbeiten. Dabei verschmelzen Gemälde und Skulptur zu einem dreidimensionalen Bild.

Der Künstler Fabian Marcaccio erklärt sehr expressiv, wie er die Arbeiten im Kaiser-Wilhelm-Museum sieht. FOTO: Thomas Lammertz

Der Weg durch die Ausstellung "Abenteuer unserer Sammlung" begann bei Claude Monet und dessen "Parlament, Sonnenuntergang" (1904). Das Gebäude ist darauf nur als Silhouette in dichtem Smog zu erkennen und legt Zeugnis ab von Monets Weg hin zum Abstrakten. Marcaccio wies besonders auf die Funktion der Farbe Grün in diesem speziellen Gemälde hin, denn der moosige Schimmer verleihe dem Bild erst seine besondere Spannung. Vor einem unbetitelten Spätwerk von Morris Louis (1961/62) fachsimpelten beide, wie Louis, der gern mit dem Farbkännchen arbeitete, die extrem langen Senkrechtlinien so hinbekommen haben mag. "Utopie" war der zentrale Begriff, den Marcaccio im großen Saal unter der Glaskuppel zur Erläuterung der vier Bilder von Piet Mondrian heranzog, ganz im Gegensatz zur "Distopie", die er in Peter Halleys "The Happy Land" (1990) erblickte, wo die ganz in Rottönen gehaltene Geometrie den Zustand der Einkapselung reflektiere.

"Krefeld ist für mich ein ganz spezieller Ort", ließ sich der Künstler später vernehmen, "und das liegt vor allem an Martin Hentschel. Die meisten Kuratoren schenken einem ihre Aufmerksamkeit nur für ein einzelnes Projekt. Hentschels Interesse begleitet einen weiter." Und dem Gedankenaustausch der beiden war trotz ihrer ganz unterschiedlichen Temperamente die innere Verbundenheit anzumerken. "Das hier ist mein Lieblingsraum", witzelte Marcaccio zwischen den Arbeiten von Gerhard Richter, Sigmar Polke und seinen eigenen. Er sieht Richter und Polke als Exponenten der Auseinandersetzung mit der deutschen Vergangenheit und als Streiter wider die Dominanz amerikanischer Pop Art. Er selbst fühlt sich dabei Polke näher, diesem "Magier der Verzweiflung", und in der Tat verarbeitet Marcaccio seinerseits Themen, die von Brutalität und Verzweiflung gekennzeichnet sind. Das Bild "The Lynching of Mary Turner" ist die jüngste Neuerwerbung der Kunstmuseen. "Lynching gehört leider genauso zu Amerika wie Apple Pie", sagte er mit dem scharfen Blick des Immigranten, "aber noch niemand hat es gemalt. Also habe ich es getan."

Eine anregende und kurzweilige Führung erlebten die Besucher mit Marcaccio und Museumsleiter Martin Hentschel (vorne rechts). FOTO: Lammertz Thomas

Ähnliches gilt für das Highschool-Massaker von Columbine, dem Gegenstand seines zweiten Bildes mit dem Titel "Eric & Dylan". Vor allem aber vermittelte Marcaccio am Ende des Rundgangs Einblicke in die hochkomplexen Entstehungsprozesse seiner ungeheuer sinnlichen Bilder.

Quelle: RP
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