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Rp-Aktion Krefelder Künstler -Die Andere Weihnachtskarte
Monika Nelles, die Sinnsucherin

Rp-Aktion Krefelder Künstler -Die Andere Weihnachtskarte: Monika Nelles, die Sinnsucherin
Monika Nelles in ihrem Atelier in Uerdingen. FOTO: T. Lammertz
Krefeld. In einer kleinen Edition hat die Rheinische Post Kunstpostkarten mit Krefelder Künstlern aufgelegt. Monika Nelles will mit Fotografien an den Kern von Weihnachten rühren - jenseits der Rührseligkeit. Von Petra Diederichs

Wenn die Einkaufsstraßen sich mit Lichterglanz füllen, die Menschen ihre Häuser und Wohnungen festlich schmücken, Adventslieder singen, und auch die Werbung nur noch vor Freude, Harmonie und glücklichem Zusammensein strotzt, dann kann sich niemand entziehen. "Feiern und Genießen gehören zur Vorweihnachtszeit. Aber man sollte ruhig auch den eigentlichen Kern in Erinnerung bringen", sagt Monika Nelles. Die Künstlerin gestaltet seit Jahren Weihnachtskarten, die mehr wünschen als reichliche Geschenke, Schnee und Party. "Weihnachten ist neben Ostern und Pfingsten eines der wichtigsten christlichen Feste. Es gehört zu unserer Kultur. Und es hat eine Bedeutung: Ein Kind kommt auf die Welt. Das heißt: Etwas neues beginnt, damit ist Hoffnung verknüpft und Vorfreude. Weihnachten ist der Beginn der Zeitrechnung." Ein Moment zum Innehalten, zur Bestandsaufnahme auch im eigenen, ganz privaten Leben. "Ob wir gläubig sind oder nicht: Wir wissen, warum Weihnachten gefeiert wird. Wir werden emotional und beschenken einander. Das ist sehr gut. Aber wenn wir uns nur mit Verpackungen beschäftigen und den Inhalt außer Acht lassen, dann fehlt etwas", sagt sie.

Mit diesen Eindrücken ist sie nicht allein. Doch in der zeitgenössischen Kunst ist Weihnachten kein großes Thema. Im Gegensatz zu früheren Zeiten: Die glanzvollen Gemälde-Krippenszenen aus dem 15. Jahrhundert, die Marien- und Engelsdarstellungen, bei denen die Künstler früherer Epochen nicht an Blattgold gespart haben, aber auch kritische Auseinandersetzungen wie Max Ernst ("Die Jungfrau züchtigt das Jesuskind", 1926), Kippenberger oder Beuys. "Sie haben alle eine Position dazu gefunden. Das fehlt heute."

Reduktion auf das Wesentliche ist Monika Nelles wichtig. Beim Kirchentag in Dresden hat sie 2011 einen "Brottisch" präsentiert, der ihre Denk- und Arbeitsprozesse auf den Punkt bringt: Einen alten dunklen Holztisch hatte Nelles mit einem blütenweißen und gestärkten Tuch gedeckt, die altbacken-scharfen Bügelfalten symbolisierten die Tradition, versprachen Reinheit und Festtafelcharakter. Doch jeder Anflug von Tümelei verbietet sich hier, wie bei den anderen Arbeiten von Monika Nelles. Denn "reich gedeckt" (so der Untertitel) war der Tisch mit Erde aus dem Dresdener Stadtteil Hellerau. Hellerau war einst als Gartenstadt konzipiert worden und ist heute Standort des Europäischen Zentrums der Künste. Darauf legt die Künstlerin ebenso viel Wert, wie auf die Tatsache, dass es ungereinigte Ackererde sein sollte: "Ruhig mit Würmern darin." Wegen der Sinnbildlichkeit.

Klar in ihrer Bildsprache, aber dennoch mit Möglichkeiten, ungezählte eigene Gedanken in Gang zu setzen, sind auch die beiden Postkarten, die die Künstlerin für die jetzige Edition gestaltet hat: das "Christkind" mit dem (abwaschbaren) Tattoo und die etwas mitgenommene Christrose mit den Wünschen auf Pappkarton. Der Bruch mit den Erwartungen, die auf Traditionen und Gewohnheiten fußen, reizt Nelles als Künstlerin. Sie ist 1949 in Gelsenkirchen geboren, hat Kunst fürs Lehramt studiert und unter anderem Lehraufträge an der Universität für Bildende Künste in Berlin und an der Mercator Universität Duisburg gehabt. Seit 1989 stellt sie regelmäßig aus. Und wenn Betrachter ihrer Werke dann Fragen haben, hat sie ihr Ziel halbwegs erreicht. "Literatur hilft uns manchmal, die Welt besser zu verstehen. Und mitunter gelingt das auch durch die Kunst." Oder durch Weihnachtspost: "Die ist doch mit das Schönste: Sie zeigt, wer mit wem verbunden ist. Weihnachten ist auch der Punkt im Jahr, wo man Kontakte verstärken oder wieder aufnehmen kann."

Quelle: RP
 
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