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Krefeld
Matarés Tochter erinnert sich an Krefeld und Kammen

Krefeld. Sonja Mataré hat ihre Erinnerungen aufgeschrieben und veröffentlicht -über Beuys, Nauen, Campendonk und die frühere Kunstgewerbeschule. Von Norbert Stirken

Sonja Mataré trägt einen berühmten Namen: Ihr Vater Ewald ist einer der bedeutendsten Bildhauer Deutschlands und Direktor der Staatlichen Kunstakademie in Düsseldorf gewesen. Seine Kunst galt als entartet. Die Nazis setzten ihn nach kurzer Lehrtätigkeit ab. Was wenige wissen, auch seine Tochter Sonja zeichnete sich durch besondere künstlerische und handwerkliche Fertigkeiten aus - in der Goldschmiede. Im Mai 1942 überraschte Ewald Mataré seine Tochter mit der Nachricht, dass er in Krefeld in der Meisterschule gewesen sei, mit dem Goldschmiedemeister gesprochen habe, und sie dort am kommenden Tag anfangen könne.

Sonja war nicht die Art Tochter, die sich den Wünschen und Anordnungen der Eltern verschloss. Also machte sich die in Meerbusch-Büderich lebende 15-Jährige auf in die Seidenstadt. "Ich fühlte mich auf anhieb dort wohl", schreibt sie in ihren Erinnerungen. Das Buch der im August ihren 90. Geburtstag feiernden Künstlertochter ist vor wenigen Wochen im Wienand-Verlag erschienen und enthält zahlreiche Episoden aus Krefeld.

Sonja kam mit anderen Schülern aus Osterath, Düsseldorf und Kevelaer in die Meisterschule des deutschen Handwerks an der Petersstraße in die Klasse von Professor Paul Bausch. Die Nationalsozialisten hatten die frühere Kunstgewerbeschule schon 1933 umbenannt. Nach dem Krieg und dem Wiederaufbau des zerbombten Gebäudes wurde es die Werkkunstschule. Als besonders bezeichnet Sonja Mataré, dass sie an der Meisterschule ihre Gesellen- und ihre Meisterprüfung ablegen konnte, ohne einem Ausbildungsbetrieb anzugehören. Doch der Krieg sorgte dafür, dass der Plan eine Änderung erfahren musste. Nach der Bombardierung Krefelds Pfingsten 1943 war an Ausbildung an der Petersstraße nicht mehr zu denken. "Am Pfingstdienstag machte ich mich auf den Weg zur Schule. Die Straßenbahn fuhr nur bis zum Stadtrand. (...) Vom Bahnhof ging es zu Fuß weiter Richtung Ostwall, vorbei an rauchenden Hausruinen. Mit Entsetzen sahen wir dann auf dem Ostwall zahllose Menschen, hauptsächlich Frauen, die mit ihren Kindern und einigen verbliebenen Habseligkeiten dort in den Grünanlagen der Allee saßen", berichtet Sonja Mataré in ihrem Buch. Ihr Vater schickte sie nach Breitbrunn am Chiemsee. Dort setzte sie ihre Ausbildung fort. Erst nach Kriegsende konnte Sonja ihre Lehre beenden. "Ich habe in Krefeld beim alteingesessenen Juwelier Kammen noch ein Jahr gearbeitet und im Januar 1047 die Gesellenprüfung abgelegt", schreibt sie. Nach einer Zwischenstation in Düsseldorf richtete sie sich ihre eigene Werkstatt direkt neben dem Atelier des Vaters ein. Dort begann eine gedeihliche Zusammenarbeit mit dem Vater. Nicht selten übernahm sie Aufgaben zur Gestaltung sakraler Kunst. Das Mataré-Kruzifix, das in der Aachener St.-Gregorius-Kirche hängt und das bei einer internationalen Messe für Design auf der Triennale in Mailand 1953 mit einer Goldmedaille ausgezeichnet wurde, hat Sonja mit feinen Ziselierungen geschmückt. Sie verfügte aber auch über ein vielseitiges eigenes Oeuvre. Das Museum Kurhaus Kleve widmete ihr 1998 eine Einzelausstellung ihrer Goldschmiedearbeiten.

Sonja Mataré, Erinnerungen, Wienand-Verlag, aufgezeichnet von Irmgard Faber-Asselborn

Quelle: RP
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