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Ausstellung
KWM entdeckt Krefelder Künstler für sich

Krefeld. Zum ersten Mal überhaupt präsentiert das Kaiser Wilhelm Museum eine Ausstellung zu Ehren des in Vergessenheit geratenen Krefelder Malers Adolf Höninghaus. Bis April sind rund 270 Arbeiten des Landschaftsmalers zu sehen. Von Tim Kronner

Nur wenige kennen Leben und Werk des in Krefeld geborenen Künstlers Adolf Höninghaus. Das will das Kaiser Wilhelm Museum (KWM) nun ändern und zeigt ab morgen die Ausstellung "Der unersättliche Blick", in der eine Auswahl seiner Skizzen und Gemälde zu sehen ist. "Wir wollen den Künstler neu entdecken und damit die Geschichte der Landschaftsmalerei des 19. Jahrhunderts um ein faszinierendes Kapitel fortschreiben", sagt Sylvia Martin, die Kuratorin der Ausstellung. Im Mittelpunkt stehen die teilweise fast fotografisch genauen Naturabbilder, von denen bis April rund 270 die Wände im ersten Stock des Museums säumen.

Das zentrale Motiv der mehrmonatigen Ausstellung ist das Thema "Reisen". Denn Höninghaus wuchs hier zwar auf, und verstarb auch in der Seidenstadt, hielt sich den Großteil seines Lebens aber nicht am Niederrhein auf. Nach seinem Studium der Landschaftsmalerei in Düsseldorf, begab er sich auf die, für Maler obligatorische "Grand Tour" und bereiste Italien - mit dabei immer Papier, Stift, Pinsel und Farben. "Man kann es sich wirklich so vorstellen, dass er dann mitten in Italien auf einem Schemel gesessen und die Natur betrachtet sowie abgebildet hat", sagt Martin.

Dabei ging der zeichnende Forscher nach dem typischen Muster der Düsseldorfer Schule vor: Unterwegs entstanden Skizzen, die später im Atelier als Vorlage für ein Gemälde dienten. Da Höninghaus allerdings einen - wie der Name der Ausstellung verrät - "unersättlichen Blick" hatte, schafften es viele Motive nicht auf die große Leinwand. "Er liebte die Vielfalt und war deutlich mehr unterwegs und auf Reisen als im Atelier", sagt Martin. Da diese in den 1840er Jahren äußerst zeitintensiv waren, kam es oft zu Verzögerungen - ein Mal brauchte Höninghaus 25 Jahre, um aus einer Zeichnung ein Gemälde zu machen.

Die Öl- und Stiftskizzen des Malers sind aber keineswegs weniger schön anzusehen. Auf ihnen wählte Höninghaus immer ein Motiv als Fokus aus - beispielsweise einen von Felsen und Pflanzen umgebenen See - und ließ den Rest der Landschaft zu den Rändern hin verschwimmen. "Diese fragmentarische Darstellung hat den Charme des Unvollendeten und regt zur Reflexion über fremde Länder und die dortige Natur an", sagt Martin. Motive sind aber längst nicht nur italienische Küsten oder Dresden und Böhmen, wohin Höninghaus zu späterer Zeit reiste. Es sind auch Krefelder Motive wie die Burg Linn oder Uerdingen zu finden.

In zwölf thematisch gefassten Kapiteln führt das Museum durch die Ausstellung, die nur eine Auswahl der rund 2000 Werke Höninghaus' ist, die sich im Besitz des KWM befinden. Angereichert wird das Angebot durch einige Gemälde seiner Lehrmeister, darunter Johann Wilhelm Schirmer. Außerdem gibt es eine Video-Installation des britischen Konzeptkünstlers Victor Burgin. "Voyage to Italy" zeigt die antike Stadt Pompeji, die auch Höninghaus besuchte. "Die Ton- und Bildsequenzen bringen eine zusätzliche emotionale Ebene in die Ausstellung", sagt Martin.

Wen es am Ende der Führung im "Zeichenfinger" juckt, der darf sich auch selbst ausprobieren. Besucher können sich auf Reisestaffeleien am Abbilden von Pflanzen und Steinen versuchen. Die Literaten hingegen haben die Möglichkeit, ein fiktives Reisetagebuch von Höninghaus zu füllen. Und auch an die junge Generation ist gedacht: Vor einem riesigen Landschaftsbild kann man ein "Selfie aus Rom" machen.

Quelle: RP
 
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