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Krefeld
Kunstprojekt stärkt Selbstbewusstsein

Krefeld: Kunstprojekt stärkt Selbstbewusstsein
Kunst kennt kein Alter, heißt das Projekt, an dem Bewohner des Seniorenheims "Haus im Park" teilnahmen. Jetzt eröffneten sie ihre erste Ausstellung. Mit dabei: Mario Bernards von Currenta (l.),Yvonne Wilczynski (3. v.r.), Stephan Kluthausen, Leiter der Einrichtung, und Annette Frenken vom Sozialdienst. FOTO: T. Lammertz
Krefeld. Bewohner des Seniorenheims "Haus im Park" eröffneten jetzt ihre erste Ausstellung mit eigenen Werken. Von Christine van Delden

Kunst kennt kein Alter. Das beweisen die Senioren im "Haus im Park" mit ihren farbenfrohen Werken, die im Laufe eines Kunstprojektes entstanden sind. Am Mittwoch wurde die Ausstellung in einer kleinen Feierstunde in der Cafeteria eröffnet - mit einem Gläschen Sekt und Gebäck, wie es sich für eine Vernissage gehört.

Stolz und auch ein bisschen aufgeregt präsentieren die Senioren ihre Kunstwerke: Collagen aus Naturmaterialien auf Holzplatten montiert, Landschaftsbilder in Acryl auf Leinwand und Holztiere, die mit Hilfe eines Schreiners ausgesägt und dann von den Künstlern bearbeitet wurden. Mit 97 Jahren ist Erna Wissing die älteste Teilnehmerin. Sie hat ein Holztier bearbeitet, eine blaue Taube und sagt: "Eigentlich heißt das Lied ja 'Kleine Möwe flieg nach Helgoland', bei mir ist es nun eine blaue Taube, die nach Helgoland fliegt."

Begleitet wurden die Senioren durch die Künstlerin und Kreativtherapeutin für Gerontopsychiatrie Yvonne Wilczynski, vom Verein Die Kunstpaten: "Anfangs stieß mein Projekt auf große Skepsis seitens der Bewohner, sie trauten sich nicht zu, kreativ arbeiten zu können." Wilczynski erklärt: "Die größte Herausforderung für mich ist es jedes Mal, die alten Menschen zu motivieren, die oft gar keine Berührungspunkte mit Kunst haben und zum großen Teil auch dement sind. Ich versuche, sie mit verschiedenen Materialien neugierig zu machen und zu locken."

Sie berichtet, dass die positiven Reaktionen der Senioren, aber auch des Personals auf das Kunstprojekt, ganz erstaunlich seien: Die einen seien stolz, dass sie etwas mit den eigenen Händen erschaffen können und die anderen sähen die Bewohner aus einer völlig neuen Perspektive; sie entdeckten, dass die Senioren mit Begeisterung, Talent und Leidenschaft kreativ tätig sind.

"Mir geht es in erster Linie um die Freude an der kreativen Arbeit. Es ist tatsächlich so, dass auch diese alten Menschen gerne noch etwas Neues ausprobieren", erklärt Yvonne Wilczynski. Es sei schön zu beobachten, dass sich die Senioren untereinander helfen und so verschiedene Handicaps ausgleichen - seien es die schwächer werdenden Augen oder die motorisch nicht mehr ganz so sicheren Hände.

Stephan Kluthausen, Leiter der Einrichtung, berichtet, dass derzeit 80 Senioren im "Haus im Park" leben. Etwa 65 Prozent seien dement. "Ich bin wirklich überrascht über die ungeahnte Kreativität, die bei diesem Kunstprojekt freigesetzt wird, und mit welcher Freude unsere Bewohner mitmachen."

Finanzielle Unterstützung erfährt das "Haus im Park" für dieses Projekt vom Chempark-Betreiber Currenta.

Die Ausstellung kann im "Haus im Park" an der Zeppelinstraße 11 besichtigt werden. Die Holzfiguren werden teilweise im Außenbereich präsentiert.

Quelle: RP
 
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