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Henny Freys
Mitbegründerin des Hospizes erzählt

Krefeld. Mit dem Ziel, Todkranke auch zu Hause zu begleiten, begann vor zwei Jahrzehnten in Krefeld die ambulante Hospizversorgung.

Westbezirk Anfang November hat der Bundestag das Gesetz zur Verbesserung der Hospiz- und Palliativversorgung beschlossen. In Krefeld hat die Begleitung Sterbenskranker und ihrer Angehörigen bereits eine 20-jährige Tradition. Von einer "Region mit Modellcharakter" sprach auch Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) anlässlich eines Besuches an der Hochschule Niederrhein. Erste Voraussetzungen dazu schaffte 1995 die damalige Zonta-Präsidentin Henny Freys mit der Gründung des "Hospiz-Förderverein-Krefeld e.V.". Der Verein schult Ehrenamtliche und folgt mit der Begleitung Sterbender bis heute dem Grundgedanken der Hospizbewegung: "Die Kranken sollen in ihrer letzten Lebensphase so lange wie möglich zu Hause bleiben können".

Was hat Sie 1995 zur Gründung des Fördervereins bewogen?

Freys 1994 war der alt-katholische Pfarrer Herbert Rogmann an mich herangetreten und vermittelte mir erstmalig das Gedankengut der Ärztin und Hospizbegründerin Cicely Saunders aus England. Daraufhin befasste ich mich intensiv mit dem Thema, besuchte Hospiz-Fördervereine in NRW und stellte fest, dass Krefeld ein weißer Fleck auf dieser Karte war. Das veranlasste mich zur Gründung des Hospiz-Fördervereins.

Wer waren Ihre Mitstreiter?

Freys Eine meiner Mitstreiterinnen war die Rechtsanwältin Irmgard Schacht, ebenfalls Mitglied des Krefelder Zonta-Clubs. Sie formulierte die Vereinssatzung. Für den 1. Vorstandsvorsitz konnte ich den ehemaligen Oberbürgermeister Willi Wahl gewinnen. Seine Nachfolge übernahmen Professor Dr. Klaus Becker und Professor Dr. Thomas Frieling, die beide dem derzeitigen Vorstand angehören. Schatzmeisterin ist Rechtsanwältin Nicole Grigat.

Wie gestalteten sich die Anfänge?

Freys Mit Hilfe zweier Benefizveranstaltungen des Zonta-Clubs Krefeld erlöste ich die Anschubfinanzierung für den Verein in Höhe von 40.000 D-Mark. Da diese Summe für den Betrieb eines stationären Hospizes noch nicht ausreichte, richteten wir unser Hauptaugenmerk auf die Schaffung eines kostenlosen ambulanten Hospiz-Besucherdienstes für Schwerstkranke. Hierfür wurden zunächst 20, und dann nach und nach 40 ehrenamtlich tätige Betreuerinnen gesucht und ausgebildet. Eine Koordinatorin war für die Erstgespräche, Einteilung und Organisation der Hausbesuche zuständig.

Was ist der Unterschied zwischen dem "Hospiz-Förderverein" und der "Hospiz-Stiftung"? Und wie arbeiten beide zusammen?

Freys Als Karin Meincke mit Hilfe der "Hospiz-Stiftung" fünf Jahre später das stationäre Hospiz am Blumenplatz gründete, konnte der Förderverein ihr 40 gut ausgebildete Betreuerinnen zur sofortigen Verfügung stellen. Ein Angebot, das sie dankbar annahm, da ein stationäres Hospiz ohne ambulante Betreuungsmöglichkeit nicht auf Anhieb hätte in Aktion treten können. Seither arbeiten Förderverein und Hospiz-Stiftung gedeihlich gemeinsam unter einem Dach. Der Förderverein ist verantwortlich für die Akquisition von Spendengeldern und die Verbreitung des Hospizgedankens; außerdem finanziert der Verein die Aufwandsentschädigungen für die ehrenamtlich tätigen Betreuer sowie die Supervision. Das stationäre Hospiz leistet die allumfassende Betreuung der Gäste und hat inzwischen auch die Koordinierung der ambulanten Einsätze übernommen.

Wie sehen Sie das Palliativnetzwerk in Krefeld?

Frys Es gilt über die Grenzen des linken Niederrheins hinaus für andere Städte als Vorreiter einer vorbildlichen Zusammenarbeit von ambulanter und stationärer Versorgung.

Ist die häusliche Pflege in Krefeld gewährleistet?

Freys Die Antwort ist Ja. Sowohl ambulant als auch stationär sind derzeit etwa 70 Ehrenamtliche tätig; zehn Männer und 60 Frauen. Viele der Frauen sind ausgebildete Krankenschwestern, einige kommen auch aus anderen Berufen. Alle haben an einer Spezialschulung teilgenommen, die in zwei jeweils halbjährigen, aufeinander aufbauenden Kursen erfolgt. Die Schulung endet mit einer Zertifizierung und einer Urkunde. Wenn Bedarf ist, findet eine Supervision statt.

Wie viele Betreute wurden in den 20 Jahren begleitet?

Freys Ambulant sind es etwa 40 Personen pro Jahr. Stationär waren es in den vergangenen zehn Jahren 1520 Personen.

Was wünschen Sie sich für die nächsten 20 Jahre fürs Palliativnetzwerk?

Freys Einen Abbau der bürokratischen Hemmnisse und eine ausreichende Finanzierung durch Kranken- und Pflegekassen. Außerdem würden wir uns freuen, wenn sich der Kreis unserer Mitstreiter noch vergrößern würde.

ANETTE FRIELING FÜHRTE DAS GESPRÄCH.

Quelle: RP
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