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Krefeld
Nach Olympia ist vor dem nächsten Buch

Krefeld: Nach Olympia ist vor dem nächsten Buch
Martin Hyun mit den olympischen Ringen. Der Krefelder war als Organisator an den Winterspielen in Südkorea beteiligt. Aus seinen Erfahrungen entsteht ein Buch, das im Oktober erscheinen soll. FOTO: MH
Krefeld. Der Krefelder Martin Hyun hat die Erlebnisse seines dreijährigen Aufenthaltes in Pyeongchang humorvoll verarbeitet. Von Frank Langen

Für die deutschen Eishockeyspieler ist Pyeongchang mit dem größten Erfolg ihrer Geschichte verbunden: Bei den Olympischen Winterspielen holten sie Silber. Besser hätte es auch für Martin Hyun kaum kommen können. In Südkorea war er jetzt als Organisator dabei - und weil er inzwischen auch Autor ist, hat er die Erlebnisse seines dreijährigen Aufenthalts niedergeschrieben. "Gebrauchsanweisung für Südkorea" lautet der Arbeitstitel. Im Oktober soll das Buch erscheinen.

"Ich bin der deutschen Mannschaft sehr dankbar für das wundervolle Ende. Besser hätte ich es nicht schreiben können", schwärmt der 38-Jährige vom Finale - trotz der Niederlage gegen das russische Team. Der Krefelder war 2004 der erste koreanisch-stämmige Eishockeyspieler in der Deutschen Eishockey Liga.

Die Karriere in der Profiliga beim KEV hielt aber nicht lange an. Nach dem Studium im Fach Politikwissenschaften zog es ihn beruflich nach Berlin. Vor drei Jahren war er dem Ruf des koreanischen Organisationskomitees gefolgt, für die Olympischen Winterspiele 2018 als Direktor im Bereich Eishockey und Sledge-Eishockey für die Olympischen und Paralympischen Winterspiele zu arbeiten.

"Natürlich gab es im Vorfeld viele Zweifel, ob ein nicht-klassisches Eishockeyland wie Korea in der Lage ist, so ein Turnier auf Weltniveau zu organisieren. Es gab in der Vergangenheit auch keinen Grund dazu, sowas in Korea auszutragen", sagt Hyun. Doch er vertraute auf die koreanische "Wir können das"-Mentalität. Und so gelang es dem Team, innerhalb von drei Jahren eine Infrastruktur aufzubauen und die Voraussetzung für ein solches A-Turnier zu schaffen.

"Wir haben es allen Zweiflern gezeigt, nur halt auf koreanischer Art und Weise", erklärt Hyun. Dabei half auch das Netzwerk an ehemaligen Mannschaftskollegen und Freunden, die mit ihrem Wissen weiterhalfen. Selbst von der NHL und NHLPA standen ihm Helfer mit Rat und Tat zur Seite, obwohl deren Spieler nicht in Pyeongchang dabei waren.

In "Gebrauchsanweisung für Südkorea" gibt der Autor einen persönlichen Eindruck und Einblicke in Brauchtum, Traditionen und Ratschläge zum Heimatland seiner Eltern, damit bei einem Besuch auch für den Touristen alles reibungslos verläuft. So wird über den "koreanischen Dreikampf" berichtet, der da lautet "essen, trinken, singen" und über den geschäftliche Verbindungen und Freundschaften entstehen.

"In Korea ist es üblich, dass die Kollegen nach der Arbeit etwas trinken gehen. In Deutschland ist es okay, wenn du absagst. Aber in Korea ist es wichtig, mitzugehen, wenn du dazugehören möchtest. Sonst wirst du schnell zum Außenseiter. Und solche Abende gibt es eigentlich fast jede Woche. Man fängt in einem Restaurant an, geht danach in die Kneipe und endet wohl möglich in einer Karaoke-Bar", schwelgt Hyun in Erinnerungen.

Doch auch seine Erfahrung als olympischer Fackelträger, die Einladung vom südkoreanischen Präsidenten Moon Jae-in ins Blaue Haus zum Mittagessen oder wie er den historischen Puck terkoreanischen Frauen-Eishockeymannschaft gesichert hat, werden in dem Buch auf humorvolle Weise von Hyun verarbeitet.

Es ist nicht Hyuns erstes Buch. Sein Debütwerk "Lautlos ja, sprachlos nein: Grenzgänger zwischen Deutschland und Korea" erschien 2008 und setzte sich mit dem Schicksal seiner Landsleute auseinander. Auch sein zweites Buch "Ohne Fleiß keinen Reis: Wie ich ein guter Deutscher wurde" befasst sich mit dem Thema Integration auf witzige Weise.

Nach den Paralympischen Winterspielen ist Hyun wieder zurück nach Berlin gereist, wo neue Aufgaben auf ihn warten. Und vielleicht plant er schon wieder für ein weiteres Buch.

Quelle: RP
 
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