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Krefeld
Medizinfortschritt: Schrittmacher für die Blase

Krefeld: Medizinfortschritt: Schrittmacher für die Blase
Große Resonanz hatte die Telefonaktion mit den Fachärzten des Helios-Kompetenzzentrums: (v.l.) Dr. Nicolas Fischer, Dr. Waldemar Poleska, René Carolus und Professor Thomas Frieling am RP-Newsdesk. FOTO: Thomas Lammertz
Krefeld. Mit Kontinenzproblemen müssen Betroffene sich nicht abfinden, erklären die Fachärzte. Medizinische Fortschritte bieten viele Behandlungsmöglichkeit. In leichten Fällen helfen schon Übungen. Von Petra Diederichs

Der Leidensdruck ist oft groß, doch die Scham noch höher. Wer Probleme hat, seinen Harn und/oder Stuhl zu halten, isoliert sich oft. Viele scheuen sich, mit ihren Beschwerden zum Arzt zu gehen. "Und auch dem Arzt gegenüber rücken viele erst nach der zweiten oder dritten gezielten Frage mit der Sprache heraus", sagt Professor Thomas Frieling, Direktor der Medizinischen Klinik II am Helios-Klinikum. Gemeinsam mit seinen Kollegen René Carolus, Oberarzt der Klinik für Allgemein-, Viszeral- und Minimal-Invasive Chirurgie, Dr. Nicolas Fischer, Oberarzt der Urologischen Klinik und Dr. Waldemar Poleska, Leitender Oberarzt der Klinik für Frauenheilkunde und Geburtshilfe beantworteten sie am RP-Redaktionstelefon Fragen rund um das Thema Kontinenz.

Warum betrifft es in der Mehrzahl die Frauen?

Inkontinenz ist meist nicht nur eine Frage des schlechter funktionierenden Schließmuskels. Oft kommen andere Faktoren hinzu: zum Beispiel die Senkung des Beckenbodens, Belastungen durch Schwangerschaften, Hormonmangel. Früher waren Dammrisse und -schnitte bei der Geburt noch häufig Ursache für spätere Probleme. Heute ist nicht die Geburt belastend, sondern die Schwangerschaft.

Gibt es Möglichkeiten zur Vorbeugung?

Für Frauen ist Rückbildungsgymnastik wichtig. Damit können sie eine Senkung des Beckenbodens verhindern, die Monate oder Jahre später Probleme bedingen kann. "Bei Männern kommt es oft zu einer Inkontinenz, weil sie zu lange eine vergrößerte Prostata nicht haben behandeln lassen", betont Nicolas Fischer.

Warum ist die Behandlung von Inkontinenz wichtig?

Wer die Steuerung über die Körpervorgänge verloren hat, leidet und schämt sich. Im frühen, leichten Stadium helfen oft Beckenbodentraining, lokale Hormonbehandlungen, die nicht den gesamten Körper betreffen oder die Umstellung auf ballaststoffreiche Ernährung, um den Stuhl zu verfestigen. Die Behandlung und die Übungen werden gezielt auf den jeweiligen Patienten ausgerichtet. Erster Ansprechpartner ist der Arzt des Vertrauens, der an das Kontinenzzentrum überweist, in dem Ärzte unterschiedlicher Fachgebiete miteinander die Therapien abstimmen.

Wie wird die Kontinenz wieder erreicht?

Es gibt je nach Krankheitsbild unterschiedliche Behandlungsmethoden. "Die physiotherapeutischen Übungen sind wirkungsvoll, aber der Effekt setzt erst nach Wochen ein. Da braucht man etwas Geduld", sagt Poleska. In der Chirurgie gibt es zahlreiche - auch minimalinvasive -Möglichkeiten, "auch für die, die zuvor als nicht therapierbar galten", sagt Carolus. Frieling: "Wir erzielen gute Erfolge mit der sogenannten Sakralnervenstimulation, das ist eine Art Schrittmacher für die Blase, den der Patienten selbst bedienen kann. Ist er aktiviert, ist der Patient kontinent."

Warum ist das Kontinenzzentrum wichtig?

Hier werden die Fachgebiete gebündelt, eine umfassende Klärung des Krankheitsbildes des Patienten ist mit kurzen Wegen und schnell möglich. "Und wir sind immer mit den neuesten medizinischen Fortschritten vertraut", erklärt Carolus. "Viele Hausärzte kennen die neuesten Entwicklungen nicht, und minimalinvasiv ist heute sehr viel möglich."

Welche Folgen kann eine nicht behandelte Inkontinenz haben?

Da die Blase nicht restlos vom Harn entleert wird oder im Darm ein Rest Stuhl bleibt, können Entzündungen auftreten, die in der Folge hartnäckig und schmerzhaft werden können.

Quelle: RP
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