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Krefeld
Neue CD: Heinz-Peter Kortmann spielt Walter Gleißner

Krefeld. Gleißner wurde gleichermaßen vom katholischen wie vom protestantischen Kirchenverständnis geprägt.

Nach einer Reihe von Alben, die der Organist Heinz-Peter Kortmann gemeinsam mit anderen Musikern einspielte, hat er nun wieder ein Solo-Opus vorgelegt, und er hat es ganz dem Werk von Walter Gleißner gewidmet. Gleißner, Jahrgang 1931, in erster Linie beeinflusst von Johann Sebastian Bach, in der Ausbildung gleichermaßen Zögling der DDR und der Bundesrepublik Deutschland, und sowohl vom protestantischen als auch vom katholischen Kirchenmusikverständnis geprägt, wirkte 1962 bis 94 als Kantor und Kirchenmusikdirektor in Aschaffenburg, glänzte als Orgel-Solist in ganz Europa und Japan und schuf außerdem eigene Kompositionen nicht nur für die Orgel. Auf Letztere aber konzentrierte sich Heinz-Peter Kortmann für die vorliegende CD, die er auf der Metzler-Orgel in der Hülser Kirche St. Cyriakus einspielte.

Bach, wie könnte es anders sein, steht am Anfang. Eine "Fantasie", die Gleißner - wie der Meister selbst - in den Tonarten schrieb, die Bachs Namen buchstabieren, eine "Hommage à Bach" und "Meditationen über Bach-Choräle" lagen auf dem Pult. Ein wenig schroff klingen sie hier und da, dem Spiel mit Dissonanzen geschuldet, aber in der Impulsivität, die damit einhergeht, steckt auch eine mitreißende Lebendigkeit. Stücke wie "Christ lag in Todesbanden", "Herr Jesu Christ, dich zu uns wend", die Choralfantasie "Erde singe!", und das "Te Deum" erwuchsen aus Gleißners gottesdienstlicher Praxis und bieten von den typischen barocken Endloslinien bis zu freudigen Melodiebildungen ein breites Spektrum an Eindrücken.

Paul Hindemith und dessen Oper "Mathis der Maler" spielten eine Rolle bei der Entstehung der heiter-hellen Fronleichnams-Sequenz "Lauda Sion Salvatorem", und das "Veni Sancte Spiritus" ist besonders rhythmisch sehr reizvoll. Eine schöne Geste von Gleißner griff Kortmann mit dem "Epitaph für einen Blutzeugen" auf. Es erinnert an den fast vergessenen, seinerzeit 19-jährigen Walter Klingenbeck, der 1943 in München als Untergrundaktivist gegen das Nazi-Regime hingerichtet wurde. Im Triptychon "Apokalypse" verarbeitete der Komponist die Erfahrung einer schweren Erkrankung seiner Ehefrau, die schließlich aber auf den Weg der Genesung gelangte.

Ein ausführlicher Text im Booklet zur CD gibt Auskunft über die kompositionstechnischen Methoden und Kunstgriffe, mit denen Gleißner die Stücke gestaltete, und um so glanzvoller treten Kortmanns Interpretationen hervor - sowohl im unbedingt virtuosen Zugriff auf das Instrument Orgel als auch in der Kraft und Tiefe des Ausdrucks.

CD Heinz-Peter Kortmann, "Walter Gleißner: Orgelwerke - Organ Works", Verlag Dohr, DCD 045

Quelle: RP
 
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