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Krefeld
Neu in Krefeld: Mentor, die Leselernhelfer

Krefeld. Am Dienstag treffen sich Ehrenamtler, um einen neuen Verein zu gründen. Die Mentoren begleiten Kinder beim Lesen. Von Bärbel Kleinelsen

Lesen macht Spaß. Aber nur dann, wenn man es kann und die Ruhe dazu hat. Für immer mehr Kinder in Krefeld ist Lesen jedoch ein Problem. Das merken schon die Grundschullehrer, wenn sie versuchen, ihre Schüler zum Schmökern zu motivieren. Vor allem Jungen sind häufig Lesemuffel.

"Es gibt viele Gründe, warum Kinder nicht lesen. Manchen fehlt schlicht die Zeit, andere finden es zu anstrengend, wieder andere kennen von zu Hause gar keine Bücher. Leselernhelfer wollen einen kleinen Beitrag leisten, Lesen wieder attraktiv zu machen", erklärt Heinz-Gerd Stroecks, Repräsentant der Sparda-Bank West, die das Projekt unterstützt.

Bei der ersten Info-Veranstaltung in der Mediothek meldeten sich bereits 35 Interessierte, die bereit sind, Lesepate für Schulkinder zu werden. 13 Krefelder Grundschulen wollen mitmachen. Jetzt steht am morgigen Dienstag die Vereinsgründung an. Ebenfalls in der Mediothek treffen sich die Ehrenamtler ab 15.30 Uhr, um das weitere Vorgehen zu planen.

Wer bei "Mentor, die Leselernhelfer" mitmacht, verpflichtet sich, ein Jahr lang einmal die Woche ein Kind in einer Grundschule zu treffen und mit ihm gemeinsam zu lesen und anschließend über das Gelesene zu sprechen.

Oft bleiben die Lese-Teams aber über Jahre zusammen, da Freundschaften entstehen und die Mentoren auch bei anderen Lebensfragen ihren Schützlingen hilfreich zur Seite stehen. "Wir wissen von Mentoren aus anderen Städten, die ihren Kindern später bei der Berufswahl oder bei Bewerbungsschreiben geholfen haben. Es können sich aus diesem Engagement schon sehr intensive Beziehungen entwickeln, wenn die Chemie auf beiden Seiten stimmt", berichtet Stroecks von den Erfahrungen anderer Vereine.

Unterstützt wird die Initiative auch von Stadt und VHS, die sich über jeden freuen, der hilft, aus Lesemuffeln Leseratten zu machen. Vorgeschlagen werden die Kinder, die in den Genuss einer solchen Förderung kommen, von den Grundschulen. In Absprache mit den Eltern treffen sich die Lese-Teams dann wöchentlich zu einer bestimmten Stunde. Kosten entstehen weder für die Schule, noch für die Eltern. "Die Hilfe ist ehrenamtlich, das ist uns auch sehr wichtig", erklärt Stroecks.

Leselernhelfer werden vor Beginn ihrer Tätigkeit geschult und auf ihre Aufgabe vorbereitet. Natürlich sollten sie selbst Spaß am Lesen und am Umgang mit Sprache haben. Helfer müssen gut zuhören können und sollten gern mit Kindern zusammen sein. Für ihr Ehrenamt müssen sie außerdem ein erweitertes Führungszeugnis vorlegen.

"Leselernhelfer werden im Idealfall Vertrauenspersonen, an die sich das Kind auch mit anderen Problemen wendet. Viele Mentoren erzählen, dass ihre Aufgabe ihnen sehr viel Freude bereitet, weil sich die Kinder öffnen und sie dadurch zu Vertrauten und Ratgebern werden", berichtet Heinz-Gerd Stroecks.

Wichtig sei es, die Kinder viel zu loben, um ihr Selbstwertgefühl zu stärken. "Leider gibt es in Deutschland keine Kultur des Lobens. Dabei ist nichts so motivierend wie ein Wort der Anerkennung. Auch kleine Lese-Erfolge der Kinder müssen deshalb immer direkt gelobt werden", weiß Stroecks. Auch wichtig: Die Mentoren vergeben keine Noten und machen keine Meldungen an die Klassenlehrer.

Oft erfahren die Helfer von Lehrern, dass ihre Schützlinge durch die Förderung richtig aufblühen. Sie lesen nicht nur besser, sondern beteiligen sich auch öfter im Unterricht, werden selbstbewusster oder präsentieren ihre Hausaufgaben vor der Klasse. "Lesen macht mutig", sagte vor kurzem ein Junge zu seinem Leselernhelfer. Zwei Jahre lang hatte sich der Schüler sehr schwer getan. Doch nun endlich hatte er sich getraut, vor der Klasse vorzulesen. "Solche Erfolge wünschen wir uns auch in Krefeld", sagt Stroecks.

Wer bei Mentor mitmachen möchte, kann sich beim Bundesverband in Köln informieren unter Telefon 0221-16844726 oder www.mentor-bundesverband.de. Dort können sich Interessierte auch noch für das morgige Treffen in der Mediothek anmelden.

Quelle: RP
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