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Krefeld
Lattwein - das Ende einer Ära an der Marktstraße

Krefeld: Lattwein - das Ende einer Ära an der Marktstraße
Einzelhandelskauffrau Monika Lattwein schließt ihr Damenmodengeschäft auf der Markstraße 45. FOTO: Thomas lammertz
Krefeld. Nach 35 Jahren schließt Monika Lattwein ihr Damenmodengeschäft zum Jahresende. Bei vielen Kundinnen ist schon jetzt die Trauer groß. Heute wird das 35-jährige Jubiläum noch gefeiert. Von Sven Schalljo

Am 20. Oktober 1982 eröffnete die gelernte Krankenschwester und Einzelhandelskauffrau Monika Lattwein ihr Damenmodengeschäft auf der Markstraße 45. Nun geht die 66-Jährige in Rente und wird den Laden schließen. Eine Nachfolgerin ist zwar bereits gefunden, wird aber die Ausrichtung des Geschäfts verändern.

Große Teile ihrer Kundschaft kleiden sich seit Jahrzehnten bei ihr ein. Sie schätzen die persönliche Beratung und Unterstützung der Geschäftsinhaberin sehr. "Immer wieder bekomme ich derzeit Reaktionen der Kunden, dass sie nicht wüssten, wo sie zukünftig Kleidung kaufen sollen. Gerade ältere, kranke Damen brauchen einfach die persönliche Betreuung. Hier kommt mir meine Ausbildung als Krankenschwester entgegen. Ich bin von jeher gewöhnt, Menschen auch beim An- und Ausziehen zu helfen. Ich habe keine Berührungsängste", sagt die offene und freundliche Fast-Rentnerin.

Überhaupt ist die Betreuung das Erfolgsgeheimnis des Geschäfts. Ihr Mann Reinhard Zoch (66) steht zur Verfügung, um Kundinnen abzuholen und heimzubringen, liefert aber auch Kleider aus, die geändert werden mussten. Das erhebt das Geschäft auch über die Konkurrenz und gibt den notwendigen Vorteil gegenüber dem Internet. Kein anderer Laden auf der Marktstraße, den es zu ihrer Geschäftseröffnung schon gab, besteht heute noch in der ehemaligen Form, sagt sie.

Am Freitag feiert sie noch das 35-jährige Jubiläum. "Da kann gern Jeder reinkommen und einen Kaffee oder Sekt mit uns trinken", sagt sie. Seit Oktober läuft bereits der Ausverkauf. Am 23. Dezember ist Schluss. Ihrer Nachfolgerin wird sie anfangs noch unter die Arme greifen. Sie will zunächst bis Februar täglich, dann dreimal in der Woche halbtags mitarbeiten. Sie sagt: "Von 100 auf null kann ich nicht. Dann wüsste ich nichts mit mir anzufangen." Und danach? Viel reisen möchte sie. Allerdings keine Fernreisen mehr. Die hat sie in ihrer Jugend gemacht und die ganze Welt gesehen. Von Backpacking in Sri Lanka und dem Jemen bis zum Karibikurlaub, offene Träume gibt es für sie nicht mehr. Da ihr Mann Flugangst hat, sind Fernreisen ohnehin keine Option mehr, was aber auch nicht schlimm ist.

Wichtig ist ihr vor allem, weiter Sport zu machen. Schon jetzt tut sie das sechsmal in der Woche. Bislang vor der Arbeit. Das dürfte sich in der Zukunft verschieben. Es dürfte für sie etwas ruhiger werden. Zu viel Ruhe will sie aber gar nicht haben. Die 66 Jahre sieht man ihr nicht an. So soll es auch bleiben. Ihre Kundinnen und den Umgang mit diesen wird auch sie sehr vermissen. Das beruht absolut auf Gegenseitigkeit.

Quelle: RP
 
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