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Bischof Dieser
"Lachen kann ein Segen sein"

Bischof Dieser: "Lachen kann ein Segen sein"
Helmut Dieser, der neue Bischof vom Bistum Aachen, ist 54 Jahre alt. Er wurde in Neuwied geboren.1989 erfolgte in Trier die Priesterweihe, 1998 die Promotion zum Doktor der Theologie. 2011 erhielt er die Bischofsweihe, am 12. November dieses Jahres wurde er zum Bischof vom Bistum Aachen ernannt. Der Bischof wird am Samstag, 3. Dezember, 10 Uhr, in St. Dionysius ein Pontifikalamt halten, anschließend besucht er den "Besonderen Weihnachtsmarkt". FOTO: Bauer
Krefeld. Aachens neuer Bischof Helmut Dieser stattet Krefeld am Samstag einen Besuch ab. Wir stellten ihm Fragen zu alten Konflikten zwischen Bistum und Krefelder Gemeinden, zur Suche nach neuer Gemeinsamkeit - und zum Thema Humor.

Das Verhältnis zwischen den Krefelder Katholiken und dem Bistum war in den vergangenen Jahren teils von Konflikten um die Strukturreformen belastet. Suchen Sie neu die Nähe zur Basis und werben Sie um Verständnis für die Reformen?

Bischof Dieser Zunächst einmal freue ich mich, dass ich am 3. Dezember die Gelegenheit habe, nach Krefeld zu kommen. Als neuer Bischof von Aachen bin ich gespannt, die vielfältigen und so unterschiedlichen Regionen des Bistums kennenzulernen und mit den Gläubigen ins Gespräch zu kommen. Krefeld ist ja immerhin eine der drei Großstädte unseres Bistums und damit ein besonderer Ort kirchlichen Lebens. Zunächst will ich daher zuhören und hinhören, um zu erfahren, was in den Menschen lebendig ist, welche frohen Erfahrungen es im Glauben gibt, aber auch welche Sorgen und Nöte sie umtreiben, vielleicht auch, welche Verletzungen es gibt. Und darin zeigen sich dann auch die Erwartungen an den Bischof und die Aufgaben, die sich für mich daraus ergeben. Dieses einander Kennenlernen und einander Annehmen kann und darf man nicht überspringen. Beziehungen entstehen, indem sie wachsen, und zum Wachsen braucht es Begegnungen, echte Eindrücke voneinander, gute Worte füreinander. Wir können also nur gemeinsam Kirche sein, und das möchte ich den Gläubigen wieder neu bewusst machen.

Das Hauptproblem der Gemeinden bei den Strukturveränderungen ist, dass sie zu sehr großen Einheiten zusammengelegt sind und das als Identitätsverlust erleben.

Bischof Dieser Größere pastorale Räume sind nicht nur Anzeichen für Mangel an hauptamtlichem Personal, sondern auch eine Weise, wie Menschen sowohl vor Ort kirchliches Leben erfahren und gestalten, darüber hinaus aber auch Anschluss haben an größere Zusammenhänge und andere Ausdrucksgestalten von kirchlichem Leben. Wiedererkennbar aber bleibt unsere Kirche an folgenden Vollzügen, die unverzichtbar sind: Wir beten und wir feiern den Glauben im Gottesdienst, wir lassen uns von Gott berühren und erfüllen. Wir wissen, dass der Sonntag in besonderer Weise unser Tag ist, an dem wir zusammenkommen, um gemeinsam Jesu Testament zu vollziehen: Tut dies zu meinem Gedächtnis. Wir sind immer damit beschäftigt, unseren Glauben durchsichtig, anschlussfähig zu machen an die Fragen von heute, das heißt, wir wollen evangelisieren, andere in den Glauben einführen. Und: Wir übersehen die nicht, die an den Rand des Spektrums geraten, wir kümmern uns um die Verlierer, wir lassen die Armen unser Herz berühren. Wo immer kirchliches Leben solchen Impulsen folgt, kommt es aus dem Geist unseres Herrn, aus dem Herzen Gottes selber.

Welchen Stellenwert hat das Pontifikalamt; ist das ein quasi üblicher Antrittsbesuch?

