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Krefeld
Lohengrins Kostüm gefällt dem Regisseur nicht

Krefeld. Unter dem Titel "Lohengrin #kontrovers" sprach Robert Lehmeier über seine Inszenierung der Wagner-Oper für Krefeld. Von Mojo Mendiola

Überschwängliches Lob und bittere Kritik zugleich erntete die zurzeit laufende Inszenierung der Wagner-Oper Lohengrin von Robert Lehmeier. Nun hatte das Publikum Gelegenheit, anhand der Fragen von Operndirektor Andreas Wendholz und den Antworten von Lehmeier, der extra aus Berlin angereist war, sein Verständnis der Aufführung zu vertiefen.

1979 hatte der Regisseur das Stück erstmals live erlebt und in den Jahren 1988 bis '92 bei Harry Kupfer in Berlin und Dresden viel über Opernregie gelernt. Dabei kam er zu der Überzeugung, dass in der Opernarbeit in der ehemaligen DDR erheblich mehr Wert auf den schauspielerischen Anteil und mithin auch auf die Regie gelegt wurde. Im Lohengrin sah er als zentrale Herausforderung, die politische und die märchenartige Ebene der Handlung so miteinander zu verweben, dass keine der beiden denunziert und abgewertet wurde, was bei diesem oft parodierten und gelegentlich auch gehörig missverstandenen oder kaltblütig ausgebeuteten Stoff wahrlich nicht einfach ist.

So hatte das Nicht-Auftreten des Schwans bei manchen Zuschauern Enttäuschung ausgelöst. Lehmeier begründete dies mit der kaum entrinnbaren Gefahr, sich mit einem wie auch immer gestalteten Schwan in die Lächerlichkeit zu begeben, zumal noch die technischen Probleme beim Wendemanöver hinzukamen. Auch die Szene, in der eine Taube das Ziehen des Bootes übernimmt, sei eigentlich nur mit den modernsten Film-Tricks zu lösen, nicht aber auf der Bühne. Sogar sprachlich sei es ja in der heutigen Zeit sehr schwierig geworden, das Märchenhafte zu erzählen, ohne dem Kitsch anheimzufallen. Diese Problematik war es auch, die zu dem Ausweichen von der sprachlichen auf die bildliche Ebene führte, um Lohengrin als idealistisch-ritterlichen Kämpfer im Gegensatz zum von Männern erwarteten kriegerischen Ritterverhalten darzustellen. Lehmeier gab ihm einen Blumenkranz mit, wie er in der Romantik und auch in der Woodstock-Generation wieder vorkam. Am unverhofftesten kam vermutlich Lehmeiers Geständnis, er sei unzufrieden mit dem Lohengrin-Kostüm gewesen, habe aber auch zuvor noch kein gutes Lohengrin-Kostüm gesehen.

Als Wendholz fragte, wie denn die kontroverse Medienkritik auf ihn gewirkt hätte, antwortete Lehmeier, es gebe ja leider kaum noch kompetente Kritiker. Es gelang ihm an diesem Abend jedoch, Besucher zu einem zweiten Besuch seiner Regie-Arbeit zu motivieren.

Quelle: RP
 
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