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Krefeld
Mies-Modell wird Kulturtreff

Krefeld: Mies-Modell wird Kulturtreff
Wie ein System-Baukasten des Bauhauses wirkt die Seiteansicht mit den vielen Fenstern. FOTO: peter hinschlaeger
Krefeld. In Aachen wird heute die "Infobox am Depot" eröffnet. Sie entstand aus Material des Mies-Golfclub-Projektes auf dem Egelsberg. Von Petra Diederichs

Wenn Studenten der Gebäudelehre bauen dürfen, dann ist das Ergebnis spannend: Schlicht beim ersten Blick auf die Front, interessant beim Umrunden, wenn sich das kleine Bauwerk präsentiert wie ein Systembaukasten der Bauhaus-Lehre, und umwerfend, wenn es sein helles, geradliniges Innere offenbart. In Aachen entstand am Talring beim Straßenbahndepot ein Gebäude, das als Begegnungsort und Infobox dienen soll. Unter dem Namen "Recycling Mies" wird es heute Nachmittag offiziell eröffnet.

Es ist kein Bau für die Ewigkeit. "Recycling Mies" ist eine Wertschätzung für den weltberühmten Bauhaus-Architekten Ludwig Mies van der Rohe, der in Aachen geboren wurde. Und es ist eine Reminiszenz an Krefeld. Denn der temporäre Bau ist entstanden aus dem Material, aus dem 2013 auf dem Egelsberg "Mies 1:1 Das Golfclub Projekt" gebaut worden war - ein begehbares Architekturmodell der nie realisierten Pläne für ein Clubhaus der 1930er Jahre. Das Modell hatte weltweit Resonanz gefunden.

Die Front ist schlicht und verrät nicht, was den Besucher hinter der Haustüre erwartet. FOTO: peter hinschlaeger

Christiane Lange, Initiatorin des Vereins "Projekt MIK", der das aufseheneerregende Egelsberg-Unterfangen realisiert hatte, hat immer betont, dass das hochwertige Material für den temporären Bau wiederverwendet werden sollte. Studenten der RWTH Aachen haben Holz, Bodenplatten und Stahl nun für den neuen Bau verwendet. Hier können Arbeitsgruppen und Expertenrunden tagen, Ausstellungen gezeigt und Lesungen veranstaltet werden. Der Raum bietet Platz für 50 Personen, für 30 gibt es sogar Sitzmöglichkeiten.

Am Aachener Lehrstuhl für Gebäudelehre entwickelten Studierende unter der Leitung von Professor Bernadette Heiermann und Thomas Müller-Simon Entwürfe für das "Box-Haus". "Fenster und Türen wurden aus Aachener Schulsanierungen und verschwundenen Dörfern des Braunkohletagebaus ergänzt. Das Projekt wurde von Firmen und privaten Förderern unterstützt sowie vom Bundes- und Landesprogramm Soziale Stadt Aachen-Nord. Junge Flüchtlinge haben gemeinsam mit dem Designbüro PYG die Möbel gebaut in einer Initiative der gemeinnützigen Arbeitsförderungsgesellschaft low-tec", teilt Projekt MIK mit. Aus Holz-Paletten entstanden Tische, Bänke und Hocker, die zu dem hellen Mies-Modell-Holz einen farblichen Kontrast bilden, aber in ihrer Schlichtheit auch einen funktionalen Schick entwickeln.

Wie ein System-Baukasten des Bauhauses wirkt die Seiteansicht mit den vielen Fenstern. FOTO: peter hinschlaeger

Für die heutige Eröffnung haben die Studenten und Projektbeteiligten einen Wunsch an ihre Gäste: "Uns fehlen noch Lampen."

Quelle: RP
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