Bischof Dieser Ein Wort, das man erklären muss wie so viele unsere Insiderbegriffe. Darin stecken ja zwei Begriffe: lateinisch Pontifex und deutsch Amt. Der Pontifex ist der Brückenbauer, eigentlich eine schöne Umschreibung für die Aufgabe des Bischofs. Und Amt will sagen: Er tut etwas im Auftrag eines anderen, der ihm dieses Amt übertragen hat. Das wird oft gar nicht mehr gesehen: dass ich kein Privatmann bin, der jetzt mal Krefeld besucht! Sondern wir dürfen in der Kirche alle gemeinsam das Amt des Bischofs und der Priester und alles, was diese mit den und für die Gläubigen tun, verstehen unter dem Versprechen, das der auferstandene Jesus seinen Aposteln gegeben hat: Wie mich der Vater gesandt hat, so sende ich euch! So sind wir gemeinsam Kirche. Und das kommt am tiefsten zum Ausdruck, wenn der Bischof und die Priester mit den Gläubigen die Heilige Messe feiern, die dann auch "Amt" oder "Hochamt" oder eben "Pontifikalamt" genannt wird. Deshalb freue ich mich, wenn viele Krefelder nach St. Dionysius kommen und anschließend miteinander ins Gespräch finden.

Sie wollen auch einen Gang über den Besonderen Weihnachtsmarkt machen. Warum?

Bischof Dieser Pfarrer Paul Jansen hat mir von dem Besonderen Weihnachtsmarkt erzählt, den es ja seit fast 30 Jahren in Krefeld gibt. Die Idee, dass nur soziale und karitative Gruppen zu diesem Weihnachtsmarkt zugelassen sind und die Erlöse karitativen Zwecken zufließen, finde ich großartig. Für mich unterstreicht dies die Botschaft von Weihnachten: Nicht für mich, sondern für euch bin ich gekommen. Das sagt das Kind in der Krippe allen, die sich den Gott gefallen lassen, von dem die Engel über Bethlehems Fluren singen. Ich freue mich, mehr über die einzelnen Initiativen zu erfahren und auch mit den Organisatoren ins Gespräch zu kommen.

Man sagt, Sie hätten Humor. Wie wichtig ist Humor im Umgang mit dem Leben und dem Menschen?

Bischof Dieser Humor kann bleierne Mauern und dicke Luft schlagartig verändern und aufmachen. Nichts ist dann nur wichtig, nur ernst, nur unausweichlich. Humor lässt blitzartig aufscheinen, dass es noch mehr gibt als das. Lachen und miteinander ins Lachen geraten, das kann ein Segen sein. Und für gläubige Menschen ist es ja ohnehin nicht vage und ungewiss, dass es einen Grund gibt, dem Lachen und dem tröstlichen Gefühl "Es gibt noch viel mehr als das" seinen Raum zu lassen. Niemand hat das allerletzte Wort als Gott allein!

Die Steckenpferdritter-Verleihung ist eine Karnevalsveranstaltung. Haben Sie Erfahrungen mit dem Karneval?

Bischof Dieser Mein Heimatort Heimbach-Weis ist zusammengewachsen aus zwei ehemals selbstständigen Dörfern. Beide haben bis heute eine eigene Karnevalsgesellschaft, die beide im Jahre 1827 gegründet wurden. Damit sind sie die viertältesten im Rheinland - nach Köln (1823), Koblenz (1824) und Bonn (1826) und noch vor Aachen (1829) und Mainz (1837). Das karnevalistische Treiben in Heimbach-Weis ist sehr ausgeprägt: Sitzungen, Möhnen, Garden, Komitees, Wagenbauhallen ... alles gibt es doppelt, und an den tollen Tagen finden insgesamt drei gemeinsame Umzüge statt: Möhnenzug am Schwerdonnerstag, Kinderzug am Fastnachtssonntag, und Großer Zug am "Fassenachtsdienstag". Mein Elternhaus steht mittendrin am Zugweg. Ich bin also damit aufgewachsen, dass an unserem Haus vorbei immer wieder "dat Trömmelche geht". Und darum bin ich halt einfach gern dabei und lasse mich anstecken vom karnevalistischen Lebensgefühl. Das Zeug zum Urgestein in der Bütt habe ich allerdings nicht.

Jens Voss stellte die Fragen.

Quelle: RP
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