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Krefeld
Loops - kompakter Narrenspiegel

Krefeld. Gut besucht war die kleine Heeder-Bühne zur Premiere von "Loops - wo bin ich denn das oder Elmira", einem Stück, das Claudia Schnürer und Franz Mestre mit dem Kresch Stadtjungendtheater Zwei erarbeitet hatten.

Zirkusluft war angesagt, jedoch weniger im Sinne reizvollen zirzensischen Zaubers, sondern eher im Sinne jener Sorte Unfug, die man verächtlich als Zirkus bezeichnet. Eine Directrice (Svenja Behr) führte in einer angedeuteten Manege durch ein grausiges Programm. Was auch immer großspurig angekündigt wurde, bot das genaue Gegenteil des Versprochenen. Hektor (Johannes Schmidt) versagte gleichermaßen als Gelenkigkeitsakrobat und Kraftprotz. Die "siamesischen Zwillinge" (Sina Röcher & Antonia Weber) traten getrennt auf und bewegten sich kein bisschen harmonisch, gerieten einmal sogar in Zoff miteinander. Und als die Directrice nach mehreren vergeblichen Anläufen endlich ihre "Raubtiergruppe" in der Manege hatte, mochte keiner der Angsthasen durch den Ring springen - so hysterisch sie auch die Peitsche schwang. Mit diesem Negativhöhepunkt des Geschehens gelang Behr ein hinreißendes Stückchen Ausdruckstanz. Überhaupt war Bewegung das wichtigste Ausdrucksmittel der Aufführung. Vor allem in ihr manifestierte sich, wie sehr die Artistik längst zu inhaltsleeren und lustlos heruntergeleierten Loops, also Endlosschleifen, verkommen war, angetrieben von der unfähigsten Person im Manegenrund überhaupt, nämlich der Chefin. Doch o Wunder: Als sie plötzlich verschwunden war, turnte der zuvor linkische Hektor elegant über die Bretter, und die Zwillinge wuchsen tatsächlich tanzend zusammen. Es könnte also auch anders gehen.

So entstand in 45 Minuten das kompakte Bild einer Krampfgesellschaft, die nur noch vorgibt, eine Leistungsgesellschaft zu sein, deren schillernde Show in Schmierentheater und deren Gemeinschaftssinn in Killerwettbewerb umgeschlagen ist. Glänzend unterstützt wurden die Bewegungsabläufe der Darsteller durch jeweils bestens abgestimmte musikalische Untermalung der Szenen, und das repetitive Moment der Loops wurde auch sprachlich aufgegriffen durch häufiges Wiederholen bestimmter Worte im Text, dessen Bedeutung insgesamt aber untergeordnet blieb. Am Ende belohnte herzlicher Applaus das Ensemble.

(MoMe)
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