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Krefeld
"Medizin ist messbar"

Krefeld: "Medizin ist messbar"
Hans Walter Singer, Helios-Regionalgeschäftsführer macht sich stark für ein Mess-Qualitätsmanagementsystem, das Krankenhäuser anhand von 46 Indikatoren untersucht: "Es gehen Ärzte in Krankenhäuser, die dort nicht arbeiten." FOTO: Thomas Lammertz
Krefeld. Der Helios-Konzern will eine 2008 gegründete Initiative voranbringen, in der Kliniken sich klaren Maßstäben stellen - und diese veröffentlichen. Helios-Regionalgeschäftsführer Singer sagt, das Mess-System sei "verblüffend einfach". Von Jens Voss

Auf den ersten Blick wirkt der einfachste Maßstab für die Güte einer Behandlung im Krankenhaus etwas makaber: Verlässt der Patient die Klinik tot oder lebendig? Auf den zweiten Blick geht es um die Frage, wie klar ein Messsystem für medizinische Qualität sein kann. Der Helios-Konzern gehörte 2008 zu den Gründern einer Initiative von sechs großen Krankenhausträgern, die sich auf ein solches Mess-System verständigt haben. Mittlerweile gehören dieser "Initiative Qualitätsmedizin" (IQM) 335 Kliniken in Deutschland, Österreich und der Schweiz an. In NRW legen 47 der 370 Kliniken ihre Zahlen offen. Helios will das Thema voranbringen und richtet in Düsseldorf eine Dialog-Veranstaltung vor Entscheidern im Gesundheitswesen aus, in der es um die Messbarkeit medizinischer Qualität geht. Hans Walter Singer, als Helios-Regionalgeschäftsführer auch für Krefeld zuständig, wirbt für die IQM - dahinter stehe die Überzeugung: "Medizin ist messbar" - und das System sei sogar "verblüffen einfach".

Entwickelt wurde dieses Mess-Qualitätsmanagementsystem von Professor Thomas Mansky, Mediziner und früherer Leiter des Bereichs Medizinische Entwicklung im Helios-Konzern. Er hat ein System von nur 46 Parametern entwickelt - die Kernidee kennzeichnet Singer so: "Medizinische Behandlung muss vom Ergebnis her befragt werden. Wir gehen nicht über die Prozesse, die zu dem Ergebnis führen, sondern betrachten das Ergebnis und befragen von daher die Prozesse."

Aber kann man wirklich mit nur 46 Indikatoren die Fülle der Wirklichkeit eines Krankenhauses messen - all die Behandlungen, Krankheitsverläufe, Therapien und Operationen? Schließlich geht es ja bei den meisten Fällen nicht gleich um Leben und Tod, sondern um viele Abstufungen davor - wie bekommt man diese Vielfalt in den Blick, wenn das Wahrnehmungsraster relativ einfach ist?

Laut Singer zeigt die Erfahrung, dass die von Mansky entwickelten Qualitätsmessungen sehr wohl vielfältig und effizient auf das Geschehen in einer Klinik zurückwirken. Das hängt mit der Reaktion auf die Analyse der Parameter zusammen: Taucht ein auffälliger Wert auf, werden sogenannte "Peer Review"-Verfahren angestoßen - heißt: Ein Ärzte-Team von außen analysiert die Abläufe in der Klinik, bei denen die Ergebnisse auffällig waren. Die Teams sind interdisziplinär und trägerübergreifend: Es gehen also Ärzte in Krankenhäuser, die dort nicht arbeiten und auch nicht unbedingt beim selben Träger beschäftigt sind.

"Das ist nicht immer einfach", berichtet Singer, "schließlich lässt sich nicht jeder gerne in seinen Bereich hineinfunken und sagen, dass etwas besser laufen kann. Aber in der Regel werden diese Verfahren bald als kollegiale Hilfe angesehen, um Prozesse zu verbessern, was ja im Interesse aller Abteilungen liegt." Es gebe auch Fälle, in denen eine Klinik von sich aus ein "Peer Review"-Verfahren anstrengt. Unterm Strich geht es für Singer darum, eine Fehlerkultur zu etablieren, die Fehler nicht als Schicksal hinnimmt, sondern sie erkennt, ausmerzt und die Behandlungsqualität erhöht.

Bewährt hat sich die IQM-Analyse laut Singer auch deshalb, weil sie überschaubar ist. Die Werte werden veröffentlicht - so gibt es Durchschnittswerte aller IQM-Kliniken neben den Einzelwerten aller Kliniken. "Das ist rasch zu übersehen und nicht immer schön, weil eben auch schlechte Werte öffentlich sind", sagt Singer, "aber auch das ist ein Weg, den Druck in einer Klinik zu erhöhen, die Veränderungen angehen muss."

Quelle: RP
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