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Krefeld
Lenßen mit Bundesverdienstkreuz geehrt

Krefeld: Lenßen mit Bundesverdienstkreuz geehrt
FOTO: Lammertz Thomas
Krefeld. Der langjährige Leiter des Krefelder Rettungsdienstes ist auch im Ruhestand noch aktiv und sprüht vor Ideen. Oberbürgermeister Frank Meyer scherzte, er werde mal der erste Notarzt sein, der sich selber reanimiere. Von Carola Puvogel

Viele Krefelder haben ihm ihr Leben zu verdanken: Doktor Ulrich Lenßen, Erfinder und langjähriger Leiter des Krefelder Rettungsdienstes, ist für sein Lebenswerk jetzt mit dem Bundesverdienstkreuz geehrt worden. Oberbürgermeister Frank Meyer verlieh den Orden im Rahmen einer Feierstunde vor zahlreichen geladenen Gästen, die Lenßen mit donnerndem Applaus und stehenden Ovationen die Ehre erwiesen.

Der frisch gebackene Ordensträger, seit einiger Zeit eigentlich im Ruhestand, ist weiter voller Tatendrang. Er kündigte an, neue Ideen, den Rettungsdienst zu verbessern, anstoßen zu wollen. "Ich möchte noch kein Schreibtischtäter sein", sagte der 67-Jährige. Mindestens einmal im Monat fährt er sowieso noch selber Rettungsdienst. Darüber hinaus arbeitet er an dem Plan, "das System weiterzutreiben". Profis, also vornehmlich Ärzte, die in der Stadt unterwegs sind, sollen, so Lenßens Idee, bei Notfällen ein Signal bekommen. Sind sie in der Nähe des Einsatzortes, können sie hinzueilen, um zu helfen.

"Es geht also schon wieder los", kündigte Lenßen mit seinem charmanten Lächeln in Richtung Stadtverwaltung an. Die Auszeichnung nehme er stellvertretend für alle an, die ihn auch seinem Weg begleitet und unterstützt haben.

Oberbürgermeister Frank Meyer nannte Lenßen einen "Überzeugungstäter mit überbordender Freude". Der Arzt weigere sich zudem, das mit dem Ruhestand ernst zu nehmen, sagt Meyer zur allgemeinen Erheiterung. Lenßen habe über Jahrzehnte hinweg das Rettungsdienstwesen aufgebaut und stetig verbessert. "Er hat charmant aber bestimmt seine Vorstellungen durchgesetzt". Ein "beeindruckendes Netzwerk und Gesamtkunstwerk gelebter Nächstenliebe" sei so entstanden. Wahrscheinlich, formulierte Meyer scherzhaft und unter großem Gelächter, werde Ulrich Lenßen am Ende der erste Notarzt sein, der sich selber reanimiere.

Viel Lob für Lenßen gab es auch von seinen langjährigen Weggefährten bei Feuerwehr und Polizei. Es sei Lenßens Verdienst, dass der Krefelder Rettungsdienst einer der am besten organisierten im ganzen Land sei, sagte Josef Dohmen, ehemaliger Leiter der Krefelder Feuerwehr. Ein einschneidendes Erlebnis, das ihn und Lenßen für immer verbinden werde, sei ein schwerer Geisterfahren-Unfall auf der A57 in den 80er Jahren gewesen. Mehrere Menschen starben damals - und, so Dohmen, "es zeigte sich, dass vieles beim Rettungsdienst im Argen lag". Lenßen habe es sich zur Aufgabe gemacht, das System zu verbessern, zuerst ehrenamtlich, später in Teil- und dann Vollzeit. "Und anscheinend brauchte er nie Schlaf", spielte Dohmen auf die Rund-um-die-Uhr-Einsätze seines Freundes an, der auch heute noch mit drei ständig klingelnden Handys jongliere.

Dieter Friedrich, ehemaliger Polizeipräsident der Stadt Krefeld, berichtete, wie Lenßen für die Idee, dass alle Krefelder Polizisten eine Ersthelferausbildung erhalten sollten und in jedem Polizeifahrzeug ein Defibrillator an Bord sein sollte, Schelte aus dem Innenministerium bekam. Denn, so der damalige Minister Ingo Wolf, "akute Lebensrettung sei keine Polizeiaufgabe". Lenßen, nach Düsseldorf zitiert, habe sich aber durchsetzen können. Und so ist die Krefelder Polizei heute die einzige in NRW, die Defibrillatoren in ihren Wagen mitführt.

Dr. Ulrich Lenßen startete seine akademische Karriere auf Wunsch seiner Eltern mit einem BWL-Studium und dem Abschluss als Diplom-Kaufmann. Ein Praktikum in einem Nürnberger Krankenhaus gab den Ausschlag, ein Medizinstudium anzuschließen. Seine chirurgische Praxis eröffnete er in der Nähe der Feuerwache an der Florastraße, so dass er immer die Möglichkeit hatte, zu Rettungseinsätzen mitzufahren.

Lenßen hat das Rettungssystem in Krefeld über Jahrzehnte aufgebaut. Er zählt zudem zu den Gründungsmitgliedern der Arbeitsgemeinschaft Wiederbelebung (AWI), die Krefeld flächendeckend mit Defibrillatoren ausgestattet hat. Außerdem gehört Lenßen zum Beraterkreis der Stiftung "Herzchirurgie und Kardiologie Krefeld" und ist seit 2011 Vorstandsmitglied in deren Förderkreis. Seit 2011 ist er zudem ehrenamtliches Vorstandsmitglied des Vereins "Wiege", der ideelle und finanzielle Hilfe leistet für Menschen, die in existenzielle Not geraten sind. Weiterhin bringt sich Lenßen seit rund vier Jahren im Beirat des Deutschen Roten Kreuz Krefeld ein.

Quelle: RP
 
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