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Krefeld
Martin Engelien: Mr. Go Music

Krefeld. Bei den Proben zu einer "Wetten, dass..."-Show hatte der Bassist die Idee für eine Konzertreihe mit Improvisationsfreiheiten und Bands, die sich für diesen einen Abend neu formieren. In diesem Jahr wird "Go Music" 20 Jahre alt. Eine Erfolgsgeschichte. Von Mojo Mendiola

Am Anfang war es eine "Schnapsidee" - jetzt feiert die Session-Reihe "Go Music" Jubiläum: 20 Jahre. Als ihr Begründer Martin Engelien mit zehn Jahren Blockflöte lernen sollte, war das keineswegs abzusehen. Doch seit er mit 13 den Bass für sich entdeckte, gab es kein Halten mehr. Den sprichwörtlichen großen Durchbruch erlebte er ab 1983 als Bassist und später auch Produzent der Klaus Lage Band, deren Hit "1000 Mal berührt" unvergessen ist. Ein Platin-Album, zwei goldene Schallplatten, die "Goldene Europa" und der Ehrentitel "Bassist des Jahres" waren nur einige der Folgen.

Engeliens sechsjährige Zusammenarbeit mit der Jazz-Ikone Albert Mangelsdorff, dessen erfolgreichstes Album er auch produzierte, die Mitwirkung bei "Tabaluga & Lilli" sowie Projekte mit Stars wie John Entwhistle, Pete York, Jasper van't Hof, Jean Jacques Kravetz, Wolfgang Niedecken, Bob Brozman, Gilberto Gil, Peter Bursch, Helge Schneider und T.M. Stevens säumen sein Weg. Aber auch das ist längst noch nicht alles.

Als Engelien eines Tages mit den Musikern der Klaus Lage Band, der Scorpions und der Simple Minds in irgendeiner Stadthallenkantine saß und auf die nächste Kameraprobe für eine "Wetten, dass?"-Show wartete, kam ihm der Gedanke, dass man als Live-Band praktisch auch seine eigene Cover-Band ist, die jeden Abend versucht, ihre Hits so originalgetreu wie möglich nachzuspielen, anstatt sie auf der Bühne immer wieder neu entstehen zu lassen, spontan und kreativ. Simple Minds-Drummer Mel Gaynor fing spontan Feuer an dieser Idee.

Als Martin Engelien kurze Zeit später ein Benefiz-Konzert gestalten sollte, probierte er das Rezept erstmals aus mit acht Musikern, die er zu vier insgesamt abendfüllenden Bands formte. Das klappte wie verrückt. Die Musiker freuten sich, mal ganz von den Vorgaben ihrer sonstigen Bandleader befreit zu sein und sich das eigene Herz aus dem Leibe spielen zu dürfen, und das Publikum konnte die Rock-Größen mal ganz hautnah auf kleiner Bühne erleben.

Bei Wirtin Bärbel Zimmermann im Jazzkeller Krefeld liefen dann die ersten öffentlichen Versuche, anfangs unter dem Namen "Combination", und Zimmermanns Nachfolger Douglas Willcox regte an, daraus eine monatliche Session-Reihe zu machen. Die startete im Mai 1996 unter dem Namen "Special Act", übrigens kurz nachdem Engelien das damals 14-jährige Gitarren-Wunder Dennis Hormes entdeckt hatte. "Ich hätte niemals gedacht, dass dieses Konzept 20 Jahre lang tragen würde, aber nachdem inzwischen fast 400 Musiker mitgemacht haben, gelingt es mir immer noch fast jedes Mal, ein Ass zu gewinnen, das zum ersten Mal dabei ist."

Und Bernard Bosil, Jazzkeller-Wirt seit 2006, freut sich ebenfalls, denn "oftmals ist die Engelien-Show ausverkauft". Ziemlich bald fand sich dann auch der ideale Titel: "Go Music" hieß ursprünglich ein Vorläufer der heutigen Pop-Akademie in Mannheim, in dem auch Engelien mitwirkte, und der Mitbegründer Heinz Bruch gab seinem Freund am Bass den Namen frei.

Inzwischen tourt die "Go Music" monatlich durch Clubs in acht Städten, ist im Sommer zu Gast auf großen Festivals oder begeistert bei Konzerten in Kanada oder China. Eine vierte "Go Music-CD" ist in Vorbereitung, als Star-Gäste haben für dieses Jahr schon die Gitarristen Gil Edwards und Ex-Leningrad Cowboy Ben Granfelt zugesagt, und etliche hochkarätige Überraschungen sind versprochen.

Quelle: RP
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