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Krefeld
Mit dem Kanu die Natur auf der Niers erleben

Krefeld. Wenn Heribert Tilkes in sein 5,40 Meter langes Kajak namens Orca steigt, die Spritzdecke schließt und das Doppelpaddel in die Hand nimmt, dann ist für den Fachübungsleiter des Kanuwanderclubs (KWC) Grefrath die Welt in Ordnung. Dann sitzt er nämlich in seinem liebsten Fortbewegungsmittel und genießt eine Tour auf dem Wasser. "Es ist einfach fantastisch, die Niers direkt vor der Haustüre zu haben und von den Anlegestellen lospaddeln zu können. Man erfährt Naturerlebnisse der besonderen Art", sagt Tilkes Von Bianca Treffer

Wenn vor einem der Eisvogel hochfliege, die Nutrias nahezu zutraulich am Wasserrand sitzen blieben, der Schwan einem mit skeptischen Blick mustere oder die Entenmutter mit dem Nachwuchs neben einem schwimme, dann seien das Erlebnisse, die man nicht vergesse, fügt er an. Tilkes liebt die Ruhe auf dem Wasser. Weg von Autolärm und Alltagsgeräuschen geht es über die Wasserstraße. Seine Lieblingsstrecke ist das Stück zwischen Wachtendonk und Geldern. Große Teile dieser rund 15 Kilometer langen Passage sind renaturiert. "Die Niers hat dort richtig Strömung. Man treibt regelrecht durch die Kurven. Es ist ein bisschen wie in einem Wildfluss", schwärmt der Neersener.

Aber auch die Natur bietet dem Kanufahrer eine Menge. Die Niers schlängelt sich in diesem Bereich abschnittsweise durch Wälder,in denen Vogelgezwitscher neben dem ruhigen Eintauchlauten des Paddels das einzige Geräusch ist, die ein Wassersportler hört. Direkte Wege führen nämlich nicht immer an der Niers vorbei, so dass der Paddler bisweilen das Gefühl hat, wirklich mitten in der Natur alleine zu sein.

Je nach Wasserstand und Höhe der Böschung fällt der Blick beim Paddeln auf die typische niederrheinische Landschaft. Die Wiesen mit ihren Kühen, mal eine Schafherde, die Pferde auf der Koppel, die bestellten Felder sowie nicht zuletzt die liebevoll restaurierten alten Bauernhäuser und Herrensitze, die es entlang der Niers noch gibt. "Wenn man einen Sonnenauf- oder Untergang auf der Niers erlebt, ist das schon einmalig. Das ist ein Erlebnis, das man nicht so schnell vergisst", bemerkt Tilkes. Die Niers ist zu jeder Jahreszeit befahrbar. Es gibt keine Beschränkungen, wie sie oftmals an anderen Flüssen zu finden sind. Einen genauen Überblick gibt der Gewässerführer für Nordrhein-Westfalen. Er zeigt Schwarz auf Weiß, wann und wo welche Abschnitte bestimmter Flüsse nicht befahren werden dürfen, was unter anderem auf das Brutgeschäft der Vögel zurückzuführen ist. An der Niers können je nach Abstand der Ein- und Ausstiegsstellen unterschiedlich lange Touren gefahren werden. Zwischen Süchteln und Oedt sind es fünf Kilometer, zwischen Oedt und Mühlendonker Mühle gut drei. Aber egal, wie kurz die Strecke auch ist, eine Schwimmweste sollte immer getragen werden. "Wenn Strömung da ist, kann schon ein 50 Zentimeter tiefer Fluss zu einem Gefahrenpool werden", weiß Tilkes aus Erfahrung.

Das Wasserwandern auf der Niers erfreut sich seit Jahren großer Beliebtheit, wobei es etliche Unternehmen gibt, die solche Touren in Canadiern, wie die schlanken Boote für bis zu vier Personen heißen, anbieten. Beim KWC Grefrath kann der Wassersportfreund das richtige Paddeln im Kanu lernen. Dazu gibt es in regelmäßigen Abständen Anfängerkurse, die mit dem europäischen Paddelpass abschließen. Zudem ist es jederzeit möglich, eine Schnupperstunde auf der Niers zu machen, um einmal auszuprobieren, ob der Kanusport etwas für einen ist. "Wer Spaß am Kanu fahren hat, sollte das schon richtig lernen", empfiehlt Tilkes.

Die Niers ist offiziell von der Einstiegsstelle in Süchteln aus befahrbar. Die letzte Station auf der deutschen Seite ist Kessel. Danach geht es in die Niederlande geht. Im Nachbarland kann weitergefahren werden und zwar bis zur Maas. Das sind von Süchteln aus stattliche 87 Kilometer - eine Strecke, für die ein Wassersportler locker zwei Tage braucht. In den Niederlanden muss er sich allerdings zwecks Weiterfahrt anmelden. "An der Grenze muss ein Kanu aufgrund der Krautfanganlage eh umgetragen werden. Dabei meldet man sich direkt an", informiert Kessel.

Übrigens, der Unterschied zwischen Kajaks und Kanadiern liegt am Paddel. Das Kajak wird mit dem Doppelpaddel und der Kanadier mit dem Stechpaddel gefahren. Beide laufen dabei unter dem Begriff Kanus. Glasfaser und PE sind die gängigen Materialien, aus denen die Boote gebaut werden. Doch egal in welchem Boot gefahren wird, wichtig ist immer, egal ob Anfänger oder Fortgeschrittener, der Gedanke des Umweltschutzes. "In der Natur sollte sich ein jeder vernünftig bewegen und achtsam mit ihr umgehen."

Quelle: RP
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