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Krefeld
Lob und Dank für einen ehrbaren Kaufmann

Krefeld: Lob und Dank für einen ehrbaren Kaufmann
Franz-Joseph Greve bei dem Empfang anlässlich seiner feierlichen Verabschiedung aus dem Amt des Vorsitzenden der Werbegemeinschaft. FOTO: lammertz
Krefeld. Franz-Joseph Greve legt nach 24 Jahren den Vorsitz bei der Werbegemeinschaft nieder. Krefeld verliert damit einen profilierten Akteur mit Weitblick und historischem Bewusstsein. Von Jens Voss

Als Christoph Borgmann in seiner Laudatio sagte "Einfach waren Sie nie", da war klar: Die feierliche Verabschiedung von Franz-Joseph Greve aus dem Vorsitz der Krefelder Werbegemeinschaft würde keine leere Lobhudelei werden. Verabschiedet wurde ein Mann, an dem sich viele auch gerieben haben - und der sich seinerseits an vielem gerieben hat. Das Lob wog daher umso schwerer, und den schönsten Satz über Greve sagte wiederum Greves Nachfolger Christoph Borgmann: "Wenn ich das Bild des ehrbaren Kaufmanns zeichnen würde, käme es Ihrem sehr nahe."

Greve, 78 Jahre alt, verlässt die öffentliche Bühne. Er hat den größten Teil seines Lebens in der Innenstadt gewohnt, hat als Kind die Zerstörung im Krieg und den Wiederaufbau erlebt und seit 1950 im Geschäft an der Hochstraße gearbeitet.

Die Stadt, speziell die Innenstadt, sieht er sehr grundsätzlich als Modell gefährdet. Nun könnte man sagen: Im Alter steigt der Kassandra-Pegel, der Befürchtungsanteil wird größer. Bei Greve aber hört man genauer hin, weil er seine Sätze historisch unterfüttert. Wenn er etwa den Bau des Hansa-Zentrums (1985) als stadtplanerische Fehlentscheidung beklagt, dann begründet er das historisch: Der Querriegel habe die alte Verkehrsachse über Kölner-/ Neusser- und Hochstraße zerschnitten und einen wichtigen Weg in die Innenstadt gestört, wenn nicht zerstört. Darin klingt eine von Greves Grundüberzeugungen an: Man darf Städtebau nicht gegen historische Strukturen, sondern nur mit ihnen vorantreiben. Greve berichtete auch, wie er auf das Thema gestoßen ist: bei einer Tagung über das "Phänomen europäische Stadt". Sie liegt ihm am Herzen, als kulturelles Erbe und Schatz Europas.

Mit Greve senior tritt auch eine Generation ab: Darauf machte Christoph Borgmann aufmerksam - auf eine sehr innige Art, indem er indirekt auf die zuweilen bärbeißige Art Greves einging. Greve müsste heute Lob, Dank und Anerkennung "ertragen", sagte Borgmann schmunzelnd. Er sah darin auch das Bild seines eigenen Vaters, der Intersport Borgmann aufgebaut hat: "Wie mein Vater stammen Sie aus einer Generation, in der für Lob kein Platz war. Nicht geschimpft war Lob genug." Borgmann lobte dann doch, erinnerte an das vielfältige ehrenamtliche Engagement Greves etwa im Vorstand der Kirchengemeinde Papst Johannes XXIII.. Greve gehörte von Anfang an zu denen, die sich für die Sanierung der zerstörten Turmspitze der Dionysius-Kirche einsetzten. Greve selbst hielt keine Grundsatzrede, er plauderte aus dem Nähkästchen. Das passte. Mehrfach benutzte er den Begriff "Tralala" für großes Gewese, etwa als er beschrieb, wie die Niederländer ihre Floriade vorstellten: "Da war ein Riesentumult mit Weißen Mäusen, Blaulicht und Tralala." Solche Respektlosigkeit hat bei ihm Methode: Sie führt die Dinge auf das Wesentliche zurück. So plädierte Greve für Gesprächsrunden, "wo Dinge ins Unreine gesprochen werden", wohl aus der Erfahrung heraus, dass blankpolierte Sprache die Wirklichkeit eher verdeckt. Nur wer das Tralala hinter sich lässt, sieht die Dinge, wie sie sind. Passend dazu entwarf Greve keine großen Visionen für Krefeld - er legte Oberbürgermeister Frank Meyer die Pflege des Bestehenden ans Herz, und das beginnt für Greve bei handwerklich sauberen Pflasterarbeiten. Im Rückblick auf seinen Einsatz in der Werbegemeinschaft blieb er bescheiden: "Es hat mir immer unheimlich viel Spaß gemacht." Über seine Rolle in der Werbegemeinschaft sagte Greve wenig - das übernahm Borgmann. Krefeld, sagte er, sei Ende der 80er Jahre keineswegs schöner als heute gewesen; Anstrengungen über die Verschönerung der City und die Belebung der Innenstadt durch Aktionen vom Krefelder Cocktail bis zu den Krefelder Samstagen seien wesentlich auf Greves Initiativen zurückgegangen. Dabei habe Greve immer "aufrecht, ehrlich, geradeheraus und zäh" für seine Überzeugungen gekämpft.

Nun tritt Franz-Joseph Greve ab. Ein Ruhestand wird es nicht. Er müsste, sagte er am Rande der Veranstaltung, 100 Jahre alt werden, um die Bücher zu lesen, die er lesen möchte. Die Neugier flackert in ihm, und wenn er durch seine Stadt geht, wird er wie immer tadellos gewandet mit Krawatte unterwegs sein und hadern mit dem, was ist, im Blick auf das, was war und sein kann.

Quelle: RP
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