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Krefeld
Messerstecher-Prozess: Tochter des Angeklagten will nicht aussagen

Krefeld. Am zweiten Prozesstag sagten die Nachbarn über ihre Beobachtungen in der Tatnacht aus. Der Angeklagte sei stets sehr freundlich gewesen. Von Birgit Lameyer

Im Messerstecher-Prozess hat der Verteidiger am zweiten Verhandlungstag ein schriftliches Geständnis des Angeklagten Krefelders vorgetragen. Der 52-jährige Mordverdächtige beantwortete Rückfragen des Gerichts mit Trotz und Unwillen. Die Antworten ließen auf eine mögliche Überforderung gemischt mit einer Neigung zum Jährzorn schließen. Die Beantwortung der Fragen sei ihm "zu doof", kommentierte er hartnäckige Versuchte des Richters, Einzelheiten zu erfahren. Auch seiner Verärgerung über die Polizei ließ er freien Lauf: "Da ruft man die noch selber an und die kommen nicht", machte er seinem Unmut Luft. Denn nach der schrecklichen Tat hatte er selber bei der Polizei angerufen, ernst genommen wurde er - wohl aufgrund seines Alkoholkonsums - nicht.

Der Verteidiger hatte vorgetragen, dass Täter und Opfer sich am Tattag im Januar in Mönchengladbach kennenlernten. Man habe beschlossen, gemeinsam in Krefeld Alkohol zu trinken, sein Mandant trinke gerne in Gesellschaft. Das spätere Opfer habe einen vernünftigen und keinesfalls aggressiven Eindruck gemacht. Der Mann sei aber von Minute zu Minute fordernder geworden, habe Interesse an der Tochter des Angeklagten bekundet. In der Nacht habe der 56-Jährige dem Angeklagten ein Messer an den Hals gehalten und ihn bedroht. Sein Mandant habe daraufhin sein Jagdmesser geholt. Er sei wie im Rauch gewesen, habe aber keine vollständige Erinnerung.

Eine Nachbarin sagte gestern aus, dass sie in der Nacht einen Streit gehört, aber nicht verstanden habe, worum es ging. Unter anderem habe sie ein Poltern im Hausflur gehört, drei Mal habe eine fremde Stimme gesagt, "es tut mir leid". Die Stimme des Angeklagten sei es nicht gewesen. Ihre Schwester, die in der Tatnacht bei ihr übernachtet hatte, konnte weitere Angaben machen. Um 0.30 Uhr hörte sie "eine rauchige Säuferstimme" laut sagen: "Ich bring dich um". Dann fielen Flaschen. Etwa 20 Minuten später sagte eine andere Stimme: "Es tut mir leid". Zu ihr sei der Angeklagte stets freundlich gewesen.

Ein Freund des Angeklagten berichtete, er sei in der Nacht an der Sternstraße gewesen. Zuvor habe der 52-Jährige ihn angerufen und gesagt, dass ein Toter in seiner Wohnung liege. "So was glaubt keiner im ersten Moment", sagte er. Dann musste er es aber glauben, weil er sah: "Da lag der Mann dann zugedeckt." Er selber habe die Polizei nicht rufen wollen, aus Angst, in Verdacht zu geraten. Das habe dann die hinzu gerufene Tochter des Angeklagten übernommen. Die möchte allerdings nicht aussagen.

Quelle: RP
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