| 00.00 Uhr

Krefeld
Mit dem Auto durch den Ärmelkanal

Krefeld. Konstrukteur Hans Trippel lebte für ein Auto, das auch schwimmen kann.

Der in Darmstadt geborene Hanns Trippel (1908 - 2001) war besessen von der Idee, Amphibienfahrzeuge zu bauen. Im Auftrag der Wehrmacht entwickelte Trippel Mitte der 1930-er Jahre einen Schwimm-Geländewagen. Mit dem SG6 genannten Prototypen fuhr er 1938 nach Neapel, setzte nach Capri über und durchfuhr spektakulär die Blaue Grotte. Im elsässischen Bugatti-Werk entstanden ab 1940 etwa 2500 SG6, die ab 1941 auch über Allradantrieb verfügten und von dem 2,5 Liter Sechszylinder-Motor des Opel Kapitän angetrieben wurden. Das bekannteste Schwimmfahrzeug des Krieges war jedoch der von Ferdinand Porsche auf bewährte Käfertechnik wie den 25 PS-Boxermotor setzende VW-Schwimm-Kübelwagen Typ 166.

Nach dem Krieg gewann Trippel den Industriellen Herbert Quandt für den Bau eines Schwimmwagens. Wie Trippel sah auch Quandt in den USA große Chancen für den Verkauf eines solchen Fahrzeugs. Nach der Vorstellung des "Alligator" genannten Prototyps auf dem Genfer Automobil-Salon begann im Jahr 1961 die Produktion des Amphicars im Lübecker Werk der Industriewerke Karlsruhe. Bei der Berliner Deutschen Waggon- und Maschinenfabrik wurde das Fahrzeug dann komplettiert. Die Dichtigkeitsprüfungen und Probefahrten erfolgten im Tegeler See.

Obwohl das im Wasser zwölf Stundenkilometer schnelle Amphicar mit zwei Franzosen an Bord in knapp sechs Stunden spektakulär den Ärmelkanal überquerte und ein Berliner Ehepaar mit dem Schwimmwagen vom italienischen Festland nach Elba geschippert war, wurde das Amphicar ein Flop, vor allem auf dem amerikanischen Markt, wo das pflegeaufwändige kleine Fahrzeug überhaupt nicht den Vorstellungen der Konsumenten entsprach. Geplant hatten Trippel und Quandt den Bau von 25.000 Einheiten. Nur ein Sechstel davon wurde gebaut, so dass 1963 die Produktion des Amphicar bei 3878 Fahrzeugen eingestellt wurde.

Ein amerikanischer Händler aus Santa Fé kaufte das Ersatzteillager und beliefert die Amphicar-Fans heute noch mit Original-Ersatzteilen. Mit 15.000 Euro ist dabei das Getriebe am teuersten. Im Berliner Amphicar-Verein gibt es einen eigenen Getriebewart, der die Mitglieder bei Reparaturen fachmännisch berät und die Optimierung der Getriebe überwacht.

(oes)
Diskussion
Ihre Meinung zum Thema ist gefragt

Schreiben Sie jetzt Ihre Meinung zu:

Krefeld: Mit dem Auto durch den Ärmelkanal


Beachten Sie dabei bitte unsere Regeln für Leserkommentare.