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Krefeld
Mit "Glu, glu" dem Schwips entgegen

Krefeld: Mit "Glu, glu" dem Schwips entgegen
Etliche Flaschen Schampus werden in der Operette "Die Fledermaus" geleert - hier eine Szene mit Sophie Witte und Michael Siemon. Trinklieder und Promille-Hymnen standen bei der Operngala im Mittelpunkt.
Krefeld. Die Operngala widmete sich dem Thema Trinklust - es wurde ein kurzweilige Revue unter dem Motto "Vivat Bacchus". Von Mojo Mendiola

Ein Brindisi - so konnte man am Samstag im Stadttheater lernen - ist ein Trinklied, auch wenn es eine Stadt gleichen Namens gibt. Und was sich im Fundus der Opern- und Operettenliteratur an Lobgesängen auf alkoholische Getränke, aber auch an Klagen über ihre Nebenwirkungen so angesammelt hat, damit könnte man ganze Spielpläne gestalten. Generalmusikdirektor Mikhel Kütson und sein Team stellten daraus das Repertoire für die diesjährige Operngala zusammen, und die trug folgerichtig den Titel "Vivat Bacchus". Dabei fing es ganz harmlos an.

Modest Mussorgsky schrieb die Ouvertüre zu seinem "Jahrmarkt von Sorotschinksky" in einer Zeit, als selbst trubelige Jahrmärkte noch etwas ganz unschrill Gemütliches hatten, und den Niederrheinischen Sinfonikern gelang dieser heiter-besinnliche Einstieg so leicht und licht, dass er einen Hauch von Frühling in einen der ersten kalten Abende dieses Winters zauberte.

Das lustige "Glu, glu, glu" aus Jacques Offenbachs "Hoffmans Erzählungen" eröffnete den Reigen der Arien, Duette und Ensemble-Darbietungen. Eva Maria Günschmann war die Solistin, die auch in der Seguidilla der Carmen von Georges Bizet erfreute. Ihre Kollegin Janet Bartolova gestaltete mit Michael Siemon das populäre Duett "Glücklich ist, wer vergisst" aus der "Fledermaus" von Johann Strauß und setzte ein echtes Highlight, als sie in einem Duett aus Giuseppe Verdis "Il Trovatore" neben dem naturgewaltigen Bariton von Johannes Schwärsky besser bestand als zuvor Michael Siemon und James Park, die beim Trinklied des Jago aus "Othello" ein wenig ins Hintertreffen gerieten. Rafael Bruck verkörperte den Hamlet und den Raimbaud in Kompositionen von Ambroise Thomas und Gioacchino Rossini. Debra Hayes überzeugte mit ihrem Schwips in der "Annenpolka" von Strauß - auch schauspielerisch, als sie Kütson einen kokett angedeuteten Klaps auf den Po gab. Andrew Nolan brillierte vor allem in der Arie des Ralph in Bizets "La Jolie fille de Perth". Hayk Dèinyan gab einen herrlichen Falstaff, komponiert von Otto Nicolai. Amelie Müller, James Park und Shinyoung Yeo begeisterten mit "Trink nur zu" aus Carl Millöckers "Bettelstudent". Und auch der Opernchor, manchmal nach Geschlechtern getrennt auftretend, soll nicht ungewürdigt bleiben. Den künstlerischen Höhepunkt des Abends setzte zweifellos Sophie Witte. Ihr Part in "Ne alcun ritorna..." aus Vincenzo Bellinis "I Capuleti E I Montecchi" war stimmlich und in der dramatischen Ausgestaltung schlicht zum Niederknien.

Generalintendant Michael Grosse blieb auch bei dieser Gala weder den Dank an "seine" Sponsoren Stadtsparkasse, Stadtwerke und Cargill schuldig, noch den Witz seiner Moderationen. Und auch die kamen wieder bestens an.

Quelle: RP
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