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Krefeld
Kunstblätter mit Schere und Computer

Krefeld. Die Collage im 21. Jahrhundert: Jos van Deenen und Mojo Mendiola zeigen unterschiedliche Stile eines Genres. Von Christine van Delden

Die Galerie Heidefeld am Ostwall zeigt unter dem Titel "Tumult mit Maus und Schere" klassische und digitale Collagen des Niederländers Jos Deenen und des Krefelders Mojo Mendiola. "Die Idee zu dieser Ausstellung ist in Verbindung mit Mojo Mendiola gereift", berichtet Galerist Egon Heidefeld. "Er stellte den Kontakt zu Jos Deenen her und gemeinsam haben wir eine Auswahl für die Krefelder Ausstellung getroffen." Die Ausstellung erstreckt sich über drei Räume, von denen je einer die Werke Deenens und Mendiolas zeigt; im dritten Raum stehen sich die Werke gegenüber.

Jos Deenen bezieht sich in seiner Collage-Technik auf den Künstler John Heartfield (1891-1968), der als der Erfinder der politischen Fotomontage gilt. Deenen zerschneidet Fotografien und setzt sie in völlig neuen Sinnzusammenhängen wieder zusammen, mit denen er politische Missstände anprangert und Themen wie Umweltverschmutzung oder Völkerwanderung und Krieg aufgreift.

Das Ergebnis regt manchmal zum Schmunzeln und manchmal zum Nachdenken an; teilweise schockieren der Sarkasmus und die Ironie den Betrachter. Beispielsweise wenn ein Bild betitelt ist: "Modebewusste Seehunde hassen blaue Seidenschals". Es zeigt einen Strand, auf dem sich angeschwemmter Plastikmüll türmt, und im Vordergrund einen Seehund, der einen blauen "Seidenschal" trägt - der sich wiederum beim näheren Hinschauen als ein zerrissenes Fischernetz entpuppt, das ihn zu erdrosseln droht.

Der in Krefeld lebende Mojo Mendiola, der sich selbst als "Surrealist aus Erfahrung" bezeichnet, arbeitet seine Collagen am Computer: "Ich will bewusst mit dem Rechner Bilder 'malen', die nicht mathematische Kühle ausstrahlen, sondern Seele haben und atmen, weil das Computerzeitalter keineswegs so seelenlos sein müsste, wie es scheint". Als Beispiel sei das Bild "Die Fantasie ist entkommen" vorgestellt: Der Märchendichter Hans-Christian Andersen sitzt in einer tristen, aber nicht unfreundlichen Umgebung. Ihm zu Füßen liegt eine gelöste Fußfessel. Bunte Schmetterlinge schweben ins Bild als Symbol dafür, dass sich das Schöne aus den Märchen Bahn bricht. Die großen, begehbaren Märchenskulpturen im New Yorker Central-Park haben ihn zu dieser Arbeit inspiriert, berichtet Mendiola. Realisiert werden die Bilder schließlich als Drucke. Pro Bild werden maximal drei Exemplare gefertigt.

In den ausgestellten plastischen Arbeiten zeigt Mendiola die Fortsetzung der Collage in der dritten Dimension: Sogenannte "Ready-mades" werden bei ihm zu "medi-mades", wenn er Objekte aus dem Bereich der Medizin in neuen Zusammenhängen präsentiert.

Quelle: RP
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