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Krefeld
Langer Donnerstag im Museum: ein Erfolg

Krefeld: Langer Donnerstag im Museum: ein Erfolg
Ladies in Red: Sophia Bilitza und ihre Tänzerinnen ließen den Wandzyklus von Johan Thorn Prikker über die Lebensalter Bewegung werden und interpretierten den Lauf von Werden und Vergehen in ihrer Kunst. FOTO: Thomas Lammertz
Krefeld. Großer Andrang in den Kunstmuseen. Die erste Abendöffnung im KWM fand riesigen Anklang. Tanz im Thorn-Prikker-Saal und Spiritual-Gesang zwischen den Bildern begeisterten mehr als 500 Besucher beim Themenabend zur Kinetik. Von Mojo Mendiola

Gute Werbung macht was aus. Sogar auf den Bildschirmen in Bussen und Bahnen wurde der erste Museumsdonnerstag im Kaiser-Wilhelm-Museum beworben. Mindestens 500 Gäste waren herbeigeströmt. Da strahlte Museumsdirektorin Katia Baudin, denn ihre optimistische Planung wurde voll bestätigt.

"Alles dreht sich" war das Motto des ersten Museumsdonnerstags, dem in Zukunft an jedem ersten Donnerstag im Monat eine ähnliche Veranstaltung folgen soll. Diesmal ging es um kinetische, also bewegungsbezogene Kunst. Museumspädagoge Thomas Janzen führte zu entsprechenden Objekten. Da gab es zuerst Jean Tinguelys "Maschinenbild Haus Lange". Eine Reihe von flachen, weißen, aber ganz unterschiedlich geformten Elementen bewegt sich, angetrieben durch ein verborgenes Räderwerk, Uhrzeigern ähnlich auf schwarzem Grund. Dadurch, dass sich die Elemente asynchron drehen, entstehen ständig neue Formen-Kombinationen, weshalb Tinguely es auch als "unendliches Bild" bezeichnete. Beim "Kugelspiel" von Bo Ek durfte ein Kind das Schweizer Uhrwerk aufziehen, dessen Präzision paradoxerweise in ein völlig unregelmäßiges, knatterndes Zittern von zwei an Drahtbügeln schwebenden Kugeln umgesetzt wird. Drei Objekte des Beuys-Schülers Reiner Ruthenbeck schaffen trotz Bewegung die Illusion des Stillstands, weil sich zwei Elemente mit derselben Geschwindigkeit bewegen, so dass sie zueinander kaum wahrnehmbare Differenz zeigen und dadurch Bewegungslosigkeit vortäuschen. Weitere Arbeiten stammten von Yaacov Agam, Pol Bury, Frank Joseph Malina und Marcel Duchamp. Janzen verstand es ausgezeichnet, die Pointe eines jeden Werks so zu verdeutlichen, dass man auch ganz ohne Vorkenntnisse Freude daran finden konnte.

Maria Trautmann führt den Museumszug mit der Posaune an. FOTO: Lammertz Thomas

Zum Konzept Erlebniswelt Kunstmuseum für jedermann gehörte auch eine musikalische Darbietung. Maika Küster sang, ein Mikrofon benutzend, aber zugleich mit dem Hall der Raumakustik spielend, mit leicht rauer Sirenenstimme Zeilen von Sehnsucht und Liebe in einem Stil, der dank seiner speziellen Rhythmik, vieler Blue Notes und des Call & Response-Prinzips an Spiritual-Gesang erinnerte, untermalt von Maria Trautmann, die auf ihrer Posaune repetitive Muster mit New Orleans-Touch beisteuerte und dabei durch den Saal wandelte - eine gelungene Kombination.

Das Element Tanz wurde von Sophia Bilitza und zwei Mitstreiterinnen in den Thorn Prikker Saal getragen. Die drei Damen, barfuß und in lange rote Kleider gewandet, boten eine Performance von teilweise gewollt krampfartig wirkenden, teilweise fließenden Bewegungsabläufen, die sich auf Thorn Prikkers Wandgemälde zu den vier Phasen im Leben eines Menschen beziehen sollten.

Da waren die Workshops mit dem Designer Sven Lucassen zugänglicher. Hier durften die Gäste kleine bewegliche Kunstobjekte aus einer Vielzahl bereitgestellter Materialen selbst anfertigen, und das machte ihnen großen Spaß.

Quelle: RP
 
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