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Krefeld
Mit WenDo Mädchen stark machen

Krefeld: Mit WenDo Mädchen stark machen
Symbolischer Mauereinsturz: Auf den Kartons stehen Sprüche, die Mädchen sich anhören müssen, die sexuell bedrängt werden - von obszönen Beschimpfungen bis zu Einschüchterungen wie "Das bildest du dir nur ein", "Klar, so wie du rumläufst" oder "Erzähl das nicht weiter, denk an die Ehre deiner Familie". FOTO: Lammertz
Krefeld. Ein inklusives Projekt gegen sexuelle Gewalt hat Mädchen von der Förderschule bis zum Gymnasium zusammengebracht. Von Christine van Delden

"Wir sind wie wir sind!" unter diesem Motto steht die Mitmachausstellung, die in den Räumen der Bodelschwingh Schule an der Alten Flur präsentiert wird. Diese Ausstellung ist das Ergebnis eines Inklusionsprojektes, das von Mädchen und jungen Frauen mit und ohne Behinderung gestaltet wurde. Das Projekt wurde von der Frauenberatungsstelle Krefeld initiiert, von der Aktion Mensch finanziert und in Zusammenarbeit mit WenDo Rheinland entwickelt.

Nach einem halben Jahr regelmäßiger Treffen, gemeinsamen Selbstverteidigungstrainings, einem WenDo-Wochenende und zahlreichen Diskussionen, wurde die Mitmachausstellung von den Mädchen und jungen Frauen selbstgestaltet. "Das war ganz toll, dass wir alles gemeinsam gemacht haben", erzählt Melissa (13) von der Josef-Hafels-Hauptschule. Jule (12) und ihre beiden Freundinnen kommen vom Arndt-Gymnasium und bestätigten das: "Wir waren alle ein Team". Ja, räumen sie ein, anfangs sei die Begegnung mit Menschen mit Behinderung schon ein wenig ungewohnt gewesen, "aber es sind richtige Freundschaften entstanden", berichten die drei Mädchen übereinstimmend. Auf dem Kaffeebuffet steht eine Spardose: "Mit dem Geld, das wir einsammeln, wollen wir anschließend alle gemeinsam Eis essen gehen. Außerdem haben wir schon weitere Treffen ausgemacht". Lea (19) ist Schülerin der Bodelschwingh Schule und erklärt die verschiedenen Stationen der Mitmachausstellung. Sie zeigt eine Mülltonne: "Man kann die Beleidigungen, die einem gesagt worden sind, aufschreiben und den Zettel dann zerreißen und zerknüllen und in die Tonne drücken". Martina Kuschel, die WenDo-Trainerin und Mitinitiatorin der Ausstellung ergänzt: "Man hält es nicht für möglich, was einem von den Mädchen erzählt wird. - Umso schöner ist diese Ausstellung und zu sehen, wie viel Kraft in ihnen steckt". Als nächste Station zeigt Lea eine Wand aus aufeinandergestapelten Kartons, die mit Sprüchen beklebt sind wie "Was willst Du eigentlich?" oder "Jetzt übertreibt mal nicht so", "Stell Dich nicht so an" und "Du bist ja selbst schuld".

Lea durchbricht die Mauer mit einem kräftigen Fußtritt und erklärt: "Dahinter gibt es Hilfe". Antje Hunger, Lehrerin an der Bodelschwingh Schule fügt hinzu: "Es gilt für die Mädchen, die Mauer aus Sprüchen zu überwinden und zu durchbrechen. Auf der anderen Seite warten Hilfsangebote für sie - wie zum Beispiel die Frauenberatungsstelle". Neben einer Wohlfühlecke und einer Bastelstation, gibt es ein unter anderem noch ein Memoryspiel, dessen Bildpaare Mädchen einmal wütend und einmal fröhlich zeigen - die Botschaft lautet: "Wir wollen uns das Lächeln nicht nehmen lassen".

Die Lieblingsstation der Mädchen war einhellig die, an der man ein Brett mit der bloßen Hand durchschlagen konnte: "Ich hätte nicht gedacht, dass ich das schaffen kann". Das neue Selbstbewusstsein der Mädchen ist das positive Fazit, das Schulleiterin Elisabeth Völlings aus dem Projekt zieht: "Unser Ziel ist es, dass unsere Schüler lernen, Selbstvertrauen in die eigene Stärke zu entwickeln. Die eigene Stärke zu finden, geht nur im Spiegel der anderen. Es muss ganz klar sein, dass ein "Nein" ein "Nein" ist."

Quelle: RP
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