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Krefeld
LernArt: Einstiegskurse für Flüchtlinge

Krefeld. Ein kleines Stück Deutschland können Flüchtlinge gewinnen, wenn sie sich schnell zu Einstiegskursen anmelden. Von Otmar Sprothen

Der ungebrochene Zuzug von Flüchtlingen erzwingt neue Einstiegskurse für Flüchtlinge. Im Oktober bot das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (bamf) in Zusammenarbeit mit der Bundesagentur für Arbeit an, Kurse für Asylbewerber bis Ende dieses Jahres zu fördern, in denen erste Deutschkenntnisse und praktische Starthilfen zum Leben in Deutschland erlernt werden können. Das Angebot richtet sich an Asylbewerber aus den nicht sicheren Herkunftsländern Syrien, Irak, Iran und Eritrea. Diese müssen beim Start des Kurses eine Aufenthaltsgestattung oder eine Meldung als Asylsuchender vorlegen können.

Das Weiterbildungsinstitut LernArt hat über verschiedene Netzwerke solche Kurse ausgeschrieben, zu denen sich noch Flüchtlinge anmelden können. LernArt ist unter den sechs Krefelder Trägern von Sprach- und Integrationskursen das einzige Krefelder Institut in privater Trägerschaft, das keinem überörtlichen Träger zugeordnet ist. Deshalb kann LernArt besonders schnell auf gesellschaftliche Veränderungen reagieren. Gerade erst haben die beiden Geschäftsführerinnen Heike Bauland und Anne Pelster eine weitere Etage an der Oppumer Straße 81 hinzugemietet, um die Flüchtlingskurse unterzubringen.

Damit reiht sich LernArt in die Reihe vieler Träger und freiwilliger Helfer bei der Bewältigung der Flüchtlingskrise. "Im Augenblick können wir nur alle anpacken. Wir sind hier in Krefeld sehr gut vernetzt, daher blicken wir optimistisch auf unsere Arbeit. Es gibt viele ,man hätte, man sollte, man könnte'. Besser ist, man tut es einfach", sagt Heike Bauland, die LernArt 1986 gegründet hat. "Im kommenden Jahr wird es seitens der Stadtsicherlich mehr Struktur geben."

Die Einstiegskurse für Flüchtlinge vermitteln Basiskenntnisse der deutschen Sprache über Hör- und Leseverstehen, Sprechen und Schreiben. Entscheidend ist, was die Teilnehmer an Vorwissen bereitstellen. Manche Flüchtlinge bringen statt der heimischen Amtssprache nur einen Dialekt mit, für andere wiederum bedeutet Deutsch eine Fremdsprache unter anderen. Wichtig ist, dass die Teilnehmer nicht das Gefühl haben, sie müssten eine Fremdsprache lernen. In einem handlungsorientierten Unterricht, der häufig außerhalb des Schulungsgebäudes vor Ort stattfindet, soll sich bei den Teilnehmern das Gefühl aufbauen, mit der deutschen Sprache ein wichtiges Werkzeug für die Bewältigung des täglichen Lebens zu erlernen. Dies erfordert spezielle didaktische Vorkenntnisse. So verfügen alle LernArt-Dozenten über ein Zertifikat für "Deutsch als Zweitsprache" (DaZ).

Der Grad der Alphabetisierung im lateinischen Schriftsystem oder einem Schriftsystem ist sehr unterschiedlich. Hinzu kommt eine Wertehierarchie, die sich anders aufbaut. "Wir haben keine Berührungsängste, weil wir auf eine zehnjährige Erfahrung in unseren Integrationskursen aufbauen können", erklärt Pelster. "Unsere Unternehmensphilosophie baut auf der Wertschätzung des Anderen auf. In unseren hell und freundlich gestalteten Räumen legen wir Wert auf respektvollen Umgang untereinander." Um in der kurzen Lernzeit nachhaltig zu sein, findet der Unterricht an fünf Tagen von acht bis 16 Uhr statt. So kommen die Teilnehmer aus ihrer Unterkunft heraus und können auch untereinander neue Beziehungen knüpfen.

Eine Trennung der Kurse nach Nationalitäten, wie sie in den achtziger Jahren das berühmte "Krefelder Modell" für die Schulen vorgesehen hatte, lehnen die LernArt-Chefinnen ab. "Eine Separierung nach Nationalitäten wäre kontraproduktiv. Streitende Denkweisen sollen bei uns Integration lernen", sagt Pelster entschieden. Die eigentlichen Integrationskurse können erst nach der Anerkennung des Asylgrundes ebenfalls bei LernArt belegt werden.

Quelle: RP
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