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Krefeld
Luftballons als Zeichen für Obdachlose

Krefeld: Luftballons als Zeichen für Obdachlose
FOTO: Sven Schalljo
Krefeld. Sabrina Tophoven war Deutschlands jüngstes Straßenkind. Heute ist die 37-jährige Krankenpflegerin sehr engagiert in vielen sozialen Projekten. Gestern verteilte sie in der Stadt 5000 Luftballons, um ein Zeichen für Obdachlose zu setzen. Von Sven Schalljo

Ein Band aus roten und weißen Luftballon zieht sich seit gestern durch Krefeld: von der Westparkstraße bis zum Lutherplatz, über den Ostwall und die St. Anton-Straße bis zurück zum Vereinsgelände des VfR Krefeld wieder an der Westparkstraße. Verteilt wurden diese Ballons von Sabrina Tophoven und ihrer Tochter Gabrielle (11). Sie wollen damit ein Zeichen für Obdachlose setzen und ihnen zeigen, dass sie nicht vergessen sind. Außerdem soll es einen symbolischen Weg zum VfR-Gelände markieren, auf dem am Samstag ein Weihnachtsfest für Obdachlose stattfinden wird.

Sabrina Tophoven hat selbst einen engen persönlichen Bezug zum Thema Obdachlosigkeit, denn sie erlangte bundesweite Bekanntheit als Deutschlands jüngste Obdachlose. In den frühen 90ern lebte sie, nach schwerem Missbrauch durch ihren Vater und folgender Quälerei in einem Heim, in Köln auf der Domplatte. Sie erlebte die ganze Palette des Lebens als Obdachlose, ließ sich aber nie auf Drogenmissbrauch oder Prostitution ein. Und so gelang ihr im späten Teenageralter der Ausstieg. Sie beendete die Schule, machte eine Lehre und schrieb zwei Bücher ("Lebenslänglich: Psst... wenn nachts der Papa kommt" und "So lange bin ich vogelfrei"), in denen sie Missbrauch und Obdachlosigkeit beschreibt. Heute versucht die fünffache Mutter zu helfen, wo sie nur kann. Was aber ist der Grund für die Ballons? "Als Kind auf der Straße war Weihnachten hart für mich", berichtet sie. "Ich habe in die Fenster geschaut, gesehen, wie alles geschmückt ist, und mich gefragt, ob ich so etwas jemals erleben dürfe." Dann schaut Sabrina Tophoven ihre Tochter an, küsst sie und fährt fort "Heute habe ich es alles und denke an die Menschen, die das nicht erleben dürfen. Das macht mich traurig."

Tochter Gabrielle ist bei der Aktion dabei. Doch was treibt eine Elfjährige dazu, bei Kälte und Regen durch die Stadt zu laufen und Ballons zu verteilen? "Es macht mich traurig, wenn ich sehe, wie viele Menschen leben. Mama verteilt zweimal die Woche Suppe an Obdachlose. Wenn ich sehe, wie die sich über eine Suppe freuen, so leuchten bei anderen Menschen die Augen nicht mal, wenn sie ein Auto bekommen", berichtet sie.

Dass gerade diejenigen, die wenig haben, oft viel freizügiger geben - die Suppe zum Beispiel kocht Tophoven selbst und zahlt alles aus eigener Tasche - zeigt auch eine Passantin. Sie liest das Schild auf dem Rücken der Mutter und berichtet dann von Jobverlust durch eine Krebserkrankung, Hartz 4 und fehlende Unterstützung durch Kassen und Ämter. Sie verschulde sich derzeit horrend für Medizin, die nicht erstattet würde, erzählt sie. Dann aber bietet sie an, Kleidung, die ihrem Sohn nicht mehr passt, und alte Kleider von ihr selbst zu spenden, und nimmt Kontaktdaten mit.

Familie Tophoven zieht weiter und knotet ihre Ballons an Bäume, Laternen und Straßenschilder. An diesen hängt jeweils eine Karte von Karuna e.V., einem Berliner Verein zur Unterstützung Obdachloser. Diese Karten in der Aufmachung eines Smartphone-Displays informieren über Kontaktmöglichkeiten mit Sozialarbeitern, Waschgelegenheiten, Kleiderspenden, Whatsapp-Gruppen und so weiter.

5000 Ballons und Karten verteilen die beiden. Natürlich auf eigene Kosten. Übrigens: Der VfR Krefeld bot seine Unterstützung für die Zukunft an, und im kommenden Jahr sind mehrere Veranstaltungen auf dem Gelände geplant.

Quelle: RP
 
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