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Krefeld
Neue Bilder und O-Töne für die Gedenkstätte Villa Merländer

Krefeld. In der Villa Merländer ist jetzt die neu konzipierte Dauerausstellung durch zeitgemäße Audio- und Videoinstallationen erweitert worden. Möglich gemacht hat dies die Spende der Kulturstiftung der Sparkasse in Höhe von 15.000 Euro. Von Christine van Delden

Barbara Behr, Vorsitzende des Vereins Villa Merländer, erläutert, dass das Haus einen "neuzeitlichen Bildungsauftrag" habe. "Kinder und Jugendliche wachsen heute völlig selbstverständlich mit neuen Medien auf. Aus diesem Grund mussten wir unser Konzept anpassen". Ingrid Schupetta, Leiterin des NS-Dokumentationszentrums betont, dass die mediale Anpassung absichtlich "sehr sparsam" geschehen sei: "Ganz bewusst haben wir in jedem Raum nur ein Objekt hinzugefügt".

Im Eingangsbereich empfängt jetzt den Besucher ein Volksempfänger, ein Radio, das mit einem "Klangteppich der Zeit" eine Hintergrundatmosphäre simuliert. Der Volksempfänger erinnert an die Zeit, als das Radio "Propaganda sanft verpackt" ins Haus lieferte, wie Ingrid Schupetta erklärt. Im nächsten Raum steht ein altes schwarzes Telefon. Hebt der Besucher den Hörer, kann er Denunziationen per Knopfdruck abrufen, die die Krefelder Gestapo aus der Bevölkerung erhielt. Die Tür des Notausgangs dient als Projektionsfläche für Berichte über das Novemberprogrom in Krefeld. Schauspieler treten dem Betrachter in Lebensgröße entgegen und lesen Texte, beispielsweise aus dem Tagebuch der 17-jährigen Ruth Meyer. In der Vitrine neben der Tür finden sich Gegenstände, die Zeugnis über Ruth Meyer ablegen, wie Fotos oder Stoffblumen - das Mädchen wollte Modistin werden.

Auf diese Weise werden die Besucher unmittelbar angesprochen. Ein Bilderrahmen, der in originalen Trümmerresten aufgestellt ist, zeigt Fotos in Endlosschleife, die Krefeld nach den Bombenangriffen von 1943 zeigen. Zur Verfügung gestellt wurden die Bilder vom Stadtarchiv. Im Luftschutz-Keller der Villa Merländer wird akustisch ein Luftalarm simuliert. Eine beklemmende Erfahrung.

Unterstützung bei der Umsetzung der medialen Neuerungen hat das Zentrum für Medien und Bildung des Landschaftsverbands Rheinland geleistet. "Diese Zusammenarbeit war ein richtiger Glücksfall", berichtet Ingrid Schupetta.

Quelle: RP
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