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Krefeld
Mehr als 3000 Kästen in Krefeld verschandeln das Stadtbild

Krefeld. Der frühere Landtagsabgeordnete Eugen Gerritz versucht in einem Brief an die Krefelder Bürgervereine für die Thematik zu sensibilisieren. Er fordert, die Inflation der Kästen einzudämmen. Von Norbert Stirken

Sie schießen wie Pilze aus dem Boden: hauptsächlich graue Kästen aus Kunststoff in unterschiedlicher Größe. Sie stehen überall. Vor Denkmälern, auf frisch sanierten Plätzen und in gepflegtem Grün. Mittlerweile sind es mehr als 3000 Stück. Allein die Post verfügt über 669 solcher Aufbewahrungsschränke als Zwischenlager für die Post der Zusteller.

Der langjährige Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft Krefelder Bürgervereine (AKB), Hans-Jürgen Herzog, und der frühere Landtagsabgeordnete Eugen Gerritz (SPD) setzen sich nun an die Spitze derer, die in der "Inflation der Kästen zunehmend eine Verschandelung des Stadtbilds" sehen. Eine Flut von Blechkästen, sicherlich mehrere tausend, von klein bis kleiderschrankgroß überschwemmen die Stadt, schreibt der 80 Jahre alte, frühere Ratsherr Gerritz. Für ihn sei die Stadtbildpflege jedoch mindestens so wichtig wie die Denkmalpflege. Ziel der Verantwortlichen in Krefeld müsse es deshalb sein, die Zahl der Kästen zu reduzieren oder sie zumindest so zu platzieren, dass sie Besuchern und Einheimischen nicht störend ins Blickfeld gerieten.

Die Stadtverwaltung teilte auf Anfrage unserer Redaktion mit, dass sie in dieser Hinsicht kaum Hoffnung verbreiten könne. "Im öffentlichen Straßenland aufgestellte Kästen und Schaltschränke haben unterschiedliche Funktionen. So gibt es Postablagekästen, die der Unterverteilung und Zwischenlagerung von Postsendungen und Briefen dienen, und Schaltschränke für Strom und Telekommunikation. Alle diese Einrichtungen dienen der Grundversorgung der Bürger mit lebensnotwendigen oder heute zum gesellschaftlichen Standard gehörenden Dienstleistungen", erklärte Stadtsprecher Manuel Kölker. Durch die kurz vor dem Abschluss stehende Glasfaserverkabelung von Krefeld, die die Möglichkeiten der Telekommunikation enorm verbessere (schnelles Internet), habe auch die Zahl der im Stadtbild auftauchenden Schaltkästen der Telekom deutlich zugenommen, informierte Kölker. Derzeit stünden rund 330 Schaltschränke für Telekommunikation unterschiedlicher Unternehmen im Stadtgebiet.

Hinzu kämen 1785 Kabelverteilerschränke der Stadtwerke Krefeld sowie einige größere Umspannanlagen. Schlussendlich benötige jede Ampelanlage mindestens einen Schaltkasten. An größeren Signalanlagen, die auch den ÖPNV regelten, stünden auch schon mal zwei Schaltkästen, berichtete Kölker. Addiert ergebe dies eine Gesamtzahl von mindestens 3014 Kästen im öffentlichen Raum in der Stadt Krefeld.

Die Frage der Gebühren und Genehmigungen sei eindeutig durch Gesetze oder Verträge geregelt, sagte der Stadtsprecher. Mit der Post etwa bestehe eine Vereinbarung mit dem Oberbürgermeister, nach der die Post eine monatliche Miete zu zahlen habe. Je nach Standort betrage sie zwischen 5,98 und 14,50 Euro pro Quadratmeter Stellfläche. Die Gebühren für die Gestattung der Aufstellung von Schaltschränken für Telekommunikation würden nach dem tatsächlichen Aufwand erhoben. Die Stadtwerke zahlten für ihre Belange eine Konzessionsabgabe in Höhe von 15 Millionen Euro - damit seien die Aufwendungen bei der Stadt mit abgegolten.

Quelle: RP
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