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Krefeld
Kult-Taverne Zorbas schließt

Krefeld: Kult-Taverne Zorbas schließt
Maria Toutzaris und ihre Sohn Kostas: Noch gut vier Wochen lang bieten sie in der Taverne Zorbas griechische Spezialitäten und Atmosphäre. FOTO: Thomas Lammertz
Krefeld. Das griechische Restaurant Zorbas wurde 1968 als erstes seiner Art in Krefeld eröffnet und entwickelte sich schnell zum Treffpunkt insbesondere von Künstlern. Fast 40 Jahre waren Jorgo und Maria Toutzaris die Gastgeber. Jetzt wird die Kult-Taverne geschlossen.  Von Jochen Lenzen

Die Wehmut ist ihr anzusehen: Maria Toutzaris wird das Restaurant "Taverne Zorbas" hinter dem Kaiser-Wilhelm-Museum am Karlsplatz Ende Mai schließen. Damit geht eine Ära zu Ende, die vor fast 50 Jahren begonnen hatte, als Archimedes Alevridis an der Wiedenhofstraße am Platz an der Alten Kirche (heute "Limericks") das erste griechische Restaurant in Krefeld eröffnet hatte.

Schon damals bereitete Maria Toutzaris in der Küche die griechischen Spezialitäten für die Gäste zu, die in stetig zunehmender Zahl in die "Taverne Zorbas" kamen. Das Lokal entwickelte sich schnell zum regelmäßigen Treffpunkt für viele Kunststudenten und -Professoren, Künstler, Theaterleute, Sportler und auch einige Politiker. Viele brachten auch immer häufiger ihre Kinder mit, so dass sich in dem Restaurant am Alten Kirchplatz ein regelrechtes Familienleben entwickelte. "Wer wollte, konnte sich in einem Nebenraum von einem griechischen Friseur sogar die Haare schneiden lassen", erzählt Maria Toutzaris, die bis heute für ihre Patatakia, die handgeschnittenen dünnen Bratkartoffeln, ihren Stifado, Rindfleisch in Rotweinsauce, und ihre Moussaka, den Kartoffel-Auberginen-Auflauf, berühmt ist.

Jorgo Toutzaris in seinem Element: Der musikalische Hausherr brachte seinen Gästen mit Begeisterung und Geduld das Sirtaki-Tanzen bei. FOTO: pri

1978 hatte ihr im vergangenen Jahr verstorbener Mann Georgios, der nur Jorgo genannt wurde, das Kult-Restaurant übernommen und baute es - inklusive Küche - weiter aus. Nach wie vor trafen sich hier Künstler wie Uwe Rast, Paul Kamper, Werner Motté, Peter M. Heeser, Meta Weber, Udo Steneberg und Joannis Chryssos - etliche seit 1976 auch zu einem festen Stammtisch. "Für Frau Professor Zaiser von der Werkkunstschule und ihren Partner war sogar eine Ecke reserviert, die niemand anders besetzen durfte", erinnert sich Chryssos' Frau Ingelin.

Von Anfang an hat es im Zorbas ständige Ausstellungen gegeben. Joannis Chryssos steuerte unter anderem Wandbilder griechischer Landschaften bei. Auch Live-Musik gehörte immer zum Leben im Zorbas. Jorgo Toutzaris war selbst ein großer Sänger und brachte den Gästen mit Liebe und Geduld auch das Sirtaki-Tanzen bei. Das Restaurant war auch Ort von Vorträgen der Deutsch-Griechischen Gesellschaft Krefeld, beispielsweise über griechischen Kaffee und seine Kultur oder über die traditionelle "Rembetiko" genannte Bouzoukimusik der aus der Türkei vertriebenen Griechen, erinnert sich Maler Udo Steneberg, der gelegentlich zu Jorgos Gesang Gitarre spielte.

Am 31. Mai schließt das Restaurant am Karlsplatz nach vier Jahrzehnten. FOTO: Lammertz, Thomas (lamm)

Der Umbau des Hauses an der Wiedenhofstraße zwang Toutzaris 1985 zum Umzug in sein Haus am Karlsplatz. Die Wohnung im Erdgeschoss wurde aufwändig zunächst zum Fischrestaurant "Skorpios" umgebaut, das zwei Jahre später durch Anmietung eines Ladenlokals mit einem Durchbruch verbunden und im Tavernenstil wie im alten Zorbas mit Möbeln aus Griechenland umgestaltet wurde. Zur Eröffnung war damals auch Oberbürgermeister Dieter Pützhofen gekommen, der - so erinnert sich eine damals Mitfeiernde schmunzelnd - die im folkloristischen Kurzrock dargestellte Figur an der entsprechenden Tür nicht als Mann und als Zeichen für die Herrentoilette anerkannte und stattdessen die Damentoilette mit der langberockten Figur an der Tür aufsuchte.

In den letzten elf Jahren fungierte Jorgos und Marias Sohn Kostas als Restaurantleiter. Der respektiert die Entscheidung seiner heute 63-jährigen Mutter, die fast fünf Jahrzehnte lang die Küche geführt hat, nun Schluss zu machen. Was mit dem Restaurant geschieht, ist noch offen. Mutter und Sohn wollen das Haus entweder vermieten oder verkaufen.

Quelle: RP
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