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Krefeld
Mies-Villen: Neustart für Weltkulturerbe

Krefeld: Mies-Villen: Neustart für Weltkulturerbe
Krefelder Kunstmuseen: Haus Esters und Haus Lange. FOTO: Thomas Lammertz
Krefeld. Der erste Anlauf ist gescheitert, der zweite kann mit anderen Mies-van-der-Rohe-Städten glücken. Die CDU mahnt nun an, die Grundstücke rund um die Häuser Lange/ Esters nicht einfach für normale Wohnbebauung zu verkaufen und Unesco-Chancen zu verspielen. Von Anette Frieling und Jens Voss

Die CDU drängt auf einen neuen Anlauf, die Museumshäuser Esters und Lange von Mies van der Rohe (1886-1969) auf der Vorschlagsliste für das Unesco-Weltkulturerbe zu platzieren. Der erste Anlauf ist gescheitert. Nach Einschätzung der Unteren Denkmalbehörde besteht aber weiterhin die Chance, über eine Sammelbewerbung mit anderen deutschen Mies-Städten irgendwann auf die "Tentativliste", also die Vorschlagsliste für Welterbe-Ernennungen der Unesco, zu kommen.

Zugleich warnt die CDU davor, Grundstücke in der Nachbarschaft zu den Häusern Lange / Esters zu verkaufen oder das Vorkaufsrecht der Stadt nicht zu nutzen. Die CDU fordert daher in einem Antrag für den heute tagenden Planungsausschuss, einen Bebauungsplan für den Bereich hinter und neben den Museen auf den Weg zu bringen. Dies ist einem Schreiben der Bockumer CDU-Ratsherren Manfred Läckes, Gregor Grosche, Gero Hattstein und Michael Zecha zu entnehmen.

Die Ratsherren beantragen darin, "dass ein Beschluss für die Aufstellung eines Bebauungsplans für die Flurstücke Nr. 108, 606, 607 und 608 sowie wenn notwendig 111 und 114 im Bereich der Wilhelmshofallee herbeigeführt wird". So soll sichergestellt werden, "dass die Bewerbung für die Häuser Lange und Esters zur Eintragung in das Unesco-Weltkulturerbe nicht gefährdet wird". Das Ziel der Eintragung als "bedeutende Bauten im Bauhausstil" sehe man bedroht, "wenn im hinteren Bereich der beiden Häuser Neubauten entstehen sollten, die nicht in Bezug zu der Eintragung in das Unesco-Weltkulturerbe stehen."

Läckes warf der Verwaltung gestern im RP-Gespräch vor, nicht von sich aus sensibel für dieses Thema zu sein; sie schaue nicht "über den Tellerrand hinaus". Konkret geht es um die Option, neben den Häusern Lange/Esters ein Gebäude mit Parkplatz für Besucher zu errichten. "Dieses Gebäude könnte eine Cafeteria und Toiletten beherbergen", erläuterte Läckes. Grund: Für Besucherandrang sind die Museumsvillen kaum gerüstet.

Auch Gerhard Hanisch von der Unteren Denkmalbehörde sieht dieses Problem. Er hat 2011 den ersten Unesco-Antrag für die Mies-Villen auf den Weg gebracht. "Vielleicht könnte man in einem solchen Gebäude auch eine Dauerausstellung zu Mies van der Rohe unterbringen", sagte er gestern auf Anfrage.

Zum Stand der Dinge in Sachen Kulturerbe: Hanisch hatte 2011 gegenüber dem NRW-Bauministerium vorgeschlagen, die Krefelder Mies-Villen für die deutsche Tentativliste vorzusehen. Das Ministerium hatte dies abgelehnt - Krefeld alleine sei zu wenig, hieß es. Allerdings gab das Ministerium den Hinweis, dass eine Art Sammelbewerbung mit anderen Mies-Städten möglich wäre, etwa mit der tschechischen Stadt Brünn und der Villa Tugendhat. Hanisch hatte daraufhin an den Bürgermeister von Brünn geschrieben und eine Kooperation vorgeschlagen - Antwort hat er nie bekommen.

Damit war eine wichtige Chance vertan. Wie eine Sprecherin der Deutschen Unesco-Kommission in Bonn gestern auf Anfrage erläuterte, wird die deutsche Tentativliste von der Kultusministerkonferenz (KMK) aufgrund der Vorschläge aus den Bundesländern zusammengestellt. Die letzte deutsche Tentativliste wurde 2014 an die Unesco weitergeleitet - ohne Mies. Diese Liste wird nun von Unesco-Experten geprüft. Erst wenn sie abgearbeitet ist, werden neue deutsche Vorschläge auf den Weg gebracht - das wird frühestens 2020 sein, eher später.

Hanisch hält es auch nach der Enttäuschung von Brünn für sinnvoll, dass sich mindestens die deutschen Städte mit bedeutenden Mies-Gebäuden für einen neuen Unesco-Anlauf zusammentun. Vorbild für eine solche Bewerbung könne der Architekt Le Corbusier (1887 - 1965). 17 seiner Bauten sind 2016 in einem Gemeinschaftsantrag von sieben Unesco-Mitgliedsstaaten zum Weltkulturerbe erklärt worden.

Nach der verpassten ersten Gelegenheit gibt es nun genug Zeit, eine Sammelbewerbung - ob auf nationaler oder internationaler Ebene - vorzubereiten. Vielleicht bequemt sich dann auch der Bürgermeister von Brünn zu einer Antwort.

Quelle: RP
 
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