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Krefeld
Mode von 1900 aufwändig restauriert

Krefeld: Mode von 1900 aufwändig restauriert
Katja Wagner (links) und Verena Thiemann restaurieren Kleider des Jugendstils in der Werkstatt des Deutschen Textilmuseums. Auf dem Tisch liegt ein Halbtrauerkleid von 1894 - von einer Krefelderin gestiftet. FOTO: Thomas Lammertz
Krefeld. Ein schwarzes Hochzeitskleid und ein gestreiftes Halbtrauer-Kostüm sind in der Restaurierungswerkstatt des Deutschen Textilmuseums restauriert worden für die große Seidenausstellung. Diese besonders aufwändigen Arbeiten hat die Kulturstiftung der Sparkasse mit 16.000 Euro finanziert. Von Petra Diederichs

Der Ultraschallvernebler ist das technischste Hilfsmittel, mit dem Katja Wagner sich dem Seidenstoff genähert hat. In der Restaurierungswerkstatt des Deutschen Textilmuseums sind ein guter Blick, eine ruhige Hand, Einfallsreichtum, feinste Nadeln und kaum sichtbare Fäden die wichtigsten Utensilien. Hier werden Schäden, die Zeit und ungünstige Lagerung an Textilien aus früheren Jahrhunderten verursacht haben, beseitigt.

Der Ultraschallvernebler, ein unscheinbares Kästchen, sprüht hauchfeine Feuchtigkeit auf den empfindlichen Seidenstoff, in den sich Knicke und Falten eingestanzt haben. Doch oft ist auch der kaum sichtbare Nebel noch zu gefährlich für die empfindlichen Gewebe. Restauratorin Wagner hat für ein ziemlich zerdrücktes, gestreiftes Halbtrauerkleid ein eigenes System ausbaldowert. Kleine Plastikröllchen füllen die Dekor-Stoffschlingen aus, damit sie später wieder Stand haben. Und zum Glätten hat sie Feuchtkammern gebaut: Immer ein kleines Stück des zu glättenden Seidenstoffes spannt sie vorsichtig mit feinen Nadeln. "Jeder Einstich kann den Stoff beschädigen, da muss man sehr genau sehen, wohin man die Nadel steckt", sagt sie. Der Bereich wird mit einer Spezialfolie belegt, die Dampf, aber keine Wassertröpfchen durchlässt. Darauf kommt ein feuchtes Tuch, darüber wieder eine Folie, die beschwert wird. Und dann braucht es Zeit: Denn die Verdunstung erfolgt bei Raumtemperatur. Seide ist hochempfindlicher Stoff, wenn er über die Jahre trocken und brüchig geworden ist. Das Kostüm aus dem Jahr 1896 hat eine Krefelderin in Halbtrauer getragen, also in den Monaten nach dem Trauerjahr, als sie allmählich ins gesellschaftliche Leben zurückkehrte. "Man sieht an manchen Stellen, dass sie zu den schwarz-weißen Streifen wohl selbst einen helleren Braunton dazugefärbt hat", sagt Wagner. 80 Arbeitsstunden hat sie bisher in das Ensemble investiert, hat ausgerissene Nähte repariert, feine Risse mit Seide unterlegt. "Heute arbeiten Restauratoren so, dass alles reversibel ist, wenn der Erkenntnisstand sich ändert", sagt Wagner.

Zu den wichtigen Überlegungen, die auch Kollegin Verena Thiemann bei einem schwarzen Brautkleid von 1908 anstellte, gehört die Frage: "Welchen Stand wollen wir wiederherstellen". Denn die Kleider wurden oft mehrfach umgearbeitet. "Man wollte sie lange tragen", sagt Annette Schieck, Leiterin des Textilmuseums. Das Hochzeitskleid ist offenbar auch mal Ausgehkleid gewesen. An den Ärmelsäumen und den Ellbogen ist das Gewebe abgenutzt. "Das Fadensystem hat nachgegeben", sagt Thiemann. Sie vermutet: "Vielleicht ist das Kleid sogar mal an Altweiber getragen worden." Einige Flicken könnten das belegen. "Das gehört zur Geschichte des Kleides und muss erhalten werden."

Es gab auffällige Veränderungen nach jenem großen Tag im Herbst 1908: Die weißen Zierriegel auf der Brust, die zum weißen Schleier gepasst haben, sind verschwunden. Das Oberteil ist mit schwarzer Spitze ergänzt worden. "Das spricht dafür, dass die Trägerin nicht sehr wohlhabend war. Vielleicht ist das Kleid schon kurz nach der Trauung umgeschneidert worden, vielleicht später für einen Todesfall", sagt Annette Schieck. In der Ausstellung "Seide - Textile Pracht aus 200 Jahren" wird ab 6. März auch ein cremefarbenes Hochzeitskleid zu sehen von 1910, das im Schnitt wesentlich moderner war - und wohl nur einmal getragen worden ist.

Für die Ausstellung sind derzeit sieben Restauratorinnen beschäftigt, Die Arbeiten der Externen Thiemann und Wagner hätte das Museum allein nicht stemmen können, sagt Schieck. Die Kulturstiftung der Sparkasse Krefeld hat 16.000 Euro beigesteuert, inklusive zweier Vitrinen. Und: Die restaurierten Kleider werden nach der Ausstellung sorgsam in Seidenpapier gehüllt und in säurefreien Kartons gelagert.

Quelle: RP
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