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Krefeld
Mobbing-Telefon: Viele Betroffene holen sich zu spät Rat und Hilfe

Krefeld. Die Mitarbeiter der Initiative "Mobbing-Telefon" raten Betroffenen, sich früh Hilfe zu holen. Oft ist "Mobbing" diffuser Begriff für Konflikte am Arbeitsplatz. Von Carola Puvogel

Tote Tiere, die in Büroschubladen versteckt werden, wichtige Unterlagen, die vom Schreibtisch verschwinden: Die Mitarbeiter der Telefon-Hotline "Mobbing am Arbeitsplatz" sind schon mit vielen völlig eskalierten Konfliktsituationen konfrontiert worden. Für Hilfe ist es dann häufig schon zu spät. "Wer am Arbeitsplatz gemobbt wird, sucht sich oft nicht rechtzeitig genug Unterstützung", sagt Ruth Hochgürtel. Seit 15 Jahren berät die Juristin ehrenamtlich Ratsuchende an der Mobbing-Hotline des Bistums Aachen, ist eine Mitarbeiterin der ersten Stunde. Rund 300 Menschen pro Jahr, Betroffene und Angehörige, holen sich unter der kostenlosen Nummer Hilfe und Ratschläge für die schwierige Situation am Arbeitsplatz.

Ein Hinweis, den Hochgürtel am Telefon regelmäßig gibt, überrascht: "Es ist nicht gut, zu sagen, 'Ich werde gemobbt'", erklärt sie. Denn wenn der Begriff Mobbing einmal gefallen ist, sei der Leidtragende sofort in einer Opferrolle und damit in der Defensive. "Und als Opfer in ein Gespräch zu gehen, ist nicht positiv."

Aus genau diesem Grund gibt es jetzt Überlegungen, das Mobbing-Telefon umzubenennen. "Es wäre besser, wenn mehr herausgestellt werden würde, dass es um Konflikte am Arbeitsplatz geht", bestätigt Werner Fleuren, ebenfalls ehrenamtlicher Mitarbeiter der Hilfs-Hotline. Denn dann würden Betroffene vielleicht auch schon früher anrufen, rechtzeitig genug, bevor vielleicht ein Wechsel der Arbeitsstelle die letzte Lösung ist.

Zweimal in der Woche, immer montags und donnerstags von 18 bis 20 Uhr, wird das Telefon von ehrenamtlichen Mitarbeitern betreut. Die telefonische Beratung sei natürlich immer nur ein erster Schritt. "Wir wollen herausfinden, was der Betroffene als Nächstes braucht: Juristische Hilfe, ärztliche Beratung, vielleicht eine Kur?"

Mit einem standardisierten Fragesystem versuchen die Hotline-Mitarbeiter Zusammenhänge zu erschließen und erste Hilfen zu geben. Ganz wichtig sei auch, ein Gespräch positiv zu beenden. Bei Bedarf werden auch persönliche Beratungstermine vermittelt, die in Krefeld im Arbeitslosenzentrum am Westwall stattfinden.

Die meisten Anrufer sind Angestellte. Typischerweise entstehen Konflikte bei Firmenfusionen, Jobwechseln oder wenn ein neuer Chef übernimmt. "Manchmal hilft wirklich nur der Wechsel des Arbeitsplatzes", sagt Hochgürtel. Ganz wichtig: "Im neuen Job sollte man auf keinen Fall sagen, dass man Mobbing-Opfer war. Das ist immer ein Stigma."

Das Mobbing-Telefon ist montags und donnerstags von 18 bis 20 Uhr unter der kostenlosen Nummer 0800 1820182 zu erreichen.

Quelle: RP
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