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Krefeld
Neu im Museum: Eine grausige Lynchszene

Krefeld. Es ist die jüngste Neuerwerbung der Krefelder Kunstmuseen, ein Bild, das nach Einschätzung von Museumsdirektor Martin Hentschel "MoMA"-Niveau hat: "The Lynching of Mary Turner" von Fabian Marcaccio. Über den Preis herrscht Schweigen, erworben wurde es mit Unterstützung des Hamburger Kunstfreundes Edmund Knab. Es ist neben Marcaccios "Eric & Dylan", das das Massaker an der Columbine High School thematisiert, das zweite Großformat des in New York lebenden Künstlers.

In plakativen Farben, mit Silikon und Seil setzt der 52-Jährige seine Wahrnehmungen von Politik, Zeitgeschehen und Katastrophen in dreidimensionalen Bildern um, die in genau dem Maße verstören, wie der Betrachter es zulässt: Wer direkt vor dem Bild steht, nimmt Strukturen und Farben wahr, das Motiv erkennt man erst aus einem gewissen Abstand. Wer sich dann über die Hintergründe informiert, bekommt Gänsehaut: Am 19. Mai 1918 wurde in der Nähe von Valdosta, Georgia, die 21-jährige Afroamerikanerin Mary Turner, im achten Monat schwanger, von einem weißen Mob kopfüber an einem Baum aufgehängt, mit Benzin und Motoröl übergossen und angezündet. Das ungeborene Kind schnitt man ihr aus dem Leib, ließ es auf den Boden fallen und trampelte es tot. "Das ist bis heute einer der schlimmsten Exzesse in der Geschichte des US-amerikanischen Rassismus", sagt Hentschel. "Das Bild, das die Einzelheiten der Lynchszene bühnenartig zusammenspannt, gehört zur Serie Some USA Stories, in der Marcaccio seit 2011 die dunklen Seiten der amerikanischen Geschichte aufarbeitet." Ein Bild, das einen nicht loslässt, das sich einfräst. Die Seile, die Marcaccio als Kunstmittel einsetzt, fesseln den Blick und zwingen zum Hinsehen auf die Katastrophe.

(ped)
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