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Rp-Serie Krefelder Märtyrer
Mutiger Jesuit predigte im KZ weiter

Krefeld. Am 18. Juli 1942 ist Pater Werner Barkholt nach vielen Jahren Haft im Nazi-Konzentrationslager Dachau gestorben. Der Krefelder war für seine Mitgefangenen und Freunde eine Quelle der intellektuellen und religiösen Inspiration. Von Henning Rasche

40 Jahre alt ist Werner Barkholt geworden, dann war sein Leben vorbei. Es war ihm am Ende nicht mehr viel davon übrig geblieben. Nicht viel von seiner Gesundheit, nicht viel von seiner Freude und nichts von seiner Freiheit. Nur sein Glaube war ungebrochen. Unerschütterlich ermunterte er seine Begleiter zum Beten und inspirierte sie durch Abendvorträge und Ansprachen. Doch Barkholts Herz war schwach geworden, er konnte nicht mehr.

Der Jesuit Werner Barkholt ist einer der sechs Krefelder Märtyrer, an die ab Sonntag, 10. Januar, eine Ausstellung im Gemeindeheim St. Hubertus am Hohendyk 130 erinnert. Barkholt war Priester in Frankfurt, Essen, Bonn und am Ende seines Weges auch in Rhede. Er gehörte zur Pfarrgemeinde St. Martin in Krefeld, wo er nach seiner Geburt am 25. Mai 1902 aufgewachsen ist. Schon zu Beginn seiner Seelsorgearbeit geriet er in Konflikt mit dem Nazi-Regime. Immer wieder predigte er gegen die unmenschliche Ideologie der Nazis an. Das kostete ihn das Leben.

Als Sohn eines Kaufmanns wächst Barkholt in Krefeld auf, macht sein Abitur und tritt im Alter von 20 Jahren dem Jesuitenorden bei. Sein Studium gerät etwas in den Hintergrund, der junge Werner hat eher eine Veranlagung für die praktische Seelsorge. 1933 wird Barkholt in Münster zum Priester geweiht, kurz darauf arbeitet er als Vikar in Frankfurt. Drei Jahre später zieht es ihn zurück nach Nordrhein-Westfalen - in Essen wird er Kaplan der St. Ignatius-Gemeinde.

Bei einer Fastenpredigt in Gelsenkirchen-Buer ruft Pater Werner Barkholt zum entschlossenen Kampf gegen die Parole von der "Entchristlichung des deutschen Volkes" auf. Die Katholiken müssten den Kampf mit Hilfe des Gebets bestehen, ermahnt er die Gemeinde. Die Nazis hören mit. Ein Sondergericht in Dortmund verurteilt den Priester später zu zehn Monaten Gefängnis. Ihm wird vorgeworfen, das "Vertrauen des Volkes zur politischen Führung zu untergraben".

Doch gerade als er wieder auf freiem Fuße ist, nimmt ihn die "Gestapo" erneut fest und verschleppt Barkholt im August 1941 ins Konzentrationslager Dachau. Kurz darauf schreibt er: "Bei klarem Wetter sehe ich die Zugspitze und die anderen herrlichen Alpenberge. Ich wiege 65 Kilo, also genug. Ein großer Trost ist für mich die tägliche heilige Messe und Andacht." Während seiner Zeit im KZ geht es Werner Barkholt immer schlechter. Er hungert, verliert mehr und mehr an Körpergewicht, weshalb seine Herzschwäche immer offener zutage tritt.

Dennoch bleibt er für seine Mitgefangenen eine Quelle der intellektuellen und religiösen Inspiration. Fast täglich hält Barkholt Vorträge und verbreitet fruchtbare Gedanken. Jesuitenpater Otto Pies, der mit ihm in Dachau gefangen war, schrieb über seinen Freund: "Sogar als wir durch die Arbeit und den Hunger schwerstens litten und viele sich kaum auf den Beinen halten konnten und zu geistiger Arbeit keine Kraft mehr fanden, hat uns Pater Barkholt immer wieder den einen oder anderen feinen Vortrag geschenkt." Er sei reich an Gedanken, feiner Beobachtung und tiefem Verstehen des modernen Menschen und seiner Seele gewesen.

Am 18. Juli 1942 hat Pater Werner Barkholt den Kampf um sein Leben im KZ Dachau verloren. Er war zusehends schwächer geworden; mit einem stillen Lächeln ist er eingeschlafen.

Quelle: RP
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