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Krefeld
Lehrling aus Bahrain wird Profi-Jockey

Krefeld: Lehrling aus Bahrain wird Profi-Jockey
Ali Alshowaikh (Mitte mit lila Weste) macht derzeit in Krefeld seine Ausbildung zum Profi-Jockey. Der junge Mann aus Bahrain startet bereits erfolgreich bei Rennen. FOTO: Thomas Lammerz (2)
Krefeld. Wenn im Stadtwald wieder Renntag ist, dann ist in Ali Alshowaikh auch ein Jockey aus Bahrain am Start, der derzeit in der Seidenstadt auf der Galopp-Rennbahn seine Ausbildung zum Profi-Jockey absolviert. Von Sven Schalljo

Reiten, das ist ein Sport, den die meisten Menschen wohl weniger mit der Arabischen Halbinsel verbinden. Und wenn, dann denken Europäer hier wohl eher an Kamelrennen. Doch auch der Pferdesport ist durchaus verbreitet. Wenn auch nur im Winter, denn im arabischen Sommer bei über 40 Grad Tagestemperaturen, ist an Wettkämpfe nicht zu denken.

Für Ali Alsohwaikh war das aber kein Hinderungsgrund, bereits in seiner Heimat als Jockey aktiv zu sein. Seine Eltern besitzen schon seit seiner Kindheit Pferde und der heute 25-Jährige wuchs entsprechend mit den Vierbeinern auf. "Ich habe eigentlich gleichzeitig reiten und laufen gelernt", erzählt der junge Mann in bestem Englisch. Vor Jahren lernte er in seiner Heimat den niederländischen Spitzenjockey Andrie de Vries kennen. Dieser nahm ihn schon früh unter seine Fittiche und vermittelte ihn jetzt auch nach Krefeld, wo er eine Ausbildung zum Jockey absolviert und parallel in Rennen startet.

Den gesamten schulischen Bereich der Ausbildung, wie er in Deutschland üblich ist, gibt es in seiner Heimat nicht. "Dort mussten wir einfach reiten. Hier lernen wir viel über Ernährung der Pferde, Haltung, medizinische Dinge und so weiter. Das ist schon sehr interessant", sagt Alshowaikh. Doch dieser Teil birgt auch ein Problem: Er spricht kein Deutsch. Das muss und will er jetzt im Schnellverfahren lernen, um ab Frühjahr die normale Berufsschule besuchen zu können.

"Das wird ohne Frage schwierig. Aber ich will es unbedingt schaffen und ich glaube, das ist auch möglich", gibt er sich zuversichtlich. Unterstützung erhält er vor allem von seinem Ausbildungsbetrieb, dem Reitstall Hofer im Stadtwald. "Sie unterstützen mich wirklich toll. Ich lerne hier unglaublich viel und kann immer auf ihre Hilfe zählen", berichtet der höfliche und zuvorkommende junge Mann.

Sein besonderer Dank aber geht in Richtung des bereits erwähnten Andrie de Vries: "Er ist wie ein zweiter Vater für mich. Ich verdanke ihm wirklich alles. Er hat mich immer unterstützt, und ich lebe bei ihm. Seit ich mit 19 Jockey wurde war er immer da. Er ist selber Champion-Jockey und hat mir auch viel beigebracht."

Das zeigt der junge Mann, der die letzten Jahre vor allem in Katar und Dubai lebte, auch jetzt schon. Beim letzten Renntag erreichte er Rang drei und vier. Doch schon heute feierte er in seiner Karriere allein in Deutschland - wo er schon vor Beginn seiner Ausbildung im Sommer Rennen bestritt - 16 Siege in knapp 80 Rennen. Wenn er aber schon heute so gut ist, warum macht er dann noch die Ausbildung?

"Das hat etwas mit der Einstufung, mit Gewichten und Leistungsklassen zu tun. Es ist ein sehr komplexes System. Aber es hat viele Vorteile, Profi-Jockey zu sein", erzählt er. Und auch das Wissen, das er vermittelt bekommt, sei einfach hilfreich. In Bahrain und Katar, so berichtet er, habe er sich die gesamte Theorie autodidaktisch aneignen müssen. Hier bekomme er die Hintergründe beigebracht.

Den Rennsport betreibt er seit rund sechs Jahren auf hohem Niveau. Erst beendete er die Schule, dann begann er als Jockey. Dabei ist er mit 1,73 Metern recht groß für einen Jockey. Auf die Frage, ob das nicht problematisch sei, lacht er. "Die Größe selbst ist nicht das Problem, sondern das Gewicht. Ich muss halt gut auf meine Ernährung achten und einen strengen Plan einhalten, dass ich nicht mehr als die derzeitigen 56 Kilogramm wiege. Dann geht das schon", antwortet er.

In Krefeld fühlt er sich wohl. Die Stadt gefalle ihm. Es sei schön ruhig, und er könne sich voll auf den Sport konzentrieren. Nur das Wetter sei manchmal nicht so, wie er sicht das wünschen würde. Doch auch mit Regen könne er am Ende gut leben. "Dann muss ich halt eine Jacke mehr anziehen. Das geht schon", antwortet er, einmal mehr mit einem Lächeln.

Ali Alshowaikh, der Exot unter den Krefelder Jockeys, ist bei den Berufskollegen voll integriert. Mit seiner offenen und freundlichen Art hat er die Menschen bei Hofer und auf der Rennbahn schnell für sich eingenommen. Jetzt ist die nächste Herausforderung, Deutsch zu lernen. Und dann Profi zu werden. Danach werde er im Sommer in Deutschland und im Winter in Katar starten, sagt er. Als Jet-Set-Jockey sozusagen.

Quelle: RP
 
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