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Krefeld
Leichter Anstieg bei Tbc-Fällen - Ursache nicht bei Flüchtlingen

Krefeld. Ein Krefelder Arzt behauptet, er habe mehr Flüchtlinge behandelt, als offiziell gemeldet. Stadt und Helios-Klinik weisen die Darstellung zurück.

In Krefeld gibt es im laufenden Jahr einen leichten Anstieg der Tuberkulose-Fälle; der Anstieg geht aber nicht auf die Flüchtlinge zurück und bewegt sich im Rahmen der üblichen Schwankungen. Dies erklärte gestern eine Sprecherin der Stadt auf Anfrage. Wörtlich hieß es: "Tatsächlich gab es in diesem Jahr in einer Gruppe von Personen mit engem Kontakt untereinander und erheblichen chronischen Grunderkrankungen einige Fälle von Lungen-Tbc." Um welche Gruppe es sich handelt, hat die Stadt aus rechtlichen Gründen nicht gesagt - der Beschreibung nach handelt es sich um Obdachlose, die oft gesundheitlich angeschlagen und dadurch anfällig für Tbc sind. Bei den Flüchtlingen sei es eindeutig bei den bisher gemeldeten zwei Fällen geblieben, betonte die Stadt weiter.

Hintergrund für die Klarstellung sind Meldungen, wonach der Krefelder Arzt Michael Schroers behauptet, er habe mehr Tuberkulose-Patienten aus Flüchtlingsunterkünften behandelt als offiziell genannt. Auf Nachfrage unserer Zeitung konnte er aber gestern weder Zahlen noch Zeiträume nennen, noch konnte er angeben, welche seiner Tuberkulose-Fälle (ob Flüchtling oder nicht) aus Krefeld kommen. Schroers hat alle Fälle als zweitbehandelnder Arzt übernommen und wusste auch nicht, ob sie gemeldet worden waren. Er äußerte generell Bedenken gegenüber der Praxis heute, wonach Patienten mit offener Tbc angeblich schon nach zwei bis vier Wochen das Krankenhaus verlassen dürften. Früher seien drei Monate üblich gewesen.

Tbc ist meldepflichtig; laut Gesundheitsamt ist die Meldung der Fälle bislang immer zuverlässig erfolgt. Auch das Krefelder Helios-Klinikum sieht keinen Beleg für die Behauptungen des Arztes. "Wir können keinen nennenswerten Anstieg der Tuberkulosefälle verzeichnen", erklärte eine Helios-Sprecherin. Derzeit werde ein Patient behandelt, er sei auf dem Wege der Besserung. Dies sei der einzige Fall in den letzten vier Wochen gewesen. Im Helios würden jährlich 30 bis 40 Tbc-Patienten behandelt - "die wenigsten davon sind Flüchtlinge". Das Helios verfügt über eine Schwerpunktabteilung Pneumologie; Tbc-Behandlungen gehören zum Standard, auch für Patienten aus dem Umland.

Jeder offene Tbc-Fall werde stationär aufgenommen und erst entlassen, wenn die stationäre Behandlung nicht mehr erforderlich sei. Tuberkuloseerkrankungen gelten als offen, solange Tbc-Bakterien in den Atemwegen nachweisbar sind. Wie früher wird laut Helios anhand zweier Kulturen von Atemwegsflüssigkeit getestet, ob Bakterien da sind; eine Kultur sei nach vier bis fünf Wochen aussagekräftig. Über eine Entlassung und die weitere ambulante Behandlung stimme sich die Klinik in jedem Fall eng mit dem Gesundheitsamt ab.

(vo)
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