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Krefeld
Musikalische Wuchtbrumme aus Wuppertal

Krefeld: Musikalische Wuchtbrumme aus Wuppertal
Brenda Boykin schmolz mit ihrer schmachtenden Zeile "I feel so bad..." alles ein, was noch nicht Sidetemperatur erreicht hatte. FOTO: samla.de
Krefeld. Brenda Boykin begeistert beim Jazzkeller Summertime Open Air das zahlreich erschienene Publikum auf der Lohstraße. Von Mojo Mendiola

Das erste Open Air des Jazzkellers in diesem Sommer hatte noch wegen Regens im Keller selbst stattfinden müssen. Um so größer waren Vorfreude und Andrang am Samstag, als das Publikum Brenda Boykin & Friends tatsächlich im temporären Biergarten auf der Lohstraße genießen durfte. Brenda Boykin, die musikalische Wuchtbrumme aus Oakland, Kalifornien mit Wohnsitz in Wuppertal, eroberte schon vor mehr als zehn Jahren die Herzen der Krefelder mit ihrem swingenden Auftritt in Woody Allens "Sweet And Lowdown" am Stadttheater. Seitdem pflegt sie die Freundschaft mit regelmäßigen Gastspielen.

Wie schon oft, saß auch diesmal Andy Pilger, der "funkiest drummer" weit und breit, am Schlagzeug ihrer Session-Combo, und die eröffnete instrumental mit einem nahezu lyrisch ausdifferenzierten Slow Funk. Dann stieg Brenda Boykin im Midtempo ein und sang mit tiefer, gutturaler Stimme frei nach Elvis Presley "Stay Off My Blue Suede Shoes". Schon hatte sie das Publikum in der Tasche. Gitarrist Detlef Höller erinnerte mit seinem soul-getränkten Blues-Stil immer mal wieder wohlig an Robert Cray, und Tastenmeister Heinz Hox changierte virtuos zwischen ebenfalls stax-tauglichem Hammond-Orgel-Sound und Fender Rhodes-Tönen nach West Coast-Art. "Wir sind nicht kindisch, aber hier wird alles kindlich gejammt", verkündete Boykin, sollte heißen: Wir haben unsere Stücke nicht wirklich einstudiert, sondern improvisieren mit unverdorbener Freude am Versuch. Und das gelang dieser Band trefflich.

Rund 650 Gäste zählten die Veranstalter beim Open Air Konzert im temporären Biergarten auf der Lohstraße. FOTO: samla.de

Eine knappe Instruktion der Chefin, und schon legte die Band eine "funky New Orleans Rumba" hin, die sich gewaschen hatte, und Brenda schmolz mit ihrer schmachtenden Zeile "I feel so bad..." alles ein, was noch nicht Sidetemperatur erreicht hatte. Als sie Phillip Bardenberg ein Bass-Solo zuwies, bewies der, dass er notfalls allein eine ganze Rhythm Section ersetzen und auf dem Griffbrett seines Fünfsaiters sogar mit einer Nähmaschine um die Wette rattern konnte - auch über längere Distanzen.

Mit "Spirit, I Love You So" zelebrierte die Sängerin eine balladeske Andacht aus eigener Feder, in der Höllers Gitarre einen Hauch von Santana verbreitete, und in einem "Frei erfundenen Funk" ließ Boykin textlich Jack & Jill und Humpty Dumpty in surrealen Szenen auftreten. Michael Hügel setzte mit feurigen Saxophon-Soli immer wieder herrliche Akzente.

Inzwischen vollbrachte das Service-Team des Jazzkellers die Glanzleistung, rund 500 Gäste, die teils sitzend, großenteils aber auch dicht gedrängt stehend das Konzert verfolgten, mit Getränken zu versorgen. Mit Durchlauf dürften sich wohl gut und gerne 650 Menschen am Open Air Event auf der Lohstraße erfreut haben. Mit dem Soul-Klassiker "Stand By Me" heimste die Band zu Beginn ihres zweiten Sets gleich wieder einen Super-Applaus ein, wenig später glänzte Gastmusiker "Ketzer, der Voxmann" in einem Down Home Blues Chicago Style mit seiner Mundharmonika, und ein Ausflug in den Bossa Nova sorgte zusätzlich für Abwechslung.

Das Publikum zeigte sich begeistert, und auch, nachdem die Musiker ihre Instrumente eingepackt hatten, genoss man noch lange das Piazza-Feeling.

Quelle: RP
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