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Krefeld
Kunst für den heimischen Garten Eden

Krefeld. 40 Künstler aus Europa zeigen heute und morgen bei der 23. "Art of Eden" ihre Kunstwerke im Botanischen Garten. Erstmals verbindet ein Shuttlebus, die Kunstschau mit dem Pottbäckermarkt. Von Petra Diederichs

Mecky Mattern ist bei Goethe fündig geworden. "Zu seiner Zeit schrieb man Weiber mit ai. Das hat mir gefallen." Seither heißen ihre Skulpturen praller Weiblichkeit "Vollwaiber". Bunte Frauenfiguren bilden einen der roten Fäden, die sich durch die 23. Ausstellung "Art of Eden" ziehen. Im Botanischen Garten zeigen heute und morgen Künstler aus vielen europäischen Ländern ihre Werke, die große Grünanlagen, den heimischen Garten, aber auch kleine Balkons verschönern können.

"In 23 Jahren ist der Botanische Garten immer schöner geworden", lobt Veranstalterin Irina Hölscher die Arbeit von Birgit Loy, Leiterin des Gartens. Das Konzept sei über die Jahre immer dasselbe geblieben, aber "es gibt in jedem Jahr neue Gesichter und neue Arbeiten. Und ich bin stolz, dass wir hier wirklich nur Unikate präsentieren".

Neu dabei ist die Krefelderin Renate Popp. Seit 15 Jahren kreiert sie aus Gips und aus Beton füllige Frauen, die in leuchtenden Knallfarben zum Blickfang werden. Die auffällige Ähnlichkeit zu den Nanas der französischen Künstlerin Niki de Saint Phalle ist gewollt. "Ihre Skulpturen haben mich so beeindruckt, dass ich entsprechende Seminare belegt und viel über sie gelesen habe", erzählt die Krefelderin. Den Objekten gibt sie Namen: Eva, Paula und Lotta verführen Streichler: "Viele Leute, besonders etwas korpulentere Damen, mögen es, mit der Hand über die runden Hüften zu fahren", sagt Renate Popp. Die Figuren sind mit Noppenfolie gefüllt, damit sie keine Feuchtigkeit speichern, und doppelt mit Bootslack gestrichen, damit sie bis kurz vor dem Frost draußen bleiben können. Den Nana-Urtyp hat sie weiterentwickelt - bis zu ranken Ballerinen in metallischem Glanz.

Keramik ist der große Schwerpunkt der Schau. Antje Schwittmann-Schops und Rieke Hartwig vom Krefelder Atelier Feuerfest zeigen ihre Tierskulpturen, Wasserschalen und beleuchtete Außenobjekte erstmals im Botanischen Garten - und nicht auf dem Pottbäckermarkt: "Wir freuen uns auf die ruhige Atmosphäre hier". Sie sind gespannt, wie viele Besucher den kostenlosen Shuttlebus nutzen, den die Stadt zwischen dem Pottbäckermarkt in der City und dem Botanischen Garten pendeln lässt. "Begegnung" ist das Thema des Niederländers Frans Kegels. Aus Cortenstahl, einem wetterfesten Baustahl, und Bronze - kombiniert mit Glas - geht es um das Aufeinandertreffen von Natur, Kunst, Material und Mensch.

Eine Premiere feiert die sozialkritische Kunst bei "Art of Eden". Der Moerser Pit Bohne hat auf der Wiese vor dem Teich mit Giftfässern, Auto-Nummernschildern und gefüllten Mülltonnen die Wegwerfgesellschaft abgebildet. "Art of Eden" steht für mehr als hübsche Dekoration. Das bringt der Niederländer Will Schropp auf den Punkt. Er arbeitet mit Holz, aber sein wichtigstes Werkzeug sei nicht die Kettensäge, sagt er, sondern der Bleistift. "Wenn ich eine Idee habe, überlege ich, wie ich sie in eine Form bringe, und fertige eine Zeichnung. Einem Gedanken eine Gestalt zu geben, das ist Kunst. Der Rest ist gutes Handwerk."

Quelle: RP
 
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