| 00.00 Uhr

Krefeld
"Menschliche Arbeitskraft wird zur Ware"

Krefeld: "Menschliche Arbeitskraft wird zur Ware"
Mit dem Bundesvorstand will auch die KAB-Hüls auf die Problematik der zunehmenden Altersarmut aufmerksam machen: Gerd Hombergs von der KAB-Hüls, Diözesanvorsitzender Ralf Welter, KAB-Bundesvorsitzender Andreas Luttmer-Bensmann und Bundespräses Johannes Stein (von links). FOTO: ni
Krefeld. Die Katholische Arbeitnehmer-Bewegung (KAB) lädt für Freitag zum 16. Bundesverbandstag ins Seidenweberhaus ein. Von Joachim Niessen

Die Katholische Arbeitnehmer-Bewegung (KAB) Deutschlands will auf ihrem 16. Bundesverbandstag am kommenden Wochenende in Krefeld einen doppelten Neuanfang starten. Zum einen wollen die rund 180 Delegierten von Freitag bis Sonntag im Seidenweberhaus eine neue Satzung mit notwendigen Strukturen für einen kampagnenfähigen Sozialverband verabschieden. Zum anderen soll mit dem Leitantrag "Arbeit.Macht.Sinn" eine intensive Auseinandersetzung mit den Herausforderungen der Digitalisierung auf die Arbeitswelt, den wirtschaftlichen Herrschaftsstrukturen und einer sich weiter öffnenden der Schere zwischen Arm und Reich ermöglicht werden. "Selbstbestimmung und Freiheit von Menschen, vor allem in der Arbeitswelt, werden durch die Machtkonzentration bei Kapitaleignern mehr und mehr in Frage gestellt. Die menschliche Arbeitskraft wird zur Ware", warnt KAB-Bundesvorsitzender Andreas Luttmer-Bensmann, der sich zur Wiederwahl stellt. Die Digitalisierung werde auch die Machtkonzentration stärken. "Schon heute kontrollieren die 35 mächtigsten Unternehmen der Welt mehr als ein Drittel des Welthandels", ergänzt Ralf Welter, Diözesanvorsitzender der KAB in Bistum Aachen.

Auf ihrem Krefelder Verbandstag will sich die KAB vor allem auch kritisch mit der Wachstumsideologie auseinandersetzen. Sie befürchtet Massenentlassungen, die Ausgrenzung ganzer Gruppen der Gesellschaft sowie deren weitere Spaltung. "Die Veränderungen in der Arbeitswelt und ein fortschreitender Kapitalismus, der keine ökologischen und menschlichen Grenzen kennt, fordern uns heraus. Wir müssen ,Arbeit 4.0' menschenwürdig gestalten", ergänzt Luttmer-Bensmann. In einem Leitantrag fordert die KAB die Vergesellschaftung der natürlichen Ressourcen wie Grund, Bodenschätze und Wasser. "Als Christen sehen wir mit Papst Franziskus die Dringlichkeit einer sozio-ökologischen Transformation hin zu mehr Gerechtigkeit für die Armen und Ausgeschlossenen", sagt Bundespräses Johannes Stein. Als internationale Arbeitnehmerbewegung mit mehr als 100.000 Mitgliedern könne man es nicht hinnehmen, dass die kapitalistische Wirtschaftsweise auf der strukturellen Ausbeutung der menschlichen Arbeit und der ungebremsten Ausbeutung aller natürlichen Ressourcen beruhe.

Dass der "Mensch auch weiter im Mittelpunkt der Gesellschaft" stehen muss, betont ebenfalls Gerd Hombergs von der KAB in Hüls. Der Ortsverband ist mit mehr als 300 Mitgliedern der größte im Bistum Aachen. Und der bietet vor Ort ein breites Programm-Paket für Krefeld an. Die Ferienspiele im Sommer begeistern inzwischen rund 600 Kinder aus der Seidenstadt. Etwa 80 Helfer stehen seit Jahren bereit, um mit den jungen Krefeldern ein breitgefächertes Spiele- und Spaßangebot zu erleben. "Daneben haben wir zusätzlich die Senioren um Blick", ergänzt Hombergs. In der Altenarbeit stehen nicht nur Kaffeefahrten und Bustouren, sondern auch Schwimm- und Gymnastikkurse auf dem Angebotszettel.

Ein zentraler Punkt der Arbeit der KAB Hüls sind die Projekte für Behinderte. "Seit 20 Jahren gibt es in Hüls ein Wohnheim für Behinderte, in das auch die KAB mehrere 100.000 Euro invertiert hat", so Hombergs. "Ein Ergebnis ist, dass Behinderte und ihre Arbeit in Hüls hervorragend in das gesellschaftliche Leben integriert sind."

Gemeinsam mit dem Bundesvorstand wollen auch die Hülser in den kommenden Wochen auf die Problematik der zunehmenden Altersarmut aufmerksam machen. "Wir müssen Altersarmut und Rente koppeln. Das sind zwei Seiten einer Medaille", sagt Luttmer-Bensmann. Die KAB will am Wochenende auf dem Verbandstag unter anderem eine "Sockelrente von 515 Euro" für jeden fordern, der 50 Jahre in Deutschland gelebt hat. "Wir brauchen neue Denkansätze, die sich mit dem gesellschaftlichen Leben in 30 oder 40 Jahren beschäftigen. Die heutigen Finanzmodelle greifen dann nicht mehr."

Quelle: RP
 
Diskussion
Ihre Meinung zum Thema ist gefragt

Schreiben Sie jetzt Ihre Meinung zu:

Krefeld: "Menschliche Arbeitskraft wird zur Ware"


Beachten Sie dabei bitte unsere Regeln für Leserkommentare.