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Krefeld
Liebe in Zeiten religiösen Ränkespiels

Krefeld: Liebe in Zeiten religiösen Ränkespiels
Frank Andermahrs auf Wippe gesetztes Schachbrett-Podium als Sinnbild schwankenden Bodens unter scheinbar festen Glaubensprinzipien. FOTO: weinmann
Krefeld. Tolle Theaterpremiere zum Auftakt des Kresch-Jubiläums zum 25-jährigen Bestehen mit dem Stück "Nathans Kinder": Helmut Wenderoths Inszenierung scheute sich nicht, einen kräftigen Schuss Komik in das ernste Thema zu bringen. Von Mojo Mendiola

Mit einer rundum gelungenen Premiere läutete das Kresch am Wochenende im großen Saal der Fabrik Heeder sein Jubiläum zum 25-jährigen Bestehen ein, und Oberbürgermeister Frank Meyer, selbst seit vielen Jahren begeisterter Kresch-Fan, ließ es sich nicht nehmen, wenigstens die wichtigsten Namen aus Geschichte und Gegenwart des Jugend- und Kindertheaters sowie die beachtliche Anerkennung zu würdigen, die es sich und der Stadt weit über deren Grenzen hinaus erworben hat.

Auf dem Programm stand "Nathans Kinder" von Ulrich Hub, ein Stoff, der in der gegenwärtigen gesellschaftlichen Debattenlage kaum aktueller hätte gewählt werden können und vom Autor als pragmatische Fusion aus Lessings "Nathan der Weise" und Shakespeares "Romeo und Julia" angelegt wurde. Helmut Wenderoths Inszenierung am Kresch scheute sich auch nicht, einen kräftigen Schuss Komik in das ernste Thema zu bringen, was der Botschaft des Stücks nur gut tat.

Jerusalem zur Zeit der Kreuzzüge: Der jugendliche Kreuzritter Kurt rettet das Mädchen Recha aus ihrem brennenden Elternhaus. Doch im Gestrüpp aus religiösen Überzeugungen und pseudo-religiösen Vorwänden geraten Rechas Vater Nathan und Kurt im Ränkespiel von Sultan und Bischof zwischen die Fronten. Den machtbewussten, aber durchaus menschlich anrührenden Sultan verkörperte absolut glaubwürdig Faris Metehan Yüzbasioglu, und den abgefeimten Bischof in seiner ganzen Widerwärtigkeit gab Angelo Enghausen-Micaela. Thorsten Strunk beeindruckte nicht minder als gestrenger, doch letztlich gütiger Vater, und Elias Ordelmans überzeugte als Kurt, der nach seiner ganz unüberlegten Rettungstat vom angepassten Befehlsempfänger zum wachen Kritiker der allgemeinen Heuchelei heranreift. Das größte Vergnügen bereitete Laura Thomas als umwerfend schlagfertige Recha mit spitzem Wortwitz auf der Zunge und Tablet-Computer in der Hand. So war ihr der Kreuzritter als Retter doch lieber als ein Engel, denn bei Engeln sei das Geschlecht schließlich gänzlich ungeklärt. Sie begriff auch als erste die Ringparabel und "fetzte" sie den Schwerfälligeren beherzt um die Ohren. Max Kotzmann unterstützte die Erzählung wirkungsvoll aus der ersten Etage herab am Schlagzeug und setzte zusätzliche dramatische Akzente. Bestens bewährte sich auch Frank Andermahrs auf Wippe gesetztes Schachbrett-Podium als Sinnbild schwankenden Bodens unter scheinbar festen Glaubensprinzipien. Ingrid Krusat-Dahmens Kostümgestaltung, Reinhard Langes Lichtregie und Thomas Weinmanns Tontechnik taten ein Übriges, und am Ende rissen sowohl die Botschaft, endlich Frieden zu geben und Mensch zu sein anstatt einander im Namen Gottes die Köpfe abzuschlagen, als auch die erfrischende Umsetzung durch das Ensemble das Publikum zu tosendem Beifall hin.

Weitere Aufführungen: 2. November (10.30 und 19 Uhr), 5. und 6. Dezember ( jeweils 19 Uhr). Karten können telefonisch unter der Rufnummer 02151 86 26 29 bestellt werden.

Quelle: RP
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