| 00.00 Uhr

Krefeld
Neue Ära bei der Werbegemeinschaft startet

Krefeld: Neue Ära bei der Werbegemeinschaft startet
Im Hauptquartier der Werbegemeinschaft am Ostwall: Der neue Vorsitzende Christoph Borgmann (M.), umgeben von Hartmut Janßen (Tabak Janßen), Alexander Werner (Schinke Couture), Rainer Thoeren (Sparkasse), Sandra Lemke (Lechner & Hayn) und Thomas Lücking (Kaufhof, v.l.). FOTO: Thomas Lammertz
Krefeld. Erstmals hat der neue Vorsitzende Christoph Borgmann seine Vorstellungen erläutert. Borgmann stellte bewusst keine steilen Forderungen an die Stadt - als Bürger bekannte er sich dazu, dass eine Stadt ohne Geld auch keine großen Aktionen finanzieren sollte. Von Jens Voss

Es war kein forsch fordernder Lobbyist, sondern ein ebenso nachdenklich analysierender wie entschlossen wirkender Bürger, den man erlebte, als gestern der neue Vorsitzende der Werbegemeinschaft, Christoph Borgmann, sich und seine Mannschaft vorstellte. Es ist der Beginn einer neuen Ära. Borgmann folgt Franz-Joseph Greve nach, der den Vorsitz wie berichtet nach 24 Jahren an der Spitze des Vereins niedergelegt hatte. Nun also: Die erste Arbeitssitzung.

Am auffälligsten war vielleicht die Antwort auf die Frage, ob Borgmann sich die Straßenmodenschau zurückwünscht: "Ganz ehrlich: Ich würde der Stadt abraten, 200.000 Euro dafür auszugeben. Wenn ich kein Geld habe, kann ich auch nicht den dicken Max machen." Das war das Besondere an dieser Pressekonferenz: Borgmann steckte einen ordnungspolitischen Rahmen ab, in dem er seine Arbeit verortet, und präsentierte sich als Bürger, der wohlverstandene eigene Interessen vertritt, ohne das Wohl der Stadt aus dem Blick zu verlieren. "Die Stadt hat auch Sorgen, auch große Aufgaben, und da werde ich nicht Dinge fordern, die utopisch sind", sagte er etwa mit Blick auf die Flüchtlingsproblematik; sie werde Stadt und Bürgerschaft noch mindestens zehn Jahre beschäftigen, sagte er voraus und bekannte sich dazu, die Flüchtlinge anzunehmen und zu integrieren: "Das ist auch eine Chance. Sie können uns helfen, die eine oder andere demografische Delle auszugleichen, und aus gut integrierten Flüchtlingen werden irgendwann auch Kunden."

Das große Ziel bleibt es, Krefeld als Einkaufsstadt zwischen Konkurrenten wie Neuss, Mönchengladbach, Moers und Düsseldorf zu positionieren. Mit Blick auf die Internetkonkurrenz sagte er: "Ich glaube nicht, dass der stationäre Einzelhandel von der Bildfläche verschwindet. Die Frage wird sein: Welche Stadt wird es schaffen, einen Branchenmix zu erhalten, der für die Käufer interessant ist." Leitende Fragestellung sei es: "Wie kann man die Vorteile eines Einkaufszentrums mit den Vorteilen einer Stadt verbinden?" Krefeld müsse sauber und sicher sein und einen Service bieten, wie man ihn aus Einkaufszentren gewohnt ist - Borgmann nannte als einfaches Beispiel einen Toiletten- und Hygienebereich, der wie in Einkaufszentren sauber, ansprechend und zum Wickeln von Kindern geeignet sei. "Warum kriegen wir so etwas nicht in der Stadt hin?"

Im Kern betonte er, dass die Grundsatzentscheidung in Krefeld, kein großes Einkaufszentrum in die Stadt zu holen richtig und bahnbrechend war - ausdrücklich dankte er dem früheren Oberbürgermeister Gregor Kathstede, dies mitermöglicht zu haben.

Borgmann zeigte sich überzeugt, dass Krefeld sich mit seiner kompakten Struktur und dem Sprung nach vorn (Stichwort Primark, Ostwallhaltestelle) gegen Nachbarstädte behauptet: Neuss sei eine zerklüftete Stadt mit einer schrumpfenden Innenstadt; Mönchengladbach setze auf das Minto-Einkaufscenter und nicht auf den Flair der Innenstadt; Düsseldorf sei deutlich teurer als Krefeld, so dass viele es wohl eher als eine Art Ausflugsziel ansteuern.

Beim Stichwort City-Verschönerung setzt Borgmann nicht auf teure Leuchtturmprojekte, sondern auf konkrete Zusammenarbeit mit der Stadt. So wies er auf eine neue, mit Unterstützung von Oberbürgermeister Frank Meyer gegründete "Arbeitsgruppe Innenstadt", die am 23. Februar erstmals tagt.

Handfestes Ziel ist es, mehr Händler für längere Öffnungszeiten am Samstag zu gewinnen - mindestens bis 18 Uhr. "Es ist einfach so, dass gerade junge Leute am späten Nachmittag in die Stadt fahren, shoppen und dann lecker essen gehen." Weiteres handfestes Ziel: Borgmann will mehr Einzelhändler für die Werbegemeinschaft gewinnen. "Gefühlt beteiligen sich nur 20 Prozent", sagte er, "es kann nicht sein, dass eine Mehrheit davon profitiert, dass 20 Prozent die Arbeit machen. Das ist nicht fair." Borgmann will auch die vielen Filialisten ansprechen: "Ich werde Herrn Deichmann einen Brief schreiben und ihn bei seiner Ehre packen", kündigte er an. Es gehe darum, Gemeinschaft zu erzeugen; "wir sind nun mal eine Gemeinschaft, fast eine Schicksalsgemeinschaft".

Für 2016 plant die Werbegemeinschaft sieben Aktionen - Ziel sei es, eine Aktion im Monat zu machen, sagte Borgmann, "da ist noch Luft nach oben, aber es muss Qualität haben."

Generell zeigte Borgmann sich optimistisch: "Ich glaube", sagte er, "Krefeld wird in fünf Jahren wieder einen Riesenschritt weiter sein."

Quelle: RP
Diskussion
Ihre Meinung zum Thema ist gefragt

Schreiben Sie jetzt Ihre Meinung zu:

Krefeld: Neue Ära bei der Werbegemeinschaft startet


Beachten Sie dabei bitte unsere Regeln für Leserkommentare.