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Krefeld
Lichtmalerei mit der Fotokamera

Krefeld: Lichtmalerei mit der Fotokamera
Mit Hilfe einer blauen, innerhalb von zwei Minuten an rund 15 Positionen auf- und abgeschwenkten Leuchtstoffröhre "verpassten" die Fotografen der roten Grubenlampe eine blaue Kralle. FOTO: KS/AH
Krefeld. Zwei Mitglieder des Foto-Film-Clubs Bayer Uerdingen gestalten des Nachts Bilder mit Hilfe von bewegten Leuchtstäben und pyrotechnischem Material. Der Aufwand ist enorm: Ein Bild kann bis zu vier Wochen in Anspruch nehmen. Von Jochen Lenzen

Das Projekt, das die beiden Mitglieder des Foto-Film-Clubs Bayer Uerdingen, Klaus Schwinges und André Henneberg, seit nunmehr vier Jahren beschäftigt, nennen sie "World of Light Painting" - Lichtmalerei mit der Fotokamera.

Ihre Bilder entstehen grundsätzlich in der Dunkelheit. Vor laufender Kamera arbeiten sie mit künstlichen Lichtquellen - sei es zur Ausleuchtung des Umfeldes oder zur Erschaffung passender Lichtfiguren, die unerwartete Eindrücke auf einem "normalen" Foto bieten und teilweise auch Geschichten erzählen.

André Henneberg (links) und Klaus Schwinges mit ihrem Light-Painting-Bild "Hard Work" FOTO: Thomas Lammertz

Ihr Bild "Hard Work" ist dafür ein Beispiel: Auf einer Aufnahme, die am Rhein entstand und im Hintergrund das "leuchtende" Mannesmann-Stahlwerk zeigt, steht in dynamischer Haltung André Henneberg als schwarze Schattenfigur, die ein kreisrundes, innen blaues, dann rotes und außen weißes Lichtelement antreibt. Der äußere weiße Strahlenkranz wirkt wie eine große Kreissäge, die eine angeschwemmte Wurzel bearbeitet: Hard Work eben. "Das mit der Wurzel war ein schöner Zufall; die war tatsächlich am Ufer angeschwemmt worden", sagt Klaus Schwinges (65), ehemals als Industriemeister Ausbilder bei Bayer und schon seit 40 Jahren Mitglied des Foto-Film-Clubs.

"Entstanden ist das dreifarbige Lichtelement mit Hilfe eines Gestells, auf dem wir einen blauen und einen rot leuchtenden LED-Stab mit angeschlossener und schließlich entzündeter Pyrotechnik für den Sägeneffekt in Drehung versetzt und dann einige Sekunden lang belichtet haben", erklärt Henneberg. Mit diesem Bild waren die beiden Hobbyfotografen zu großen Ehren gekommen, als es 2013 bei der Hannovermesse als eines der zehn besten Bilder zum Titel "Industrie in neuem Licht" ausgestellt wurde.

Der 54-jährige Kaufmann Henneberg ist es, der in dem Zweierteam die Bewegungen ausführt, die schließlich als scheinbar feste Lichtelemente auf den von Schwinges fotografierten Bildern erscheinen. So haben sie auch an der etwa 15 Meter hohen Kunstinstallation "Das Geleucht" gearbeitet, eine überdimensionale Grubenlampe auf einer Halde in Moers. Zunächst hatten die beiden überlegt, wie sie das Kunstwerk mit ihren Mitteln ergänzen und so in Szene setzen können. Die Idee war eine Art Kralle am Fuß des Kunstwerks "anzubringen". So begab sich Henneberg mit einer blau scheinenden Leuchtstoffröhre unter die rote Grubenlampe und vollführte an etwa 15 Positionen Auf- und Abwärtsbewegungen. Unterdessen ließ Schwinges die Kamera laufen, wobei er das Objektiv nur während der Bewegungen freigab. "Das Ganze musste innerhalb zweier Minuten erledigt sein, weil sonst das Umfeld zu hell geworden wäre", erklärt der 65-Jährige.

Das Umfeld, neudeutsch Location, ist für die beiden Fotografen ganz entscheidend. So gehen sie gemeinsam spazieren, um eine solche Location zu suchen. Dabei haben sie, um ein anderes Beispiel zu nennen, an einem Hang eine kurvige Kinderrutschbahn entdeckt. Damit assoziierten sie sofort eine abfließende Bewegung. Bei Dunkelheit begaben sie sich wieder zu der Rutschbahn, illuminierten den Aufbau mit LED-Licht und zündeten dort oben pyrotechnisches Material. Der Fließeffekt wurde erreicht, indem Henneberg mit einer roten und einer gelben Leuchte in Hockstellung ganz langsam die Rutschbahn hinter kroch. Dabei muss er völlig schwarz gekleidet sein, damit nicht er, sondern nur der Fluss aus Licht auf dem Bild zu sehen ist.

Das alles klingt schon sehr aufwendig; noch aufwendiger aber ist die gesamte Entstehung eines derartigen Bildes. Mit der Suche nach dem Umfeld, der Entwicklung der künstlerischen Idee für eines oder mehrere Lichtelemente, der technischen Vorbereitung, der Probeaufnahmen und ihrer Verbesserungen gehen bis zu vier Wochen für die Entstehung eines Bildes ins Land. "Dabei muss natürlich auch immer die Witterung stimmen. Es darf nicht zu windig sein, und es darf kein Vollmond scheinen", erläutert Schwinges. Und so kommt es vor, dass die beiden Fotografen bis zu einem halben dutzend Mal nächtens zu einer Location fahren müssen.

Quelle: RP
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