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Krefeld
Midsummer Madness: Festival der harten Jungs

Krefeld: Midsummer Madness: Festival der harten Jungs
"Agnostic Front" ist Headliner des Festivals. Die New Yorker sind seit 1980 unterwegs und gelten als Urväter des Hardcore. FOTO: kufa
Krefeld. Am 21. August treffen sich bei der Midsummer Madness der Kufa die international angesagtesten Hardcore Bands in Krefeld. Eine Männerdomäne. Von André de Vos

Das ist der reine Wahnsinn, wenn sich mitten im Sommer gleich acht Hardcore-Bands auf einen Schlag in der Kufa treffen, um einen ganzen Tag lang "Summer Madness" zu zelebrieren. Am Sonntag, 21. August, werden sich Gruppen aus Deutschland, Italien, Holland und den USA hier von 15 bis 23 Uhr (Einlass: 14 Uhr) das Verstärkerkabel in die Hand drücken, um musikalisch und textlich besonders eindrucksvoll ihre neuesten Statements zum Zustand der Welt abzugeben.

Einen Wermutstropfen vorab: Der Co-Headliner "Terror" aus Los Angeles hatte seine Sommertour abgesagt, nachdem Sänger Scott Vogel sich einer unaufschiebbaren Nackenwirbeloperation unterziehen musste, die ihn länger als erhofft aus der Bahn geworfen hat. Aber die Veranstalter von "Hermano Booking" haben blitzschnell reagiert und mit "Risk It" aus Dresden sehr guten Ersatz besorgen können. Der Sound der Band im speziellen "New York Hardcore"-Stil besticht durch kurze und schnelle Songs, die seit 2009 auf drei EPs und zwei Studioalben verewigt sind. Auch bei den anderen Gruppen ist gewährleistet, dass es keine Sekunde Langeweile geben wird. Der Knochenmann mit der Motorsäge - so das Logo der Veranstaltung - wird es im Auditorium so richtig abgehen lassen.

Gleich die erste Band des Nachmittags, "Honor Never Dies" aus Grefrath, hat sich auf ihrer "Facebook"-Seite geschworen, "die Bude abzureißen" und braucht dafür nur noch ein paar Helfer, die von Anfang an kräftig mitziehen. In die Kerbe wird dann "Black 8 Balls" mit einer explosiven Mischung aus Hardcore, Metal, Crossover und Punk hineinschlagen. Die sechsköpfige Combo mit Mitgliedern aus Geldern, Issum und Köln erzielt mit zwei Sängern doppelte Wirkung und droht dabei in Liedern: "The hell breaks loose and you will love it".

Dieses Versprechen wollen auch "Gone To Waste" aus Dortmund gerne wahr machen, die bei Liveperformances eine Mischung aus Dynamik und Gefährlichkeit ausströmen, die sich sofort auf das Publikum überträgt. Der messerscharfe, aggressive Sound verleitet zu ständiger Ruhelosigkeit. Arme werden hochgerissen, Fäuste geballt, die Beine zucken unkontrolliert. Wer nicht weiß, was bei "Gone To Waste" vor der Bühne abgeht, der sollte vor dem Auftritt der Band noch schnell einen Tanzkursus in Slamdance und Wrecking belegen.

Einer etwas differenzierteren Spielweise frönen "H2O" aus New York. Sie sind in ihren Arrangements melodischer, stoßen aber damit noch nicht in den Bereich von internationalen Erfolgsbands wie "Rise Against" vor. Auf dem aktuellen H2O-Album "Use Your Voice" kann man neben den Entfremdungsgefühlen, die sie tagtäglich umschleichen, noch so etwas wie Eskapismus entdecken, wenn sie bei "Skate!" den exzessiven Gebrauch des Skateboards anmahnen, in "Still Dreaming" von einer vereinten Menschheit träumen und in "Popage" gestehen, an einem schlechten Tag auch mal einen Radiosong zu trällern.

Die harte Realität zieht aber sofort mit "Raw Power" aus Italien wieder ein. Sie ist eine der ältesten Hardcore-Bands weltweit, die seit 1981 immer noch aktiv ist. Ihr "Old School Hardcorepunk" auf ihrem jüngsten Album "Tired & Furious" beweist, dass das Quintett aus Reggio Emilia immer noch so giftig und wild ist wie in den Anfangstagen. Und ein Coversong wie "Raw Power" von "Iggy Pop & The Stooges" wird im Set neben dem Hit "Mine To Kill" sicherlich auch nicht fehlen.

Hardcore ist zwar immer noch eine Männerdomäne, aber bei der holländischen Formation "All For Nothing" hat Sängerin Cindy die Hosen an. Sie ist die Power-Frau, die in jeder Männeriege besteht. Sie tanzt, springt, singt und shoutet mit vollem Körpereinsatz und wird mit einer bruchlosen Abfolge von Hammersongs der Marke "Wake Up Call" bis "Beyond Everything" aufwarten.

Höhepunkt des "Sommer Wahnsinns" ist dann "Agnostic Front" aus New York, die sogar schon seit 1980 unterwegs sind und quasi als die Urväter von Hardcore, Metalcore und Crossover gelten. In seinem politischen Rundumschlag wird das Quintett Themen von "Blind Justice" bis "Police State" abdecken. Die Nachfrage nach dieser Musik ist so groß, dass schon Anfang August über zwei Drittel der 900 Karten abgesetzt waren und für nächstes Jahr an eine Verdoppelung von Bühnen und Bands gedacht wird.

Quelle: RP
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