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Krefeld
Modellprojekt "Gold - made in Krefeld"

Krefeld: Modellprojekt "Gold - made in Krefeld"
Zahlreiche Vertreter aus Krefelder Wirtschaftsunternehmen trafen sich gestern im Vereinsheim des Crefelder HTC zu Kurzgesprächen mit Krefelder Sporttalenten. FOTO: Lammertz, Thomas (lamm)
Krefeld. Der Stadtsportbund und der Verband "Zukunft durch Industrie" haben gestern Spitzensportler aus Krefeld zu einem Kennenlerntreffen eingeladen mit dem Ziel, Kooperationen einzugehen. Das Projekt gilt in Deutschland als neuartig. Von Thomas Lammertz (Fotos) und Oliver Schaulandt

Krefelds Stadtsportbund will künftig zwar nicht die Sportförderung durch Unternehmen neu erfinden, aber einen neuen Weg einschlagen, ihn zu gehen. Gestern war dazu die offizielle Auftaktveranstaltung im Vereinsheim des Crefelder HTC, mit der das Modellprojekt "Gold - made in Krefeld" in Gang gebracht werden soll. Dabei spielte der Stadtsportbund sozusagen den Kontaktvermittler zwischen Krefelder Nachwuchstalenten und der Wirtschaft - dieses Modell gilt in Deutschland als neuartig.

Zahlreiche Sportler aus Krefelder Clubs waren dazu geladen, darunter zum Beispiel die Wasserball-Nationalspielerinnen Claudia Kern, Claudia Blomenkamp, Belen Vosseberg und Ben Reibel (alle SV Bayer Uerdingen), die Ruderer Michaela Staelberg und Miriam Davids, die Hockeyspieler Mark Appel und Niklas Wellen oder auch Segler wie Lisa Panuschka. Sie trafen auf hochkarätige Vertreter aus der Krefelder Wirtschaft, der Agentur für Arbeit und der Hochschule Niederrhein und knüpften so erste Kontakte zu möglichen Wegbereitern, die ihnen helfen sollen, ihren Sport mit zum Beispiel in Verbindung mit einer Ausbildung, zumindest aber mit einer finanziellen Verbesserung ausüben zu können.

Die beiden Eiskunstläuferinnen Nicole Heger und Carlota Bustos Knoblich informierten sich über Ausbildungsplätze. FOTO: Lammertz, Thomas (lamm)

Zwar erfahren die meisten Sportler durch ihre Vereine, das eigene Elternhaus oder über die Deutsche Sporthilfe Unterstützung. Letztere orientiert sich aber an Spitzenplatzierungen - in erster Linie bei Welt-, aber auch bei Europameisterschaften und ausgesuchten Top-Ereignissen (zu denen es viele der eingeladenen Krefelder Sportlern es noch hin bringen müssen). Vereinfacht dargestellt sieht die Förderung durch die Sporthilfe so aus: Sie reicht von 400 Euro im Monat (für Athleten mit WM-Platzierungen von Rang vier bis sechs) über 500 Euro (WM-Dritter), 600 Euro (WM-Zweiter) bis 800 Euro (Weltmeister) - im Monat wohlgemerkt. Unabhängig vom aktuellen sportlichen Leistungsvermögen stehen allen geförderten Kaderangehörigen klassische Elemente zu Verfügung, die eine duale Karriere absichern: Auszubildende und Studenten erhalten bis zu 300 Euro monatlich zusätzlich. Zur dualen Karriereabsicherung gehören eine bedarfsorientierte individuelle Förderung sowie Ersatz von Verdienstausfall, Maßnahmen zur Berufsorientierung, Nachhilfe, Schulgutachten oder Bewerbertrainings. Um davon leben zu können, reicht dies aber häufig nicht aus, ohne weitere finanzielle Unterstützung zu erhalten. Ziel des Krefelder Projektes sei, die Bereiche Wirtschaft und Sport enger miteinander zu verbinden, sagt der neue Geschäftsführer des Krefelder Stadtsportbundes, Jens Sattler. "Das traditionelle Verhältnis "Unternehmen sponsert Sportverein" bzw. "Sportverein fördert das Unternehmensimage" funktioniert in Krefeld immer weniger", sagt Sattler, der gemeinsam mit weiteren Mitgliedern aus dem Kernteam des so genannten Krefelder Sportdialogs sich dem Thema "Förderung von Spitzensportlern" verstärkt angenommen hat. "Ein Grund dafür ist, dass (Spitzen-) Sport und Wirtschaft bislang weitgehend isoliert voneinander betrachtet werden, eine Nutzendiskussion füreinander ist wenig ausgeprägt." Stattdessen überwiege die Ausrichtung auf einzelne Maßnahmen ohne Nachahmeffekt und Breitenwirkung. Dabei gebe es gemeinsame Ziele. "Unternehmen und Sportvereine sind - heute noch unabhängig voneinander - auf der Suche nach talentierten Nachwuchskräften. Hier werden Synergien nicht genutzt, denn der Spitzensportler von heute ist oft der Spitzenmitarbeiter von morgen", sagt Sattler.

Geht es nach ihm, dann soll diese Veranstaltung keine Eintagsfliege werden, im Gegenteil. "Wir wollen die Unternehmen und die Sportler nicht allein lassen und werden im Nachgang zur Veranstaltung die Position eines Kümmerers einrichten. Der zentrale Kümmerer ist Koordinator des Spitzensports in Krefeld. Dessen wesentliche Aufgabe ist, spitzensportrelevante Bedarfe zu kanalisieren und passende Unterstützer zu finden, um daraus konkrete Hilfsmaßnahmen abzuleiten bzw. für bestehende Kooperationen als Ansprechpartner da zu sein", erläutert der Geschäftsführer.

Quelle: RP
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