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Krefeld
Nach 40 Jahren erstmals wieder "Lohengrin"

Krefeld: Nach 40 Jahren erstmals wieder "Lohengrin"
Kairschan Scholdybajew als Riccardo und hinterm Vorhang Janet Bartolova als Amelia in "Ein Maskenball". Die Krefelder Premiere ist am 14. Januar 2017. FOTO: Matthias Stutte
Krefeld. Etwa 245.000 Zuschauer hatte das Theater in dieser Saison. Die nächste Spielzeit wird zeitgeistig, politisch - und klassisch. Von Petra Diederichs

Eine Menge vorgenommen haben sich Theaterintendant Michael Grosse und sein Team für die kommende Spielzeit: Allein im Schauspiel gibt es 23 Produktionen, darunter acht neue. Gestern Abend stellten sie dem Aufsichtsrat den Spielplan für 2016/17 vor. "Zeitgenossenschaft", so Grosse, zieht sich als roter Faden durch das nächste Theaterjahr. "Wir wollen auf der Höhe der Zeit agieren, uns mit aktuellen Themen auseinandersetzen." Deshalb wird es eine Fortsetzung von "Kein schöner Land geben", das in dieser Spielzeit am 28. Mai Premiere hat. "Wir werden die politisch-gesellschaftliche Situation in Deutschland reflektieren. Die Flüchtlinge werden unser Leben hier über lange Zeit modifizieren." Eine Handvoll weiterer Uraufführungen und Deutschlandpremieren gibt es ebenfalls, viele Experimente und sogar das Wagnis Wagner: Nach 40 Jahren steht im nächsten Frühjahr wieder ein Lohengrin auf der Krefelder Bühne. Für dieses Großprojekt wird der Theaterchor nicht nur mit dem Extra-Chor, sondern auch mit weiteren Profisängern aufgestockt. "Lohengrin" ist Chefsache, deshalb liegt die musikalische Leitung bei Generalmusikdirektor Mihkel Kütson. Das Regieteam indes steht noch nicht fest. "Eine geplante Kooperation mit einem anderen Theater hat sich zerschlagen", sagt Operndirektor Andreas Wendholz. Trotzdem hält das Gemeinschaftstheater an Wagner fest. Der Mut zu künstlerischen Entscheidungen muss belohnt werden. In der laufenden Spielzeit rechnet Grosse wieder mit etwa 245.000 Zuschauern, knapp 124.000 davon in Krefeld. "Wir haben eine durchschnittliche Auslastung von 80 Prozent gesamt, etwa 76 Prozent in Mönchengladbach und 86 Prozent in Krefeld", rechnet der Intendant. Und: "Die Preise bleiben stabil. Erst ab 2018/19 wird es eine Anpassung geben."

Das Theater packt heiße Eisen an. Um Migration wird sich auch das Theaterexperiment "Phantom" drehen. Die armenische Theaterregisseurin Zara Antonyan wird als Uraufführung "Eine Schiffsladung Nelken für Hrant Dink" in die Fabrik Heeder bringen, ein Stück, das sich mit dem armenischen Trauma, dem Völkermord von 1915, auseinandersetzt und von Hrant Dink erzählt, einem Journalisten, Armenier und türkischen Staatsbürger, der 2007 von türkischen Nationalisten erschossen wurde. David Grossmanns Bestsellerroman "Eine Frau flieht vor einer Nachricht" ist nur ein einziges Mal in Tel Aviv aufgeführt worden. "Es ist ein Glückstreffer, das Dedi Baron herkommt", sagt Schauspieldirektor Matthias Gehrt. Baron zählt zu den großen Theaterregisseurinnen in Tel Aviv. Sie ist Israelpatriotin, gehört aber auch zu den wichtigen kritischen Stimmen im Land.

Großen klassischen Themen nähert sich das Theater auf unkonventionelle Weise. Der berühmte polnische Filmregisseur Andrzej Wajda hat eine knappe, auf drei Figuren konzentrierte Fassung von Dostojewskis Romanwälzer "Schuld und Sühne" geschrieben, die auf die Bühne kommt. Und im Musiktheater wird "Ein Maskenball" vom historischen schwedischen Königshof ins Weiße Haus verlegt - Erinnerungen an John F. Kennedy sind beabsichtigt. Eine weitere Tradition wird gebrochen: "Cavalleria rusticana", das üblicherweise mit dem "Bajazzo" zum Opernabend kombiniert wird, soll hier mit Gianni Schicchi ergänzt werden - eine Paraderolle für den Bariton Johannes Schwärsky.

Robert North verknüpft für seine Choreografie "Teufelskreis" Musik von Wagner und Sibelius mit Klängen von Michael Jackson und den Einstürzenden Neubauten. Es ist eine ironische Geschichte einer Familie, die vom Teufel bedroht wird. "man weiß nicht, woher er kommt, aus dem Fernseher, aus dem Computer oder aus den Clouds", sagt Norths Assistentin Sheri Cook.

Die Spielplanhefte gibt es ab der ersten Maiwoche. Vorab sind sie an der Kasse einsehbar oder unter www.theater-kr-mg.de

Quelle: RP
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