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Krefeld
Lucy Riewoldt hilft Straßenkindern in Kenia

Krefeld: Lucy Riewoldt hilft Straßenkindern in Kenia
Lucy Riewoldt in ihrer Wohnung im Südbezirk mit der Figur eines alten Massai-Mannes aus ihrem Heimatland. Ihr Vater gehörte diesem Stamm an, ihre Mutter war eine Nandi. FOTO: Thomas Lammertz
Krefeld. Die gebürtige Kenianerin lebt seit 22 Jahren in Krefeld und hat hier mit Freunden den Verein Heshima-Kinderförderung gegründet. Dieses Engagement nimmt einen Großteil ihrer Freizeit ein. Ihr Geld verdient sie als Reinigungskraft für Flugzeuge. Von Jochen Lenzen

Soziales Engagement hat Lucy Riewoldt sozusagen von ihrer Mutter geerbt. Die hatte schon 1998 als langjährige Witwe die ersten Straßenkinder aus in ihrem Haus in Eldoret/Kenia aufgenommen. Nachdem sie 2010 gestorben war, kümmert sich Lucy Riewoldt mit Hilfe des Vereins Heshima-Kinderförderung, den sie vor fünf Jahren mit Freunden in Krefeld gründete, um die Kinder, die heute im He-shima Children's Home in Mombasa leben. Dort kann der Verein ausschließlich aus Spendengeldern drei Betreuer für derzeit 19 Kinder bezahlen.

"Gerade habe ich eine wunderbare Nachricht erhalten: Drei unserer Kinder haben die Universität geschafft", freut sich die Frau, die nicht genau weiß, ob sie 1961, '62, oder '63 geboren ist und mit ihrem älteren erkrankten Mann in der 9. Etage des Hochhauses an der Ecke Kölner Straße/Untergath wohnt.

Über den deutschen Freund einer Freundin, der im Kenia Beach Hotel arbeitete, hatte Lucy Murray - damals Sekretärin in einem Berufskolleg - 1983 Siegfried Riewoldt kennengelernt, als er dort Urlaub machte. "Er hatte meiner älteren Schwester versprochen, sich um mich und meinen damals dreijährigen Sohn Robby zu kümmern", berichtet die zu der Zeit etwa 20-Jährige. Sechs Monate später kehrte Riewoldt zurück, um Lucys Mutter und ihre sieben Geschwister kennenzulernen. Ein Jahr später zog Lucy zu ihm nach Deutschland.

"Das war eine schwere Zeit. Weil wir noch nicht verheiratet waren, - das haben wir dann im Juli 1984 getan - hatte ich keine Aufenthaltsgenehmigung und daher auch keinen Job bekommen." Zudem hatte sie bei einem Besuch bei den Eltern ihres Mannes in der damaligen DDR schlechte Erfahrungen machen müssen. So entscheid sie sich, mit ihrem Sohn nach Kenia zurückzugehen. Die Riewoldts ließen sich scheiden. "Das war sehr traurig", sagt sie. Aber die Liebe war so groß, dass sie ein halbes Jahr später wieder zusammenfanden und 1989 ein zweites Mal heirateten. Drei Jahre später kam auch Sohn Robby wieder nach Krefeld, der hier zur Schule ging und heute als Schlosser bei Alberdingk & Boley in Uerdingen arbeitet.

Nach einem Sprachkursus absolvierte Lucy Riewoldt einen EDV-Einführungskurs und arbeitete als Zimmermädchen und später als Hausdamen-Assistentin in Hotels in Krefeld, Düsseldorf und Köln. Schließlich spricht sie neben Deutsch auch Englisch, das sie wie ihre Muttersprache Suaheli beherrscht. Nach einer Umschulung zur Fachfrau der Systemgastronomie fand sie in diesem Beruf aber keinen Job, sondern war fünf Jahre lang mit Helferinnentätigkeiten in drei Krefelder Firmen tätig. Seit acht Jahren ist sie in der Spätschicht von 13 bis 21 Uhr als Reinigungskraft für Flugzeuge am Düsseldorfer Airport beschäftigt; nebenbei hatte sie noch eine Prüfung als Fachkraft im Gastgewerbe bei der IHK bestanden.

Wenn sie sich nicht mit ihren Freunden aus dem Heshima-Verein trifft - zweimal im Jahr fliegt sie mit einer Delegation nach Kenia - liest Lucy Riewoldt viel, "aber nur wahre Geschichten" - ein Hobby, das sie mit ihrem Mann teilt. Außerdem kocht sie gern: Pilau zum Beispiel, ein Gericht aus gebratenem Reis, Gemüse, Zwiebeln, Huhn oder Rindfleisch, das mit Koriander, Knoblauch und dem namensgebenden Gewürz Pilau-Massala zubereitet wird, das sie aus Kenia mit nach Krefeld bringt. "Mein deutsches Lieblingsgericht sind Rouladen mit Rotkohl und Klößen. Die macht aber mein Mann, ein sehr guter Koch!"

Quelle: RP
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